Karl Schori und der letzte Döschwo


 „Der Siegeszug des 2CV wäre weniger triumphal ausgefallen, wenn es den Mann vom Zürichsee nicht geben würde,“ sagt Autor Räto Graf aus Dübendorf. Tatsächlich war Karl Schori über Jahrzehnte die treibende Kraft der 2CV-Entwicklung. Der „Monsieur 2CV Suisse“ sicherte sich einst den letzten Döschwo für die Schweiz.
 
Von Jan Eggermann, Bilder: Karl Schori & Räto Graf
 
In diesen Tagen hat am 15. November mit Karl Schori ein Mann Geburtstag, der die Geschichte des Citroën 2CV wie kaum ein anderer ausserhalb Frankreichs beeinflusste. Karl Schori findet Anfang der Fünfziger seine Aufgabe darin, dem 2CV zunächst in der Schweiz, später dann aber indirekt auch in vielen anderen Ländern, den Weg zu bahnen. Denn zum Start des 2CV-Verkaufs in der Schweiz sucht Citroën einen bilingualen Mitarbeiter, der sich um die Werbung kümmert. Nach seinem Studium in Frankreich ist Karl Schori dafür prädestiniert und so bewirbt er sich. Nachdem ihn die verantwortlichen Genfer Citroën-Direktoren sogar zu Hause besuchen, um sich ein Bild von seinem Leben zu machen, bekommt er tatsächlich den Job. Wie er denn den Verkauf anzugehen habe, will er wissen. „Wenn wir das wüssten, dann hätten wir Sie nicht eingestellt!“
Zunächst soll er die eidgenössischen Citroën-Händler besuchen, ansonsten hat er aber völlig freie Hand. Die „Société anonyme pour la vente en Suisse des Automobiles Citroën“ – so heisst die Verkaufsgesellschaft offiziell – stellt ihm einen ersten 2CV zur Verfügung und los geht’s !
 

 
Karl Schori ist bei der Vermarktung des Döschwo in der Schweiz sehr innovativ und da er mit einem Schuss Humor und Lebensfreude gesegnet ist, gelingen ihm teilweise spektakuläre Werbecoups. Alles beginnt mit einem einfachen Schild am Heck seines ersten 2CV auf dem Nachfolgende lesen Ich bin besser als Du denkst ! Citroën 2 PS. Am 24. September 1954 organisiert Schori die erste Rallye 2CV von Luzern nach Bern, die ausgerechnet auf dem dortigen Bundesplatz mit dem ersten 2CV-Treffen in der Schweiz und 110 teilnehmenden Fahrzeugen endet, rund 10% aller damals in der Schweiz befindlichen 2CV. Citroën richtet die Rallyes in die siebziger Jahre aus. Es folgen viele weitere Werbeaktionen, die Räto Graf in seinem Buch über den Döschwo in der Schweiz (und natürlich Karl Schori) dokumentiert hat.
 

 
Der internationale Verdienst Karl Schoris für die Entwicklung des Citroën 2CV liegt darin, dass er aufgrund seiner Sprachkenntnisse und guter Kontakte zur obersten Konzernspitze oft „auf kurzem Weg“ Detailverbesserungen in die Produktion des 2CV einbringen kann. Schon früh erkennt er, dass Döschwos für die Schweiz (und andere Exportmärkte) besser ausgestattet und farblich individueller sein müssen, als die monotone Großserie in Frankreich. Dem Schweizer Beispiel folgen später alle anderen Märkte. Als in den Sechzigern dann ein 600er-Boxer-Motor im Ami 6 erscheint, gelingt es Schori die vergleichsweise leistungsstarke Motorisierung auch in „seinen“ Döschwo zu bekommen. Den Anfang macht 1963 der Kastenwagen AK 350, dann – ab Ende 1965 – gibt es den Döschwo alias „AZAM 6 3CV“ mit stärkerer Maschine. Dabei arbeitet man bei Citroën eigentlich schon an einem Nachfolgemodell. Aber die 1968 erscheinende Dyane kann sich kaum gegen das charmante Basisauto 2CV durchsetzen, vor allem nicht, seitdem die Idee des 600ers im Döschwo im Raum ist … Und so konstruiert Citroën für 1970 tatsächlich einen ganz neuen 600er-Motor für die Großserie. Der „6er“ ist letztlich so erfolgreich, dass er über Jahre praktisch unverändert bleibt und die Produktion des 2CV praktisch bis 1990 ermöglicht. Merci Karl Schori !
 

 
Karl Schori verlässt Citroën im Hernst 1969 auf eigenen Wunsch, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Dem Döschwo bleibt er aber als Fahrer weiterhin verbunden. Als sich dann in der Schweiz ein Zulassungsstopp für Autos ohne Katalysator andeutet, reserviert sich Schori schließlich den allerletzten 2CV für die Schweiz. Und bevor das Importverbot am 1. Oktober 1987 offiziell in Kraft tritt, bekommt er tatsächlich den letzten in die Schweiz gelieferten 2CV, eine bordeaux-schwarze Charleston. Bis heute hat Schori mit Charlie etwas über 30.000 Kilometer zurückgelegt, also ein echtes Garagenauto, das nur zu besonderen Gelegenheiten in Betrieb genommen wird. Seit ein paar Monaten kümmert sich nun Räto Graf um Charlie. Und manchmal ist er auch mit Karl Schori gemeinsam unterwegs. Vive la 2CV !
 



 
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