Citroëns Kölner Gedächtnis

Der Kölner Immo Milkoweit widmet sich seit Jahrzehnten der Historie „seiner“ Marke. Jetzt erscheint seine neue Veröfffentlichung zu den ersten fünfzig Jahren von Citroën in Deutschland. Was hat ihn dazu bewogen, sich so intensiv mit der Doppelwinkelgeschichte zu beschäftigen ?
 
Von Jan Eggermann, Bilder: Garage 2CV / BUCH & MOTOR / Citroën
 
Kurz nach dem letzten Krieg liegt Köln zu weiten Teilen in Schutt und Asche. Damals spielt der kleine Immo Mikloweit gerne in den Ruinen eines völlig zerstörten Industriebetriebes in Köln-Poll. In dieser unüberschaubaren Trümmerwüste waren wohl früher einmal Automobile produziert worden. So berichten es ihm jedenfalls Spielkameraden, deren Väter lange vor dem Krieg als Schlosser, Lackierer oder auch als „Einfahrer“ „bei Citroën“ gearbeitet hatten. Mikloweit entscheidet sich später für auch eine Ausbildung im Kraftfahrzeugbereich und durchläuft wird Kraftfahrzeugmechaniker. Nach Wehrdienst und fünfjähriger Gesellenzeit macht er dann seinen Kraftfahrzeugmeister, ist später bei bei einem Kölner Alfa Romeo- und Fiat-Betrieb tätig und fährt auch zu Lehrgängen an den traditionellen deutschen FIAT-Sitz in Heilbronn.
 

 
Anfang der Siebziger kommt der der Citroën SM. Der damals schnellste Serienwagen der Welt wird von einem Maserati-Motor angetrieben, mit dem kaum jemand bei Citroën umgehen kann. Also sucht die Citroën-Deutschlandzentrale in Porz-Westhoven einen versierten Kenner italienischer Motorentechnik. Man wird auf Mikloweit aufmerksam. Der zügert nicht lange und wird dann bis zur Einstellung der Produktion des SM im Jahre 1975 Leiter der Fahrzeugabnahme SM bei der Citroën-Zentrale in Porz-Westhoven. Doch auch danach bleibt er – zwischenzeitlich und bis heute zum passionierter 2CV-Fahrer geworden – dem Doppelwinkel treu und durchläuft nach und nach viele Stationen bei der deutschen Importgesellschaft.
 
 
Eine bewusste Verbindung zwischen seinen Kindheitserinnerungen und seinem Arbeitgeber bleibt zunächst vage. Doch dann führt ihn eine spätsommerliche Suche nach Holunderbeeren an den Rand des einstigen Citroënwerkes in Köln-Poll, also den Stadtteil in dem er aufgewachsen ist und seitdem lebt. In den Achtzigern wird der größte Teil des Areals als Volkswagen-Auslieferungszentrum für den Kölner Raum benutzt, doch ein kleiner Teil liegt noch brach wie seit den ersten Nachkriegsjahren. Inmitten üppiger Vegetation wird der Beerensammler zufällig auf einen ungewöhnlichen und metallischen Gegenstand aufmerksam … Das verrostete Stück Stahl im Unterholz entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Spezialwerkzeug für die Lenkung des legendären Traction Avant, der einst unter der Bezeichnung „Citroën Front“ genau an dieser Stelle produziert worden war. Sein Interesse für die Geschichte des Werkes ist geweckt, er nennt es heute im wahrsten Sinne des Wortes „ein Schlüsselerlebnis.“ Zum Glück möchte man sagen, denn seitdem sammelt Mikloweit praktisch alles, was mit der Vergangenheit von Citroën in Deutschland zu tun hat, knüpft vielfältige Kontakte und lernt Zeitzeugen aus der Frühzeit von Citroën in Deutschland kennen. Im Laufe der Zeit wird er so zum lebendigen Gedächtnis der Marke.
 

 
Seit 1984 ist er dann für das Unternehmen als technischer Bezirksleiter unterwegs und beginnt – damals natürlich noch mit einer Reiseschreibmaschine – erste recherchierte Fakten niederzuschreiben. Als Anfang der Neunziger dann der Wiederaufbau des Citroën-Händlernetzes in den neuen Bundesländern ansteht, hilft auch er kräftig mit und verfasst an langen Abenden sein erstes Buch über die Geschichte der französischen Automarke. Citroën Automobile erscheint 1991. Erstmals ist dort von der Existenz eines Kölner Citroënwerkes zu lesen, das Mikloweit so vor dem sicheren Vergessen rettet. Die Resonanz auf eine solche Grundlagenarbeit bleibt nicht aus und Mikloweit kann Kontakt zu weiteren Zeitzeugen herstellen, die ihm noch aus der alten Poller Zeit berichten und ihn manchmal auch mit Erinnerungsstücken, Fotografien oder alten Dokumenten versorgen. Daneben kümmert er sich seit Mitte der Neunziger Jahre um das langsam wachsende Bewustsein für die Historie der Marke. Als Citroën 1998 erstmals ein Vorserienmodell des 2CV auf der Techno Claccica in Essen zeigt ist Mikloweit dabei, kümmert sich später als Presseattaché von Citroën um Journalisten und die Standbetreuung auf etlichen Automobilmessen. Diese vielfältige Nähe zum Thema ist dem jetzt erscheinenden Buch Citroën: Die ersten deutschen Jahre 1919 bis 1969 durchgängig anzumerken. Es läßt das erste halbe Jahrhundert der Markengeschichte aus deutscher- bzw. Poller-Perspektive lebendiger denn je erscheinen, woran natürlich auch viele zeitgenössische Dokumente und Fotografien Anteil haben. Doch damit nicht genug: Ein Buch zu den nächsten fünfzig Jahren soll schon in Arbeit sein.
 
Henri-Jacques Citroën mit Immo Mikloweit in der André-Citroën-Strasse in Köln-Porz, 2017
 
Citroën: Die ersten deutschen Jahre von 1919 bis 1969 wird am 14. September 2019 im Rahmen einer Signaturstunde in Köln vorgestellt. Nähere Informationen zum Beginn und der genauen Örtlichkeit werden im Newsletter von Garage 2CV bekannt gegeben.

Das neue Buch kann bei www.buchhundmotor.de bestellt werden und ist ab Anfang Oktober 2019 auch unter der ISBN 978-3-9809082-9-0 und zum Preis von 39,90 EUR im stationären Buchhandel erhältlich.
 

 
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