Retromobile 2018: Die Vergangenheit hat immer eine Zukunft


 
Tausende von Besuchern füllten das Leitmotiv der 43. Retromobile mit Leben, die Messe ist eine Institution für Europas Klassiker-Freunde geworden. Und das mit großer Bandbreite: Von Restposten für ein paar Centimes bis zur 3-Millionen-Euro-Auktion findet sich alles, was irgendwie mit Old- oder Youngtimern zu tun hat. Wie immer sorgten Frankreichs Autobauer, engagierte Clubs und Sammler am zweiten Februarwochenende für viel Sehenswertes im Pariser Süden.
 
Von Jan Eggermann für garage2cv / Bilder: Garage 2cv

 
Paris am zweiten Februarwochenende. Im 15. Arrondissement liegt noch ein bisschen vom Spirit des frühen Automobilismus in der Luft. Mit der unmittelbar an den Messehallen vorbeiführenden Pariser Stadtautobahn Periphérique hat das wenig zu tun. Denn hier im äußersten Südwesten der Stadt stand einst die heute zu großen Teilen verschüttete Wiege des französischen Automobils. Vom Quai de Javel aus revolutionierte André Citroën mit Fließbändern den Autobau, in der Rue du Thêatre befand sich im alten Werk von Automobiles Mors die legendär gewordene Citroën-Versuchsabteilung. 500 Meter Luftlinie entfernt hatte Gabriel Voisin sein Atelier doch Straßennamen, ein Hotel und der Héliport von Paris erinnern an das Lebenswerk des Flugzeug- und Aerodynamik-Pioniers, bei dem 2CV- und DS-Konstrukteur Lefebvre sein Handwerk gelernt hatte. Und im nahen Boulogne-Billancourt ist der Renault-Stammsitz unvergessen geblieben. Doch die französische Hauptstadt zeigt der autogerechten Stadt der Fünfziger und Sechziger immer mehr ihren schönen Rücken. Und weil das Auto nicht mehr so gern gesehen ist, Parkplätze rar und alle Straßen und Trottoirs nach einem Wintereinbruch noch vereist sind, kommen viele Besucher in den neuen Straßenbahnen zur Porte de Versailles.
 

 
Jubiläen bei Citroën, Honda, Porsche und Renault
 
Schon auf den ersten Metern in den auf 69.000 Quadratmeter angewachsenen Ausstellungshallen begegnet man ersten Jubiläumsfahrzeugen. Ein aus Ersatzteilen vormontierter Citroën Mèhari (50 Jahre) steht Werbung für Ersatzteile und einen Stand weiter lächelt eine ewig junge Evita von einem Porsche 356 (70 Jahre). Mit diesem Wagen war Filmsternchen Jaqueline Evans in Erinnerung an die argentinische Polit-Ikone Evita Peron 1953 an den Start der Panamericana gegangen. Die britische Schauspielerin und ihre meist in Mexiko produzierten Filme sind völlig in Vergessenheit geraten, nicht so der vor einigen Jahren sehr aufwendig restaurierte Porsche.
 

 
In Halle 1 nimmt das L’Aventure Peugeot Citroën DS den größten Stand ein. Citroën stellt Méhari und 2CV (70 Jahre) aus und zeigt einen restaurierten 2CV Special sowie den noch im Originalzustand befindlichen 2CV A aus 1939. Aus Vorkriegszeiten sind Citroën C6 und Traction Avant in den Versionen Coupé und Cabriolet zu sehen. Auf besonderes Interesse stoßen bei DS Automobiles die von Citroën maßgeschneiderten Staatskarossen der französischen Staatspräsidenten: Citroën DS Chapron (Charles De Gaulle), Citroën SM Presidentielle (Georges Pompidou), Citroën DS 5 (Francois Hollande) und schließlich der aktuelle DS 7 Presidentielle (Emanuel Macron). Bodenständiger geht es bei Peugeot mit dem Nachkriegsklassiker 203 und dem eleganten Pininfarina-504 zu. Direkt gegenüber feiert Renault 120 Jahre im Automobilbau. Man sieht Crémeschnittchen, R5, Espace und Caravelle und einen Renault 4, der für die Zeitschrift ELLE den amerikanischen Kontinent von Alaska bis Feuerland durchquert hatte. Auch das Panzermuseum Musée des blindés hat anläßlich des Jubiläums Konzernprodukte aufgefahren:  Renault-Tanks und einen Kettenschlepper. Und wer Freude an alter Kriegstechnik hat, kann sich draussen mit einer Panzerhaubitze hin und her fahren lassen.
 

 
Dichtes Getümmel in der Village Artisans und der Galerie des Artistes. Dort haben Kreative ihren Platz gefunden, so etwa die Künstler Angel und Rafael Varela aus Argentinien. Die beiden zeigen Malereien und Kunstdrucke, hier auf der Retromobile natürlich mit einem Schwerpunkt auf Automobile. Thierry Dubois und Olivier Marin unterzeichnen und skizzieren ohne Unterlass, letzterer stellt sein neues Abenteuer mit Margot „Coccinelles et Scarabées“ vor. Dieses Mal verschlägt es die Reporterin sogar bis nach Deutschland, im Volkswagen natürlich ! 
 

 
Etliche der in Linas-Montlhéry berühmt gewordenen Weltrekordwagen stehen auf der Pont des Exposition. Keine fünf Meter entfernt braust der Verkehr auf der Peripherique vorbei. Ein toller und dank Glasfassade auch perfekt gedämmter Hintergrund für die einst schnellsten Automobile ihrer Klassen:  Zwei Voisin-Rekordwagen, Citroëns Petit Rosalie und der Citroën 2CV von Barbot. Am letzten Septemberwochenende wird es in Montlhéry eine grosse Oldtimerveranstaltung geben, da die Rennstrecke mit ihren beiden Hochkurven ständig in Gefahr ist stillgelegt zu qwerden, ist ein Besuch unbedingt empfehlenswert. 
 

 
Dem im Alter von nur 41 Jahren bei einem Rennen in Buenos Aires im Alfa Romeo tödlich verunglückten Jean-Pierre Wimille ist eine Sonderausstellung in Halle 2 gewidmet. Sie zeigt die von ihm konstruierten Prototypen aus 1946 und 1948. Die Wimilles haben wie bei Rennwagen mittig angeordnete Heckmotoren. Und auch der Fahrer sitzt mittig in den aerodynamischen Karossen, bei deren Erstellung der Karosserier Henri Chapron half. Den französischen Automobilbau ließen die Wimilles am Ende der vierziger Jahren aufhorchen. Wer will kann einen Einfluss auf die frühen Bertoni-Studien zur Citroën DS erkennen. Einem größeren Publikum war Wimille aber als langjähriger Rennfahrer bekannt. Er hatte 1930 im Alter von 22 Jahren auf Bugatti erstmals an einem Grand-Prix teilgenommen, seine letzten Rennen fuhr er auf Alfa Romeo. Apropos Bugatti: Auf einer Auktion erzielte ein Bugatti mit über 3 Millionen Euro einen neuen preislichen Retromobile-Rekord. Dagegen fast schon erschwinglich ein kleiner Straßensportwagen mit genieteter Aluminiumkarosse. Ein Händler bot den Bugatti Type 68 3 HP Touring für 415.000 EURO an. Wie immer ist die Retromobile auch im dreiundvierzigsten Jahr ihres Bestehens eine charmante Messe geblieben, denn die Vergangenheit hat immer eine Zukunft, nicht wahr ?
 

 
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