Citroën C15: Nachfolger der Kastenente

Anhaltende Nachfrage belegte die schlüssige Konzeption des C15 und garantierte die außergewöhnlich lange Bauzeit von 22 Jahren. Bild: Citroën France / Archiv Garage 2CV

Seit den zwanziger Jahren ist es bei Citroen Tradition, auf Basis bereits bestehender Pkw-Modelle auch Nutzfahrzeugvarianten anzubieten. Unvergessen bleibt der erste Kastenwagen 5 CV „Fourgonette“ von 1923. Funktionalität und Robustheit, gepaart mit minimalen Unterhaltungskosten; das waren und sind die Schlüssel zum Erfolg auf dem Gebiet leichter Nutzfahrzeuge! Heute bieten alle großen Automobikonzerne ähnlich konzipierte Nutzfahrzeuge an: Ein Beweis für die Qualität des ursprünglichen Citroën-Konzeptes.

Bisher größter Verkaufserfolg des Unternehmens in diesem Marktsegment war aber zweifellos die ab 1952 bis 1978 angebotene Kastenente und das auf ihr basierende Nachfolgemodell Acadiane.In den sechziger Jahren wurde absehbar, dass das Entenkonzept – und damit auch die  Kleintransporter AK und AZU – nicht mehr weiterzuentwickeln war, und über kurz oder lang durch eine völlig neue Modellreihe ersetzt werden musste. Spätestens aber mit Übernahme des Unternehmens durch Peugeot war dann klar, dass ein wie auch immer gearteter Nachfolger weitgehend mit Technik aus dem PSA-Baukasten ausgestattet werden würde. Was zunächst jedoch fehlte, war eine geeignete Plattform als Basis. Im Oktober 1978 wurde auf dem Pariser Salon d´Automobile mit dem Visa ein solches Modell präsentiert: Äußerlich durchaus als Citroen erkennbar, technisch – abgesehen von den Boxermotoren der Club-Version – ein Klon des damaligen Peugeot 104. Schon in der Planungsphase des Visa befasste man sich mit einer Kastenwagenvariante auf dessen Basis. Mit einer Ablösung der klassischen Transporter auf Entenbasis ließ man sich Zeit: Erst Mitte der achtziger Jahre war ein auf dem Visa basierender Kastenwagen produktionsreif. Am 6. Oktober 1984 begann der Verkauf des C15 als designerter Nachfolger für das auf der einstigen Kastenente basierende Modell Citroën Acadiane.

Frühe Studie zum späteren C15 aus den siebziger Jahren. Bild: Archiv Garage 2CV

Wie schon erwartet entstammten viele Elemente dem Visa. Mit ihm gemein hatte der C15 die Frontpartie. Der hintere Teil der Karosse bestand – ähnlich wie schon bei den Kastenenten –  aus einem einfachen Blechaufbau mit einer großen Heckklappe oder – als Option – mit zwei Flügeltüren. Spötter bezeichneten den C15, wohl auch aufgrund seiner meist weißen Lackierung als Kühlschrank. Motorisiert war der C15 zum Beginn seiner Karriere zunächst mit einem 1124 ccm-Benzinmotor  (48 PS) und dem 1769 ccm-Dieselmotor (60 PS)  – beide aus dem  Peugeot-Regal. Während die Konstruktion der Vorderachse völlig auf der des Visa basierte, war die Hinterachse aus Gründen der Platzersparnis unter dem Ladeboden angeordnet. Sie entstammte im Prinzip aus dem BX; im C15 allerdings nicht mit der bekannten Hydraulik sondern mit einfachen Federn versehen. Im Vergleich zur Acadiane ließen sich so  höhere Zuladungen (je nach Version zwischen 600 bzw. 765 kg) bei deutlich erhöhten Fahrleistungen erzielen.Bis zum Erscheinen der mit 954 ccm kleinsten Motorvariante im Jahre 1987 wurde im spanischen Werk Vigo parallel auch die Produktion der Acadiane weitergeführt. Vor allem auf den südeuropäischen Märkten – allen voran Frankreich und Spanien – wurde der C15 in seinem Segment Marktführer. Anfang der neunziger Jahre brachte Citroën gar eine gut ausgestattete Familiale-Variante auf den Markt.In Belgien trug dieses Modell als Hommage an ein Entenmodel der sechziger Jahre gar den Namen „Mixta“.

