50 Jahre Citroën DS: Die Göttin hat Geburtstag

 
In diesen Tagen wird ein Automodell fünfzig Jahre alt, das neben den unvergessenen Modellen 2CV und Traction Avant nicht stellvertretend, sondern unerreicht für den klassischen Automobilbau à la Citroën steht: Die DS.
 
 
Als im April 1975 nach 1,45 Millionen Exemplaren die letzte Limousine vom Fertigungsband in Javel rollt, herrscht unter den Angestellten des Werkes wehmütige Stimmung, denn allen ist klar, dass bei Citroën eine Epoche zu Ende geht. Heute haben die vielen kleinen und großen Nachfolgemodelle der Göttin ihre Liebhaber gefunden, doch die DS ist unerreicht geblieben.
 


Die aerodynamische Form der DS: Wegweisend und zeitlos. Mit kleinen Retuschen wird sie 12 Jahre lang fast unverändert gebaut. Erst im September 1967 unterzieht Citroën die Reihe einer größeren Überarbeitung. Die ungemein schöne Instrumentierung weicht ab sofort klassichen Rundinstrumenten.
 
Vielleicht macht die DS so einzigartig, dass sie nicht wie andere Automobile zum Klassiker reifen musste, denn sie war schon bei ihrer Präsentation am 5. Oktober 1955 zu einer Ikone des Automobilbaus geworden: Bei keinem zweiten Automobil gelang das Zusammenspiel von Form und Funktion so überzeugend wie bei der DS. Bereits am ersten Tag füllten sich die Auftragsbücher, und so blieb es fast zwei Jahrzehnte lang, ohne dass grundsätzliche Änderungen an der Modellreihe hätten vorgenommen werden müssen.
 

Konventioneller Automobilbau der fünfziger Jahren, gepaart mit innovativen Lösungen: So lässt sich die DS-Technik wohl am besten charakterisieren.

Konventioneller Automobilbau der fünfziger Jahren, gepaart mit innovativen Lösungen: So lässt sich die DS-Technik wohl am besten charakterisieren.

Eine glückliche Hand bewies Citroën vor allem mit Flaminio Bertoni, der die aero-dynamische Form zeichnete und damit nachhaltig zum langen Erfolg der DS beitrug. Unter dem avantgardistischen Blechkleid war Bewährtes mit Zukunftsweisendem kombiniert: Getriebe und Motoren entstammten zunächst noch dem Vorgängermodell Traction Avant, daneben kam jedoch die später typische Citroën-Hydropneumatik voll zum Zuge: Gespeist durch eine zentrale Pumpe steuerte das System nicht nur Bremsanlage und Lenkung an, sondern übernahm erstmals im Automobilbau die komplette Federung eines Fahrzeuges. War die Bezeichnung Göttin noch aus dem französischen Buchstabenspiel „DS“ hergeleitet und damit ein geschickter Einfall der Werbe- und Verkaufsabteilungen des Werkes; der Federung verdankte die DS ein weiteres – meist positiv gemeintes – Synonym: Sänfte.
 
Ab 1959 ergänzt eine Break-Version das Angebot. So hießen früher Combis aus Frankreich.

Ab 1959 ergänzt eine Break-Version das Angebot. So hießen früher Combis aus Frankreich.

Mit ständigen Verbesserungen im Detail wie neuen Motor- und Ausstattungsvarianten hielt Citroën die DS jahrelang taufrisch, im September 1967 erfolgte dann ein erstes und einziges größeres Restyling der Karosserie. Ab sofort verfügten alle Modelle über neuartige Scheinwerfer, die abhängig vom Lenkeinschlag die Straßen ausleuchten konnten: Ein Novum im Großserienautomobilbau.
 
Erkennungszeichen aller DS ab 1968 sind die Schwenkschenwerfer.

Erkennungszeichen aller DS ab 1968 sind die Schwenkschenwerfer.

Ergänzend zur Limousine stellte Citroën der Reihe ab 1959 auch eine Break-Version zur Seite: Dank der unabhängig vom Gewicht der Ladung immer gleichbleibenden Bodenfreiheit spielte diese Variante die Vorteile der hydropneumatischen Federung voll und ganz aus. Ebenfalls 1959 debutierte das Karosseriebauunternehmen Henri Chapron mit einem DS-Cabrio, zunächst nur als Einzelumbau gedacht, ab 1961 bis 1971 dann sogar als Kleinserie mit offiziellem Citroën-Auftrag.
 
Bevor das Werk Aulnay die Produktion des Nachfolgemodells CX aufnimmt, entstehen dort zu Testzwecken auch D-Modelle, Bild Frühjahr 1974. Der überwiegende Teil von DS wird allerdings am Quai de Javel in Paris produziert.

Bevor das Werk Aulnay die Produktion des Nachfolgemodells CX aufnimmt, entstehen dort zu Testzwecken auch D-Modelle, Bild Frühjahr 1974. Der überwiegende Teil von DS wird allerdings am Quai de Javel in Paris produziert.


Unvergessen geblieben ist letztlich aber vor allem die klassische DS-Limousine. Sie prägte das französische Straßenbild der späten fünfziger und sechziger Jahre, wurde vom Präsident der Republik genauso gefahren wievon Monsieur Toutlemonde. Nicht zuletzt aufgrund unzähliger Gastauftritte in Spielfilmen (wir erinnern uns an Alain Delon und Jean Marais alias Fantomas) ist die DS bis heute ein Symbol des automobilen Frankreichs jener Zeit geblieben, auch wenn sie längst von den Alltagsstraßen verschwunden ist.
 
Das Straßenbild von Paris dürfte indes noch einmal von der DS bestimmt werden: Zum fünfzigsten Jahrestag ihrer Vorstellung findet vom 7. bis 9. Oktober 2005 in der französischen Hauptstadt ein großes Treffen statt.
 
Text: Jan Eggermann, 2005
Bilder: Archiv garage2cv/ Citroën
 

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