Wechsel nach 59 Jahren: Frankreichs neue Nummernschilder

Seit 15. April 2009 wechselt Frankreich seine Nummernschilder: Alle Neufahrzeuge erhalten bereits jetzt neue Nummernschilder, die zeitlebens am Fahrzeug verbleiben werden. Ab 15. Juni gilt das neue System auch für Gebrauchtwagen.

Unproblematisch hatte sich die französische Regierung die Einführung eines neuen Nummernschildsystems für Frankreich vorgestellt. Die Vorbereitungen liefen seit Jahren, noch zu Zeiten von Nicholas Sarkozy als Innenminister waren erste Pläne hierzu publik geworden. Ob das bisherige System mit seiner Zahlen- und Buchstabenkombination tatsächlich bald an die Grenzen seiner Kapazität angelangt wäre, mag dahingestellt bleiben, für die französische Regierung ging es vor allem um eine zentrale Erfassung aller Fahrzeuge, denn das am 1. April 1950 eingeführte System krankte weniger an den verfügbaren Kombinationen, als vielmehr an der nicht vorhandenen Administration im Hintergrund.
Alle Nummern wurden nur jeweils einmal vergeben, ein zentrales System zur Erfassung zugelassener bzw. abgemeldeter Fahrzeuge gab es nicht. Beim französischen Verkehrsministerium liegen heute zwar die Daten von rund 150 Millionen Fahrzeugen vor, doch wie viele davon tatsächlich noch auf Frankreichs Straßen rollen, kann niemand sagen. Während in ländlichen Departements noch theoretische Zahlenreserven für Jahrzehnte zur Verfügung standen, wurde in zulassungsstarken Departements wie etwa in der Seine-Region bereits mit drei Zahlen und drei Buchstaben gearbeitet, nach heutigen Berechnungen wäre das bisherige System dort etwa gegen Ende des nächsten Jahrzehnts an seine Grenzen gestoßen.

Eine Reform des bestehenden Systems wäre angesichts der nicht aktualisierten Bestandsdaten kaum durchführbar gewesen, weshalb ein gänzlich neues Ziffern- und Buchstabensystem für die französische Regierung den einfachsten Weg ergab, ein zentrales Melderegister für Kraftfahrzeuge einzuführen.

Vorne wie hinten weiß: Muster der neuen französischen Zulassung. Die bereits 2004 begonnene Abkehr vom hinteren gelben Schild begründet das französische Innenministerium mit Umweltschutzgründen, beim Herstellungsprozess der gelben Farbe wird Blei verwandt. Bildquelle: Ministère de l’Intérieur, de l’Outre-Mer, et des Collectivités Territoriales de la Republique Francaise.

Wenn die Zählung der neuen Fahrzeuge nun nicht bei Null oder – um es korrekt auszudrücken – bei „AA 000 AA“ angefangen hätte; kaum jemand hätte Notiz vom neuen System, geschweige denn von den neuen Nummernschildern genommen. Vielleicht wäre auch die Frage nach Sinn und Zweck einer zentralen Datei für alle Kraftfahrzeuge stärker in den Vordergrund gerückt worden.

So fiel jedoch nach Ankündigung des neuen Systems immer mehr Französinnen und Franzosen auf, dass im Rahmen der Reform die beiden letzten Ziffern und damit die traditionellen Kennzahlen der Departements wegfallen sollten. Konnte man im alten System jedes Fahrzeug seinem Departement zuordnen – also etwa „75“ für Paris oder „06“ für Nizza – sieht das neue System derlei regionale Unterscheidungsmöglichkeiten nicht mehr vor und folgt ähnlichen Systemen in den Niederlanden oder Italien.

Im letzten Jahr brach sich dann der wachsende Unmut endgültig Bahn, es gab Protestseiten im Netz, Medien berichteten. Über zahlreiche Parlamentsabgeordnete aus allen politischen Lagern und Regionen verschafften sich die Traditionalisten in Sachen „Departements auf Nummernschildern“ Gehör in Paris, was im letzten Herbst dann zu einer bescheidenen Reform der Reform führte.

Die gute Nachricht: Auch weiterhin wird es Zahlen von Departements auf den Kennzeichen geben. Vorgesehen ist dafür die blaue Fläche auf der rechten Seite des Nummernschildes. In den ursprünglichen Planungen sollte der Fahrzeugeigentümer selbst entscheiden können, ob er lieber „anonym“ oder mit regionalem Bezug unterwegs sein wollte.

Die schlechte Nachricht: Da die Departementziffern in Verbindung mit entsprechenden Wappen zwar offizieller Bestandteil des Nummernschildes werden, ansonsten aber keinerlei Funktion mehr erfüllen, soll es Eigentümern freigestellt bleiben, für welches Departement sie optieren: Eine „75“ wird zwar weiterhin an Paris erinnern und die „06“ für Nizza stehen, doch ob das passende Auto dann auch tatsächlich von dort kommt, lässt sich nicht mehr sagen. Sicher ist dann nur eines: Das Fahrzeug ist in Frankreich zugelassen und im Zentralrechner des französischen Verkehrsministeriums registriert.

Von Jan Eggermann, 2009.

Nachtrag: Das bisherige System wird mit Stichtag 31. Dezember 2020 auslaufen, d.h. bis dahin müssen sämtliche Bestandsnummern von noch im Verkehr befindlichen Fahrzeugen ausgetauscht worden sein.

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