Citroën C42: Leerstand für 245 Millionen Euro

 
Citroëns repräsentative Adresse auf den Champs-Elysées, das zum Jahresende 2017 geschlossene C42, wird wohl für immer geschlossen bleiben. Citroën zog aus weil das einst von André Citroën erworbene Grundstück inklusive des in den 2000ern errichtete C42 schon vor Jahren an einen katarischen Immobilienfond verkauft worden war. Für stattliche 245 Millionen Euro wie jetzt bekannt wurde.
 
Von Jan Eggermann für garage2cv / Bilder: Bundesarchiv/Garage 2CV

 
Auf dem Höhepunkt der PSA-Krise Anfang des Jahrzehnts verkaufte der noch als PSA Peugeot Citroën firmierende Konzern viele Immobilien in der französischen Hauptstadt Paris, darunter auch einige sehr symbolträchtige Liegenschaften. So etwa die in den Sechzigern bezogene Peugeot-Zentrale in der Avenue de la Grande Armée 75 zwischen Arc de Triomphe und der Porte Maillot. Mit den französischen Sommerferien endete im letzten Jahr der reguläre Betrieb in der „75“. Erster Arbeitstag der PSA-Führung im neuen Domizil Rueil-Malmaison im Departement Hauts-de-Seine war der 1. September 2017. Die stets im achten Geschoss residierenden Vertreter der Peugeot-Familie hatten das Gebäude schon 2015 verlassen.
 
Auch von einem Teil des Citroën-Erbes trennte man sich, so vom repräsentativen Grundstück Champs-Elysées 42 im 8. Arrondissement. André Citroën hatte es – damals im Dauer-Wettstreit mit Louis Renault – 1927 gekauft. Der Prachtboulevard gehört zu den bekanntesten Straßen der Welt und in der nur einen Steinwurf entfernten Rue du Faubourg Saint Honoré liegt mit Elysée Palast und Innenministerium praktisch das politische Zentrum Frankreichs. Viele Modehäuser (etwa Pierre Cardin oder Chanel) und die Botschafter Großbritanniens und Kolumbiens haben hier ihren Sitz. Als Citroën-Ausstellung wurde das Gebäude seit 1927 ununterbrochen genutzt. Eine Zwangspause gab es nur während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg, als deren trauriger Höhepunkt im Januar/Februar 1944 ausgerechnet eine Fotoausstellung der Waffen-SS im Gebäude stattfand. Von 1984 bis 1999 war die 42 an die Restaurantkette Hippo vermietet, die auf einem eingezogenen Zwischengeschoss ihr Hippo Citroën betrieb. Unten standen meist zwei Citroëns. Als der Mietvertrag auslief, entschloß man sich zum Neubau des Gebäudes.
 
 

 
Die einzigartige Architektur des heutigen C42* stammt von Manuelle Gautrand, die mit ihrem Entwurf den ausgelobten Architektenwettbewerb für sich entscheiden konnte. Seit der Wiedereröffnung am 27. September 2007 gab es monatlich wechselnde Fahrzeugausstellungen, bei denen zumeist klassische und aktuelle Citroëns zu sehen waren. Über die Auswahl der Fahrzeuge entschieden jeweils die Besucher. Die ausgestellten Autos standen eindrucksvoll auf Plattformen bis in den oberen Bereich des Gebäudes, was man als Reminiszenz an das früher unweit gelegene Citroën-Kaufhaus Marbeuf verstehen konnte. Zeitweise war im C42 sogar eine über alle Etagen führende Rutschbahn installiert. Parallel zur letzten Citroën-Präsentation des C3 Aircross gab Citroën am 7. Dezember die Schließung zum 31. Dezember 2017 bekannt. Wie langfristig sinnvoll die Investition André Citroëns war, zeigte sich dann in der Krise 2012. Damals konnte PSA Peugeot Citroën das Grundstück nebst Gebäude für sagenhafte 245 Millionen EURO an einen katarischen Immobilienfonds verkaufen und damit einen signifikanten Beitrag zur Sanierung der Gesamtgruppe leisten. Während der zehnjährigen Betriebszeit des C42 hatten über 10 Millionen Menschen den Citroën-Showroom besucht. 2019 soll im Zentrum von Paris ein neuer Citroën-Showroom eröffnen, sehr wahrscheinlich aber nicht mehr auf den Champs-Elysées.
 
* Die Bezeichnung C42 ist erst seit der Wiedereröffnung des Standortes gebräuchlich.
 
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