Abgehängt: Citroëns Ende in Köln

92 lange Jahre war Köln für die Marke Citroën die deutsche Heimatadresse. André Citroën hatte sich aufgrund der Nähe zu Paris und der guten Anbindung der Domstadt an das internationale Verkehrsnetz für Köln als deutschen Hauptstandort entschieden. Jetzt gab PSA den Wegzug der Citroën Zentrale ins Opel-Werk nach Rüsselsheim bekannt.
 
Von Jan Eggermann, Bilder: Garage 2CV
 
Schon seit einiger Zeit und nach Übernahme von Opel in den PSA-Konzern waren Spekulationen über einen möglichen Wegzug der deutschen Citroën-Zentrale von Köln nach Rüsselsheim im Umlauf. Am 23. Mai um Punkt 16 Uhr bestätigten sich die Befürchtungen, als die PSA Group auf ihrer konzerneigenen Seite eine entsprechende Meldung veröffentlichte. So soll noch im Laufe dieses Jahres – also während des aktuellen Jubiläumsjahres 100 Jahre Citroën – der Kölner Standort aufgegeben, und nach Rüsselsheim ins Opel-Werk verlegt werden. Vom Umzug betroffen sind die ebenfalls am seit 2013 angemieteten Standort in Köln-Grembergerhoven befindlichen Marken Peugeot und DS Automobiles. Die bislang für die drei „französischen“ Konzernmarken tätigen 180 Mitarbeiter sollen mit nach Rüsselsheim ziehen.
 

 
Der Standort Köln hat(te) für die Marke Citroën eine besondere Bedeutung. André Citroën begann 1926 mit den Planungen für ein Automobilwerk in Köln, das dann Anfang 1927 auch in Betrieb ging. Bis zum Citroën-Konkurs 1934 wurden in Automobile gebaut, auch danach blieb die deutsche Citroën-Zentrale in Köln-Poll ansässig. Nach verheerenden Zerstörungen im Krieg wurde das Werk zwar nicht mehr aufgebaut, doch Citroën baute in der Aachener Straße eine neue Firmenzentrale, die dann 1959 nach Porz- bzw. Köln-Westhofen umzog. Von hier aus begann dann der Aufstieg der Marke Citroën in Deutschland. Als dann Anfang der 2010er-Jahre der Gesamtkonzern in schwerer Krise umstrukturiert wurde, verkaufte man die Citroën-Niederlassung an der Aachener Straße und verlegte die Citroën-Niederlassung in architektonisch anspruchsvolle neue Räume am Raderberggürtel in unmittelbarer Nähe zum Deutschlandfunk. Auch vom Gelände der Citroën Deutschlandzentrale zog man ab, um gemeinsam mit der aus Saarbrücken kommenden Peugeot-Zentrale (und der neuen Citroën-Sub-Marke DS Automobile) ein angemietetes Gebäude in Köln-Grembergerhoven zu belegen.
 

 
Schon Anfang des Jahres hatte PSA mit der Ankündigung, zum 1. Juli 2019 die beiden noch in Köln befindlichen offiziellen Citroën-Niederlassungen zu Gunsten von Opel zu schließen für Diskussionen gesorgt, denn Köln war schon vom legendären André Citroën als deutscher Standort ausgewählt worde. In Frankreich hatte Citroën den Stammsitz Paris allerdings schon 1982 zugunsten von Neully-sur-Seine verlassen, heute ist man in Rueil-Malmaison ansässig. Abgesehen von örtlichen Kölner Vertriebspartnern und der aktuell noch aktiven PSA-Kundendienstschule auf dem ehemaligen Citroën-Areal an der André-Citroën-Straße in Köln-Westhofen wird Citroën in der Domstadt nach 92 erfolgreichen Jahren nicht mehr vertreten sein. Ausgerechnet im einhundertsten Jubiläumsjahr der Marke Citroën verzichtet PSA auf seinen deutschen Traditionsstandort. Ironie des Schickals: Die Pressemitteilung zum Citroën-Weggang aus Köln wurde ausgerechnet von Rüsselsheimer Opel-Mitarbeitern verfasst und unterzeichnet.
 

 
Wer sich für die Geschichte von Citroën in Köln interessiert, sollte unbedingt Immo Mikloweits neues Buch Citroën: Die ersten deutschen Jahre von 1919 bis 1969 lesen. Aus dem umfassenden Werk stammt auch folgendes Foto, das Kölner Citroën-Mitarbeiter mit ihrem „Veteran“ (ein Citroën 5CV Trefle) im Frühjahr 1963 zeigt. Man beachte die im Hintergrund aufgereiten Citroën H aus französischer Produktion !
 

 

 

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