La vie est plus belle en C3 Pluriel

 
Auch zehn Jahre nach Einstellung des bislang letzten Citroën-Cabriolets entfährt manchem noch immer ein euphorisches „Guck mal, die neue Ente!“ Es sind genau solche Emotionen, mit denen Klassikerkarrieren beginnen. Doch was tun, wenn ein Dachdefekt die Freude am Pluriel nachhaltig trübt? Wir besuchten eine Werkstatt in Halluin, die sich auskennt.

 
Von Jan Eggermann, Bilder: Garage 2CV
 
Tolles Auto mit Dach-Malaise
 
Unübersehbar hängt „La vie est plus belle en C3 Pluriel“ an der Hallenwand der vielleicht einzigen auf den Pluriel spezialisierten Fachwerkstatt, Schwerpunkt: Dächer. Wen es in das Grenzstädtchen Halluin nördlich von
Lille verschlägt, hat die Freude am Pluriel noch nicht ganz verloren. Denn gemessen an den vielen unterschiedlichen Kennzeichen vor der Werkstatt und dem städtischen Kino direkt nebenan, hat das bislang letzte Citroën-Cabrio noch immer viele Fans in ganz Mitteleuropa. Allerdings wird deren Spaß zwangsläufig vom vulnerablen Dach getrübt. Citroën und seinem verantwortlichen Subhersteller tut man kein allzu großes Unrecht, wenn man das Dach mit „am falschen Ende gespart“ klassifiziert. Ausgerechnet die elegant konstruierte „Dachkassette“ ist materialtechnisch eine Zumutung. Beim Ritzel fängt es an. Eigentlich hat es die Aufgabe, die Kraft des starken Elektromotors zu übertragen, doch die Materialqualität erinnert eher an Sardinenbüchsen. Für den reibungslosen Vortrieb des Daches sollen Tausende in Spindelzüge eingearbeitete Flimmerhäarchen sorgen, doch ausgerechnet deren eigener Abrieb sammelt sich am Antriebsritzel und zermürbt es mit der Zeit. Wenn jetzt nach dem Motto „gut geschmiert hält besser“ noch mit falschen Schmiermitteln hantiert wird, ist es um das Dach geschehen. Dann hört man eines Tages leichtes Rattern von hinten und der Dachmotor tut sich immer schwerer. Jetzt ist Vorsicht geboten, denn gut gemeintes „Nachhelfen per Hand“ ist ein Frontalangriff auf die „Slider“. Die sollen das Dach führen, sind aber leider aus ermüdendem Plastik und brechen deshalb gern. Halb so schlimm, weil „PlüPlü“ auch mit fehlender B-Säule noch Coupé- und Freiluftcharakter hat? Ja. Aber nur bedingt, denn bei Störungen am Dach wird automatisch der Kofferraum verriegelt. Dauerhaft, sprich: Bis zur nächsten Reparatur. Die allerdings ist Präzisionsarbeit. Wenige trauen sich, viele scheitern.
Bevor Citroën im Herbst 2020 alle Teile aus dem Programm nahm, sollte allein die Dachkassette 4.500 Euro kosten. Warum man nicht gleich standfestere Teile verwendete, bleibt unverständlich, denn das „Cabrio des Jahres 2003“ ist ein ästhetisches Aushängeschild, zu dem die Dach-Malaise nicht recht passen will. Dass man im Pluriel einen „Open-Air“ mit 2CV- und Méhari-Anklängen inklusive verwaschener Erinnerung an zweitürige Cabrios à la DS- und Traction Avant sehen kann, geschenkt. Selten ist er auch, denn bis zum 31. Juli 2010 verließen nur 109.682 Stück (ca. 20.000 für D) das Werk in Madrid. Designer Donato Coco ist heute Design-Chef bei Ferrari, gute Voraussetzungen für eine Karriere als Klassiker.
 

 
Was tun bei Dachproblemen?
 
Doch was macht man konkret bei kaputtem Dach? Anne-Gaëlle, Lehrerin aus Nantes, steht an diesem schönen Sommermorgen in der Werkstatt in Hallouin. Als letztens das Dach dauerhaft streikte, riet ihr Mann zu einem Faltdach-FIAT 500. Doch der wäre für sie kein adäquater Ersatz für den multifunktionalen und ungleich praktischeren Pluriel gewesen. Sie entschied sich zur Reparatur und wurde im Internet auf die Spezialwerkstatt aufmerksam. Bevor sie nach drei Wochen Wartezeit wieder am Steuer Platz nehmen darf, muss sie unter kritischen Blicken des Werkstattchefs die ganze Dachprozedur alleine durchspielen: Dach auf die Heckscheibe fahren, Verriegelung lösen. Dachkassette im Kofferraum versenken, Holme erst hinten, dann vorne lösen, und mit einem gekonnten Schultergriff heraus heben. Bitte alles mit Fingerspitzengefühl, weil das Dach auch repariert filigran bleibt. Allerdings sind jetzt alle Sollbruchstellen überarbeitet, die ansonsten immer kaputt gehen: Dachzüge und Ritzel in überdurchschnittlicher Qualität nachgefertigt, die oft ausgeleierten, in Kunststoff vergossenen, Metallgewinde des Antriebs durch Metallteile ersetzt. Anne-Gaëlle hat zwar noch Probleme mit den „Roadster-Verblendungen“, doch „Monsieur Pluriel“ führt ihre Hand. Minuten später fährt die strahlend-glückliche Pluriel-Besitzerin in Richtung Atlantik. Sie tut es hunderten von Plurielisten gleich, die hier bereits ihre Dächer haben reparieren lassen.
Zur Reparatur (Staffelpreise von 432 bis 1.250 Euro inkl. frz. MwSt) lässt man den Wagen nach Möglichkeit für einige Tage dort. So kann ohne Zeitdruck gearbeitet werden. Danach gibt es eine einjährige Garantie auf die Reparatur. „Wahrscheinlich hält alles mindestens fünf Jahre“ sagt er. Es könnten noch mehr werden. Ohne Zweifel.
 
» https://www.specialistec3pluriel.fr/
 
 
Dieser Artikel erschien erstmals in der André Citroën Zeitung vom September 2021. Die ACZ ist das älteste deutschsprachige Doppelwinkelmagazin seit 1961.
 

 
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