Wie weiter mit Citroën, Vincent Cobée ?


 
Vincent Cobée ist seit Januar 2020 der neue Chef bei Citroën. In einem Interview skizziert er jetzt zum ersten Mal die strategischen Ziele der Marke bis 2025. Der Cursor solle wieder mehr in Richtung Citroën verschoben werden und zu menschlichen, innovativen und konfortablen Antworten à la Citroën führen.
 
Von Jan Eggermann, Bilder: Citroën / Garage 2CV
 
Derzeit lässt Citroën Frankreich eine Marketingkampagne mit Kurzinterviews im Internet ablaufen. Dabei sollen Menschen vorgestellt werden, die „Citroën ausmachen“. Als erste Folge wurde am 14. April 2020 ein Gespräch mit dem neuen Citroën-Chef Vincent Cobée veröffentlicht. Das rund vierzehn minütige Gespräch in französischer Sprache wurde in einem Pariser Citroën-Showroom in aktueller Ausstattung gefilmt. Im Hintergrund sind C4 Cactus und C5 Aircross zu sehen, an der Wand ein großformatiges Bild des Citroën 2CV. Letzterer ist ein erster Schwerpunkt des Interviews, nachdem Cobée die Frage nach Kaffee oder Tee mit Kaffee aus einer 2CV-Tasse beantwortet. Echter Kaffee fließt zwar zunächst nicht, doch der aus Nordfrankreich stammende Cobée philosophiert sichtbar gerne über den 2CV. Denn – so Cobée – auf der ganzen Welt könne man ein T-Shirt mit der 2CV-Silhuette anziehen und es sei dann völlig klar, was man sähe, selbst wenn vielleicht die genaue Bezeichnung der Ente nicht sofort geläufig sei. Ein solch intuitives Verstehen sei ein internationales Phänomen. Neben dem „zeitlosen Design“ stünde auch die technische Innovation des 2CV. Er sei ein besonderer Moment bei Citroën gewesen: Visuell, technisch und auch dadurch, dass er die Art des Reisens verändert habe. „Dieses Auto ist ein historisches Denkmal.“ Der leidenschaftlichen Ausführung Cobées folgt die humorvolle Anmerkung des Interviewers, dass er (Cobée) ja nicht von Citroën käme (Cobée war vor kurzem von Renault zur PSA Groupe gewechselt und löste dann Linda Jackson als Citroën-Chef ab, Anm. d. Red.). Doch bereits seine Mutter sei im Citroën 15 aufgewachsen und er selbst habe in den Neunzigern und vor seinem jahrzehntelangen Wegzug aus Frankreich „die ganze Bandbreite des ZX-Programms“ bis zum Citroën ZX Volcane gefahren.
 

 
Als er vor rund fünfundzwanzig Jahren Frankreich verließ und dann vor allem in Asien lebte, habe er eine innovative Marke Citroën mit Fahrzeugen wie die DS und den CX, oder auch AX oder ZX hinter sich gelassen. Es habe auch Fahrzeuge gegeben, die mit ihrem etwas bizarren Touch vielleicht auch ein wenig schwerer zu vermitteln gewesen seien, aber eben auch für Citroën stande, so etwa BX oder Axel. Nach seiner Rückkehr und dem damit verbundenen großen Vergnügen, für Citroën arbeiten zu dürfen, habe er entdeckt, dass Citroën heute zwar sehr viel mehr Mainstream sei, damit in den vergangenen fünf oder sechs Jahren aber in die Mitte der Märkte zurückgekehrt sei. Und das mit Fahrzeugen, die einen sehr starken Stil und eine hohe Wettbewerbsfähigkeit haben. Citroën sei jetzt eine starke Marke. Um es kurz zu formulieren werde man in den kommenden Jahren „Citroën neu erfinden“ und innovative, provokative Produkten schaffen, die Zuneigung, Nähe und Reaktion provozieren. Gleichzeitig blieben die Produkte innovativ und konfortabel.
 

 
Ob mit Blick auf die anbrechenden Zwanziger nun die „verrückten Citroën-Jahre“ kämen, kommentierte Cobée mit Anspielungen auf die zurückliegenden Dekaden, die in den Dreißigern (Traction Avant), Vierzigern (2CV & H), Fünfzigern (DS) oder den Siebzigern (CX & SM) natürlich auch schon verrückt gewesen seien. Man werde in den kommenden Zwanzigern eine Veränderung der Städte und der Transportmittel erleben. Eine erste Antwort darauf könnte der neue Citroën AMI geben, der ein kleiner, praktischer, vollelektrischer und wettergeschützter Stadtwagen zum Abo-Preis eines Mobiltelefons sei. Die Lösung à la Citroën sei, ein Problem zu sehen, es analytisch praktisch auf den Kopf zu stellen um es dann seriös zu lösen. Denn die persönliche Freiheit des Einzelnen sei auch in Zukunft wichtig. Wenn es der Telefongesellschaft Orange in genialistischer Form gelungen sei, aus einer schlichten Farbbezeichnung den Begriff für Kommunikation zu machen, so sei ähnliches auch die Intention Citroëns bei der Wahl der Bezeichnung AMI – also Freund – gewesen, die noch dazu der Markengeschichte entspringt (im Mai 1961 erschien mit dem Ami 6 ein von Flaminio Bertoni gezeichneter Millionenerfolg. Anm. d. Red). In Kürze (Juni 2020) werde auch ein neuer Citroën C4 bestellbar, den man im August oder September 2020 dann auch öffentlich ausstellen werde. Man werde den Cursor wieder ein wenig mehr auf Citroën legen. Citroëns Antworten sollten menschlicher, innovativer und komfortabler werden.
 
Kommerzielles Ziel für Citroën in Europa sei in den nächsten Jahren ein Wachstum von dreißig Prozent. Im Jahre 2025 wird Citroën laut Cobée die starken Märkte in Europa, Brasilien, Japan und Nordafrika weiter ausgebaut haben und sowohl in Indien, Afrika, dem nahen Osten und auch Lateinamerika weiter expandieren. Citroën werde in Europa stark bleiben, doch im Gesamtmaßstab werde Europa nur noch 60% des Citroën-Absatzes ausmachen. Ein gutes und erreichbares Ziel. Die Leidenschaft für Citroën lebt bis in die oberste Chefetage hinein, en avant Citroën !
 


 
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