Nachruf: Borgward-Ingenieur Heinrich Völker

Nachruf
Ing. Heinrich Völker
Am 6. März 2004 starb der Ingenieur und Autor Heinrich Völker im Alter von 81 Jahren. 1939 machte er ein Ingenieurspraktikum im Flugzeug- und Motorenbau bei Junkers in Dessau. Im Oktober 1941 zog ihn die Luftwaffe zum Kriegsdienst ein und beurlaubte ihn 1944 für ein Studium (Junkersstipendium) an der Magdeburger Ingenieurschule. Nach dem Krieg konnte er das Studium im Fachbereich Maschinenbau am Bremer Technikum beenden.

Verlag Peter Kurze 2004 - Alle Rechte vorbehalten.

1953 begann er als Ingenieur im Fahrversuch der Carl F.W. Borgward GmbH Automobil- und Motorenwerke Bremen. Gleich in den ersten Tagen seiner neuen Tätigkeit traf er bei der Isabella-Messplatte mit Carl Borgward zusammen, der ihn fragte, wie es ihm hier gefällt: Sie sehen, Herr Borgward, ich stehe bereits mit beiden Beinen in der Arbeit! Borgward sah ihn an und antwortete knapp: Na, denn woll´n wir mal hoffen, dass sie mit dem Kopf auch noch hineinkommen!

Heinrich Völker war einer der Geburtshelfer der Isabella. Er war u.a. mitverantwortlich für die fortschrittliche Bremsanlage und die Weiterentwicklung der Lenkung, für die Entwicklung des Frontlenker-LKWs B 611 und für die Luftfederung beim GROSSEN BORGWARD (P 100).
Ausdruck seiner Kreativität sind Patente zur Luftfederung.

1960 baute er im Werk Sebaldsbrück eine große Musterwerkstatt auf, die für die Händler als Beispiel für vorbildliche, durchorganisierte und rationell funktionierende Kundendiensträume fungierte. Die Musterwerkstatt war ebenso zuständig für defekte Autos, an denen sich die Händlerwerkstätten schon die Zähne ausgebissen hatten, wie für die Vorbereitung der Rallyefahrzeuge. Obwohl ihm mehrere Angebote der Automobilindustrie vorlagen, ist er nach dem Borgward-Konkurs wieder in den Flugzeugbau gegangen und hat sich um die Produktion des ersten westdeutschen Verkehrsjets (VFW 614) und die Entwicklung der Senkrechtstarter (spez. VAK) verdient gemacht.

Nach seiner Pensionierung widmete er sich dem Modellflug und schrieb viele Artikel für Fachzeitschriften, z.B. über Bodeneffekt-Fluggeräte. 1999 lernte ich Heinrich Vöker kennen, als er mir den Vorschlag machte, ein Buch über die technische Entwicklung der Fahrzeuge der Borgward-Werke zu verfassen. In den vielen folgenden Gesprächen, lernte ich ihn als sympathischen, offenen und aufrichtigen Menschen kennen. Sein umfassendes Technik-Wissen, seine gerade Art und sein Talent, komplizierte Sachverhalte einfach zu erklären, habe ich immer wieder bewundert. So hat er in den letzten Jahren auch viele Vorträge gehalten, die ihn durch die Vorbereitungen und durch die Begeisterung der Zuhörer vom ruhigen Rentnerdasein abhielten.

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Im Jahre 2000 erschien sein umfangreiches Werk Der Weg zur BORGWARD Isabella. Ein vergleichbares Buch gibt es in Deutschland nicht, weil Völker aus der Sicht des Zeitzeugen und des Ingenieurs einen wichtigen Teil der Technikgeschichte exakt beschreibt. Der Erfolg ermutigte ihn, mit ein weiteres Werk Die Rennsportwagen der Borgward-Werke zu verfassen. Schwer krank erlebte er noch die Veröffentlichung seines Buches im Februar diesen Jahres.

Von Peter Kurze, 2003

Nachtrag:
Citroën-Freunden war Heinrich Völker durch sein Buch Der Weg zur BORGWARD Isabella ein Begriff geworden. In dessen Rahmen schilderte er, wie seinerzeit bei Borgward eine Citroën DS zu Testzwecken bis auf die letzte Schraube zerlegt wurde. Dadurch konnten wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung des ersten deutschen Personenkraftwagens mit Luftfederung – der Borgward P100 – gewonnen werden. Völker war auch auf Citroën-Treffen ein gerngesehener Gast.
Wir berichteten im Sommer 2001 vom Nordtreffen in Holthum-Geest.
Die Redaktion.

08.03.04

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