Citroën 2CV Nummer 73 entdeckt

 
 
Einen Citroën 2CV mit ungewöhnlich niedriger Fahrgestellnummer brachte jetzt ein Oldtimerfan zurück ans Tageslicht: Seine Ente vom Typ AZL-PO trägt die zweistellige Fahrgestellnummer 73 und ist aus dem Jahr 1960. Hergestellt in Argentinien mit Teilen aus Frankreich.

 
Von Jan Eggermann, Bilder: Garage 2CV
 
Im August 2019 geht für Mauricio* ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Endlich kann er seinen ganz außergewöhnlichen Citroën 2CV übernehmen, den er schon vor Jahrzehnten in seiner argentinischen Heimatstadt Rosario zufällig entdeckt hatte: Irgendwo in einer der unzähligen und für die Stadt so typischen Parkgaragen findet er damals – eingehüllt in den Staub der Jahre – ein ganz frühes Exemplar der argentinischen Entenproduktion.
 
* Name der Redaktion bekannt.
 

 
Dass es sich um einen ganz frühen Vertreter der lokalen Entenproduktion handeln muss, ist schon an der Wellblechmotorhaube erkennbar. Eigentlich sind bei Enten aus Südamerika auch alle Schalter und Instrumente spanischsprachig. Dieses Exemplar trägt aber französische Beschriftungen. Außerdem gibt es noch ein sehr schönes und zeitgenössisches Detail, das aus Europa stammt: Als Kühlerfigur finden sich zwei kleine, metallene Pferdchen, so wie sie Anfang der Sechziger für kurze Zeit in der französischen 2CV-Werbung auftauchten. Daneben trägt der kleine Citroën sogar die seit Jahrzehnten nicht mehr gebräuchliche Zulassung der argentinischen Provinz Santa Fe, das mit sechs Ziffern kombinierte S, wie bei allen alten Enten aus Argentinien am linken Kotflügel, gut geschützt von der charakteristischen Stoßstange mit ihrem robusten Chrombügel. Ein klärender Blick unter die Motorhaube bleibt dem Oldtimer- und Citroënfan Mauricio damals aber leider noch verwehrt.
 

 
Der Eigentümer der Ente ist zwar schnell ermittelt, doch ein Verkauf scheint ausgeschlossen. Der Citro soll bleiben wie und wo er ist. Mauricio läßt sich aber nicht entmutigen und bleibt hartnäckig. Während die Staubschicht auf der Ente immer dichter wird und die Jahre ins Land ziehen, behält er „sein“ Fundstück im Augen. Ganze dreißig Jahre lang ! Dann – im Juli 2019 – endlich der erlösende Anruf: Die Ente könne er jetzt übernehmen, wenn er noch wolle … Keine Frage, natürlich will er !
Und dann geht alles ganz schnell. Der noch leidlich rollfähige 2CV im verwaschenen hellbraun wird nach mehr als dreißig Garagenjahren schnell wieder ins Tageslicht geschoben. Dann geht es per Hänger in eine örtliche 2CV-Werkstatt. Inklusive sämtlicher Papiere und der originalen Betriebsanleitung versteht sich.
 

 
Wie rar dieses vor Jahrzehnten in einen Dornröschenschlaf gefallene Entenexemplar wirklich ist, zeigt sich erst jetzt endgültig: Laut der Papiere und des Fabrikschildes der Citroën Argentina S.A. handelt es sich bei dem AZL-PO um die im Frühjahr 1960 produzierte Nummer 73 aus argentinischer Produktion und damit um eine der wohl seltensten Enten überhaupt ! Das Kürzel AZL-PO steht dabei mit seinem A für die sogenannte A-Serie – also den 2CV – das Z für die 1954 eingeführte Version mit 425 Kubikzentimeter-Motorisierung, das L für „Luxus“ und bezieht sich in Frankreich seit 1957 in Frankreich auf die Koferraumklappe aus Blech und die Motorhaubenzierleiste, schließlich gefolgt von den Buchstaben PO für Überseeländer (frz. Pays d’outre mer), was für ein verstärktes Fahrgestell und den charkteristischen Luftfilter steht.
 

 
Die stark gestiegenen Produktionskapazitäten der Citroënwerke (alleine in Paris produzieren zeitweise drei Fabriken den 2CV) erlauben nun die Steigerung von 2CV-Exporten nach Übersee. Nachdem am 25. März 1959 die Citroën Argentina S.A. gegründet wird, treffen im Hafen von Buenos Aires schnell die ersten aus dem belgischen Werk Forest stammenden 2CV ein, die man in Argentinien bis heute „Las Belgas“„die Belgischen“ – nennt. Bislang ist das Land am Rio de la Plata eher auf nordamerikanische Fahrzeuge ausgerichtet, doch es zeichnet sich schnell ab, dass für den robusten und dank seiner ausgezeichneten Federungseigenschaften praktisch geländegängigen Citroën 2CV größerer Bedarf besteht.
 
Deshalb entschließt sich Citroën schnell zu einem eigenen Werk in Barracas an der südlichen Stadtgrenze von Buenos Aires. Doch weil die neue 2CV-Fabrik erst am 30. Mai 1960 in Betrieb genommen werden kann,  mietet sich Citroën beim deutschen Nähmaschinenhersteller Pfaff ein, der rund 80 Kilometer südlich von Buenos Aires in Jeppener ein Werk betreibt. Dort beginnt am 18. Februar 1960 die Montage der ersten argentinischen Citroën 2CV. Obwohl sie anfangs noch zu 100 Prozent aus in Frankreich gefertigten Teilen bestehen, ist auf den Fabrikschildern natürlich Industria Argentina zu lesen. Genau 120 Enten werden dort zusammen geschraubt, exakt 20 Kastenwagen vom Typ AZU und 100 AZL-PO. Unter ihnen auch die im April 1960 offiziell in Rosario/Santa Fe erstmals zugelassene Nummer 73. Die in Jeppener begonnene Nummerierung der argentinischen Enten setzt sich in Barracas mit der laufenden Nummer 101 fort.
 

 
Auch bei näherer Betrachtung zeigt sich die aus Erstbesitz stammende Nummer 73 noch im weitgehenden Originalzustand. Das Chassis ist original und auch wie Motor passt zum Fahrgestell. Mauricio wird seinen „neuen“ 2CV, auf den er über dreißig Jahre lang geduldig gewartet hatte, jetzt behutsam wieder fahrfähig machen. „Er wird bald wieder über Rosarios Straßen rollen, denn ein solches Auto ist einfach dazu da, auch mit anderen Menschen geteilt zu werden.“ Eine gute Einstellung.
 
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Fund. Felicitaciones sagt man in Argentinien !
 

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