Die belgische Militärversion war dort lange Zeit in den Verkaufskatalogen. Bild: Citoën Belux / Archiv Garage 2CV

In Deutschland wurde der Vertrieb aufgrund geringer Verkaufszahlen – leider resultierend aus fast nicht vorhandener Werbung – schon 1996 eingestellt. Während hierzulande mit dem Berlingo ein adäquater Ersatz gefunden schien, lief für andere europäische Länder die Produktion unverdrossen weiter, Montagewerke in Tunesien, Marokko und Polen ergänzten die Fertigung in Vigo, sogar auf der Insel Taiwan gab es kurzfristig eine C15-Montage. Auf den südeuropäischen Märkten war der C15 weiterhin eine feste Größe. Im Laufe des Jahres 1999 wurde gar eine Endmontage in China für den dortigen Markt vertraglich vereinbart, die allerdings nicht verwirklicht wurde.

Der zum Jahreswechsel 2000/2001 erfolgte Verkaufsstop in Frankreich war indes nur von kurzer Dauer: Völlig überraschend die Ankündigung der spanischen Konzerntochter, für das Modelljahr 2001 die noch verfügbaren Dieselversionen mit dem seit 1996 im Berlingo verwandten 1868 ccm-Motor auszustatten! Das 60 PS-starke Aggregat erfüllt die strenge Euro3-Norm. Fortan heißen die aktuellen Modelle C15 1.9 Top.

Von Jan Eggermann, 2002.


Chronologie C 15

1984
Im Oktober des Jahres beginnt der Verkauf des C15 als designiertes Nachfolgemodell der Acadiane deren Produktion in Vigo noch bis 1988 erfolgt.

1987
Einführung des C15 mit 954 ccm (45 PS) und einer auf 475 kg reduzierten Zuladung. Zeitgleich Einstellung der Acadiane-Produktion.

Zero-Emission schon in den späten Achtzigern:
C15 mit Elektromotor, 1989. Bild: Citroën/Archiv Garage 2CV

1989
Facelifting. Einführung einer C15 Variante mit Gleichstrommotor. Einsatz vor allem bei französischen Behörden.

1992
Neue Motorisierung: 1360 ccm-Benzinmotor (75 PS) aus dem AX löst die alte VISA-Maschine ab. Einführung einer neuen Familiale-Version „C15 RE/RD“ mit Rundum-Verglasung, besserer Grundausstattung und anderen Farben. In Belgien unter der Bezeichnung „Mixta“. Facelift. Wegfall des Einspeichenlenkrades.

1993
In Frankreich: C15 „Cabine approfondie“ mit verlängertem Aufbau und seitlicher Tür. In Deutschland: C15 Familiale-Sondermodell „Spacelab“.

1994
Einführung der Optionen „Servolenkung“ und „Zentralverriegelung“. Einführung einer C15 Plattform zum individuellen Aufbau auch in Deutschland.

1995
In Frankreich fortan Bezeichnungen First und Club, je nach Ausstattung.

1996
Neues Zweispeichenlenkrad. Wegfall der Familiale-Versionen für den französischen Markt. Ende des Verkaufs in Deutschland mit Einführung des moderneren jedoch deutlich teureren Berlingo.

1998
In Frankreich nur noch die Dieselversionen auf dem Markt.

1999
C15 in Frankreich mit rund 12% Marktanteil hinter Renault Kangoo und Berlingo/Partner auf Platz 4 des Segmentes. Im September 1999 Beginn einer großen Werbekampagne für die Nutzfahrzeuge des Unternehmens in Frankreich. C15 Produktion deutlich gesteigert.

2000
Der C15 soll ebenfalls in China produziert werden und dort den glücklosen Fukang-ZX N 15 ablösen. Produktion und Verkauf in Europa gehen weiter.

Modelljahr 2003: Neue Schilder am Fahrzeugheck als letzte Evolutionsstufe.
Bild: Garage 2CV

2001
Zum Jahreswechsel 2000/2001 Umstellung der Produktion auf die 1868ccm-Motorisierung aus dem Berlingo nach Euro3-Norm. Bis 2001 werden weit über eine Million Einheiten produziert (zum Vergleich: 1.246.306 Kastenenten bis 1978).

2002/03
Ein letztes Relikt der Achtziger entfällt: Die alten schwarzen Schilder am Fahrzeugheck werden durch einen der aktuellen Modellpalette angepassten Schriftzug „Citroën“ ersetzt.

Im Angesicht der baldigen Produktionseinstellung deckt sich mancher französische Citroën-Händler nochmals mit Neufahrzeugen ein. Bild: Oktober 2005 / Garage 2CV

2004/05
Kurzfristige Rückkehr des C15 auf den österreichischen Markt als Einstiegsmodell für Nutzfahrzeuge. Nur ohne hintere Seitenfenster erhältlich.

2005
Am 2. Dezember 2005 endet die Fertigung des Citroën C15 nach 1.181.471 Exemplaren.

Gruppenfoto zum Abschied im spanischen Citroënwerk Vigo: Hasta siempre! – Für immer! Bild: Citroën/Archiv Garage 2CV

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