Robert Opron: Die Erweckung eines Stils

 
Noch bis Ende Oktober 2021 widmet das Haus der Architektur in Amiens dem Leben des Designers die Ausstellung „Èvocation d‘un style“ über das Leben von Robert Opron. Er hat der Autowelt bedeutende Typen hinterlassen. Garage 2CV hat sich auf den Weg gemacht.

 
Von Jan Eggermann, Bilder: Garage 2CV
 

 
6. September 2021, großer Andrang am Samstagnachmittag im „Maison d’architecture“ im nordfranzösischen Amiens. Schon Julius Cäsar erwähnte Ambianum vor über zweitausend Jahren auf seinem Weg nach Britannien. Die heutige 133.000-Einwohner-Stadt ist berühmt durch ihre eindrucksvolle Kathedrale, bekannt durch ihre schwimmenden Gärten und beliebt durch das pitoreske Kneipenviertel am Ufer der Somme. Vor einigen Jahren hat sie mit Auflösung der Region Picardie zwar ihren Status als Hauptstadt verloren, doch die Metropolregion Amiens hat ein großes Einzugsgebiet und man ist wichtige Universitätsstadt geblieben. Aus Amiens stammt eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, etwa Jules Vernes oder auch das derzeitige französische Präsidentenehepaar. Wobei zu letzterem zu sagen ist, dass manche Aminois gerne auf das Pralinengeschäft „Jean Trogneux“ verweisen, während andere es lieber verschweigen: Brigitte Macrons Familie betreibt es seit sechs Generationen. Hier ist man traditionsbewusst. Das merkt man auch heute, als sich eine illustre Gesellschaft in den lichten Räumen des kleinen Architekturmuseums am Rande der Innenstadt versammelt hat. Auto- und Oldtimerfans, Designbegeisterte, normale Besucher und viele Familienmitglieder sind gekommen, um mit Robert Opron einen der großen Automobildesigner Frankreichs zu ehren. Heute wird er posthum mit der in schwerem Silber gehaltenen Ehrenmedaille der Stadt Amiens ausgezeichnet.
 

 
Dreimal mit dem „Auto des Jahres“ ausgezeichnet
Dass Bürgermeisterin Brigitte Fouré sich in ihrer Ansprache an die von Opron entworfenen Renaults der Achtziger erinnert, unterstreicht die Vielseitigkeit des Designers. Opron hatte seine Karriere beim Flugzeugbauer Nord Aviation begonnen, wo er seine Frau Geneviéve kennenlernt. Später wechselt er zu SIMCA und zwei Jahre zum Haushaltsgerätehersteller Arthur Martin. Geneviéve entdeckt dann 1962 in einer Tageszeitung eine anonyme Anzeige „Designer gesucht“. Hinter dem Chiffre verbirgt sich Citroëns berühmtes „Bureau d’etudes“ in der Pariser Rue du Théatre und Flaminio Bertoni in Person. Was folgt, ist legendär: Beim Vorstellungsgespräch sollen Oprons Entwürfe auf der Erde gelandet sein, Bertoni ist so herablassend zu dem jungen Mann, dass Robert seine Sachen einpackt, sich bedankt und geht … Ein unkonventioneller Test Bertonis, Opron besteht ihn. Schon ein paar Wochen später ist er Angestellter bei Citroën und arbeitet fortan gemeinsam mit Flaminio Bertoni, den er zeitlebens „Maître“ nennen wird. Nach dessen Ableben im Februar 1964 ist die Vollendung der noch gemeinsam begonnenen Break-Version des Ami 6 seine erste Arbeit für Citroën. Schon sie gibt erste Hinweise auf den Stil späterer Opron-Schöpfungen, von denen GS (1971) und CX (1975) und Renault 9 (1982) als Auto des Jahres ausgezeichnet werden.
 

 
Von Citroën auf die Reservebank bei FIAT
 
Als Citroën im PSA-Konzern aufgeht, zieht es Robert Opron vor, das fortan nicht mehr unabhägige Unternehmen zu verlassen. Für Citroën ist das Mitte der Siebziger ein schwerer Schlag. Etwas positiver kann man es auch „Aufbruch zu neuen Design-Ufern“ nennen, denn fortan wird mancher Citroën außer Haus gezeichnet, Bertones BX macht 1982 den Anfang. Für Opron geht es als Styling-Chef bei Renault weiter, wo er das Design der Achtziger Jahre maßgeblich beeinflußt. Als Renault erste Bande zu Dodge und Mack knüpft, arbeitet Robert Opron für Renault am Projekt eines internationalen Stylingzentrums mit Sitz in Nordamerika. Doch Führungsturbulenzen bei der „Regié Nationale“ lassen das Projekt im Sande verlaufen. Opron wechselt frsutriert zu FIAT. Dort – sagt man – sei es in jener Zeit wie bei großen italienischen Fußball-Profivereinen gewesen: Man kaufte die Besten und ließ sie dann einfach auf der Reservebank sitzen. So begeleitet zwar auch Opron maßgeblich das ein oder andere Projekt (etwa für Alfa Romeo), doch an die alten Erfolge kann er so nicht mehr anknüpfen. Dafür aber an seine Kontakte zum heutigen Mikroautohersteller Ligier aus Citroën-SM-Tagen, für den er später ein Wägelchen zeichnet, das in Frankreich bis heute recht verbreitet ist.
 

 
Der Döschwo hat genau den Witz, der heutigen Autos fehlt!
Robert Opron bleibt bis ins hohe Alter aktiv, auch nachdem er Anfang der Zweitausender offiziell im Ruhestand ist. Eine Einladung zur Essener Citroën-Strasse – dessen gern und oft gesehenes Ehrenmitglied er war – sagt er 2015 ab. Da baut er gerade ein Cabriolet auf 2CV-Basis. Überhaupt: Der für seine präzise Ausdrucksform bekannte Opron meint zur Ente, sie habe genau den Witz, der heutigen Automobilen fehle.
 
Die Ausstellung Robert Opron: Èvocation d‘un style mit vielen sehenswerten Skizzen, Zeichnung und Fotografien und etlichen weiteren Exponaten aus dem Schaffen des Deigners ist noch bis zum 30. Oktober 2021 im „Maison d’architecture“ in Amines zu sehen. Man verbindet den Aufenthalt am Besten mit einer Übernachtung in Amiens.
 

 
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