Neue Enten aus Frankreich? Zwischen Dichtung und Wahrheit

Irgendwo zwischen Dichtung und Wahrheit lagen seit Produktionseinstellung der Ente im Jahre 1990 viele Gerüchte, die eine Wiederauferstehung des blechernen Vogels herbeisehnten. So mussten 1993 viele Citroën-Händler mit Achselzucken die häufigen Kundenanfragen nach einem neuen 2CV beantworten. Hintergrund war damals ein vom französischen Radiosender RTL initiiertes Preisausschreiben, bei dem den Gewinnern fünf nagelneue Enten winkten. Doch entstammten diese Fahrzeuge nicht – wie es der ein oder andere vielleicht gern gehabt hätte – einer Neuauflage der Produktion. Vielmehr waren sie 1990 in einer Lagerhalle hinterstellt und nun für das Preisausschreiben wieder ans Tageslicht geholt worden.

Böse Beschwerden handelte sich die jenseits des Rheins bekannte Zeitschrift Citropolis ein, die in ihrer Aprilausgabe 1999 von einem Produktionsanlauf im Elsass berichtete. Angeblich unter dem Namen „2CV Katia“ wolle dort ein Citroën-Händler das Kultgefährt wiederauferstehen lassen. Die Fotos des ersten Prototyps ließen viele den Erscheinungsmonat des Heftes vergessen …

Als nun im März 2001 die bekannte Tageszeitung „Midi Libre“ über die 2CV-Sonderserie „Lozérienne“ berichtete, erschien eine weitere Presse-Ente nicht unwahrscheinlich.

garage2cv.de ist der Sache auf den Grund gegangen: Unweit von Montpellier (im Departement Herault) gibt es seit Jahren eine Werkstatt, die sich auf die kleinen Citroën-Modelle spezialisiert hat. Zu Preisen von 45000 bis 51000 FF kann man dort aus Neuteilen aufgebaute Enten mit Zweijahresgarantie erwerben. Nach Angaben der Werkstatt verwendet man zu 90% Neuteile, während die restlichen 10% aufgearbeitete Altteile sind, die als Neuteile nicht mehr erhältlich sind. Da einige Ersatzteile  tatsächlich nicht mehr über Citroën zu beziehen sind (wie beispielsweise etliche Positionen der Innenausstattung), erscheint die Relation zwischen Neu- und Altteilen durchaus nachvollziehbar. Die Fahrzeuge sind allesamt mit den Bleifrei-Motoren der letzten Baujahre ausgestattet, und werden mit einer Fotodokumentation der Arbeiten ausgeliefert. Die jetzt in der Tagespresse vorgestellte Sonderserie von 50 Fahrzeugen dürfte jedoch nur bei dementsprechenden Vorbestellungen realisierbar sein. Angesichts des Presserummels im Süden Frankreichs sollte das Erreichen dieser Stückzahl allerdings auch vor dem Hintergrund der Rückbesinnung auf den „Deuche“ tatsächlich möglich sein!

Von Jan Eggermann, 2002

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