Citroën: Die ersten deutschen Jahre von 1919 bis 1969

In diesen Tagen erscheint ein neues Buch des Kölner Autors Immo Mikloweit. Es beschäftigt sich mit der Geschichte der Marke in Deutschland zwischen 1919 bis 1969 und befördert aufregendes Material zu Tage. Ein faszinierender Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Citroën. Garage 2CV durfte vorab lesen – und staunen !
 
Von Jan Eggermann, Bilder: Garage 2CV / BUCH & MOTOR / Citroën
 
Wenn ich in Zukunft an der Kölner Hohenzollernbrücke vorbei über den Rhein hinweg schaue, werde ich vor meinem inneren Auge ab sofort einen übergroßen Fesselballon mit dem Schriftzug Citroën hoch über der Deutzer Messe stehen sehen. Neben mir rumpeln mit Doppelwinkeln geschmückte Straßenbahnen vorbei, ich sehe Citroën-Werbungen und irgendwo am Horizont in der östlichen Vorstadt Poll schrauben Arbeiter neue Citroën Front zusammen. Das ist jedenfalls eine Konsequenz aus der Lektüre des neuen Buches Citroën: Die ersten deutschen Jahre von 1919 bis 1969 des Kölner Autors Immo Mikloweit. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten ein erstaunliches Archiv mit allem zusammengetragen, was mit der Geschichte der Marke in Deutschland zu tun hat. Darüber hinaus sprach er noch mit etlichen Zeitzeugen, die sich an die Zeit der Kölner Citroën-Produktion erinnern konnten. Wohl deshalb bekommt man beim Blättern durch das Buch einen sehr lebendigen und bleibenden Eindruck von der Vergangenheit Citroëns in Deutschland.
 

 
Alles beginnt schon kurz nach Gründung des Automobilunternehmens, als ein Kölner Generalimporteur die ersten Citroëns aus Frankreich ins Rheinland und das angrenzende Westfalen holt. Das ist kurz nach dem ersten Weltkrieg mit vielen administrativen Hürden verbunden und bleibt nur gut betuchten Kunden vorbehalten. Doch Zollvorschriften bremsen André Citroën nicht, der stets das Große im Auge hat. So beginnt er 1926 mit Vorbereitungen für eine eigene Produktion in Deutschland. Ausgerechnet aus einer stillgelegten Waggonfabrik und gesteuert von „Einfahrern“ rollen die ersten Citroëns über eine kleine Teststrecke zu Händlern und Kunden. Weil die Fahrzeuge vergleichsweise fortschrittlich konstruiert sind und als sehr modern gelten, wird die Marke zur Citroën zur ernsthaften Konkurrenz für die Hersteller aus Deutschland. Der Erfolg Citroëns liegt auch an den vielfältigen Werbeoffensiven, die im Buch zu sehen sind. Man läßt Werbekarawanen fahren, schaltet perfekt illustrierte Anzeigen in Zeitungen, gibt gar eine eigene Zeitschrift für Damen – die Citroën Mode – heraus. André Citroën ist auch persönlich in Köln oder Berlin zu sehen, hier besichtigt er sein Werk, dort gibt er anläßlich der IAA rauschende Galadiners. Das Buch entreißt etliche Fotografien und Dokumente der Vergangenheit, läßt längst geschlossene Händler wieder lebendig werden. Besonders beeindruckend ist die enthaltene Geschichte eines Citroën-Vertreters aus Riesa, dessen C6 von 1928 die Zeit überdauert hatte, genauso wie alle dazugehörigen Papiere inklusive eines Frachtbriefes der Deutschen Reichsbahn, die den Wagen einst in Köln-Poll abgeholt hatte. Wahnsinn !
 

 
Ähnlich verblüffend geht es in den fünfziger Jahren weiter. Obwohl André Citroën schon nicht mehr persönlich dabei ist, bleibt sein Esprit aber doch lebendig. Etwa in Form der Citroën DS, der ersten in Deutschland vermarkteten Nachkriegskonstruktion von Citroën, der berühmten Ente und auch im Ami 6. Obwohl das etwas skuril gezeichnete Automobil in der Bundesrepublik nur ein Nischendasein führt, finden sich im Buch erstaunliche Fotografien von einer praktisch unbekannten Ami 6-Tour durch die Bundesrepublik in den frühen Sechzigern. Es sind diese Insiderperspektiven, die das Buch so interessant machen. Aufschlußreich ist auch ein mehrseitiges Personenregister mit vielen Daten aus den Lebensläufen der irgendwie mit Citroën in Deutschland verbundenen Personen. Dabei fehlen Citroën-Persönlichkeiten wie Georges-Marie Haardt – er gehörte dem ersten Kölner Aufsichtsrat an – ebensowenig, wie die schon erwähnten Gesprächspartner Mikloweits. 1969 – also in Zeiten der späten DS, von Dyane und Ami 8, endet der Text des 196seitigen Buches mit zwei erwartungsfrohen Wörter: „Fortsetzung folgt“. Sehr gerne !
 

 
Citroën: Die ersten deutschen Jahre von 1919 bis 1969 wird am 14. September 2019 im Rahmen einer Signaturstunde in Köln vorgestellt. Nähere Informationen zum Beginn und der genauen Örtlichkeit werden im Newsletter von Garage 2CV bekannt gegeben.

Das neue Buch kann bei www.buchhundmotor.de bestellt werden und ist ab Anfang Oktober 2019 unter der ISBN 978-3-9809082-9-0 und zum Preis von 39,90 EUR auch im stationären Buchhandel erhältlich.
 

 
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