Rückblick: Die 30. Techno-Classica in Essen


 
Auch mit der 30. Auflage bleibt die Techno-Classica die größte europäische Oldtimermesse. 1.250 Aussteller und 188.000 Besuchern aus über 30 Nationen kamen 2019 nach Essen. Auch im weltweiten Vergelich dürfte die „TC“ die Klassikermesse schlechthin sein.
 
Von Jan Eggermann, Bilder: Ulrich Brenken, Jan Eggermann, Messe Essen, Archiv Garage 2CV
 
Oben in Halle 9.1 kann man von einer Citroën-Strasse direkt in das imaginäre Wolfsdorf der deutschen VW-Szene flanieren, wirklich provinziell geht es aber draußen vor der Messe zu. Denn dort schlagen ein paar Ordner über die Strenge und haben sichtlich Spaß an Ausübung unsinniger Autorität. Leider diskreditieren sie damit ihre vielen Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeit mit einem Lächeln erledigen. Zu einer Messe von Weltformat will das nicht passen. Im Inneren der heiligen Hallen ist dann aber das mondiale Flair der größten Oldtimermesse Europas sofort spürbar. Hier treffen begeisterte Oldtimerfans aus vielen Ländern und allen Kontinenten aufeinander: Vom heimischen KFZ-Lehrling bis zum italienischen Händler für Luxusautos, vom spanischen Rennfahrer bis zum indischen Museumskurator. Drei Israelis sind auf der Suche nach Lampen für ihre Klassiker. Ein zum Gran-Señor gereifter ehemaliger Rennfahrer aus Barcelona freut sich sichtlich über den (einzigen) ausgestellten 2CV. Der bekennende Katalane meint, genau so einen habe er zuhause in seiner Sammlung. Eine tolle Mischung vom Amateuren und Profis ! Und wie die Besucher haben auch Hersteller wie BMW, Daimler, Volvo und der Volkswagen-Konzern mit Bugatti, Porsche, SEAT, Skoda und VW keine Wege und Kosten gescheut, um mit ihren Klassikern eine direkte Brücke in die ungewisse Zukunft zu bauen. Stichworte autonomes Fahren und Elektromobilität.
 

 
Volkswagen zeigt einen VW Elektro-T2 von 1972. Er diente in kleiner Auflage als Versuchsträger, war aber mit 750 Kilogramm Batteriegewicht und einer Reichweite von nur etwas über 50 Kilometern kaum markttauglich. Gleiches gilt für den nebenan geparkten DKW Elektro auf Basis des Schnellasters, der laut Werner Oswald schon im September 1955 auf der Frankfurter IAA erstmals gezeigt wurde. Ob es noch mehr Exemplare gab, wusste der profunde Typenkenner selbst in seinem Standardwerk zu Liefer- und Lastwagen nicht zu sagen.* Heute weiß man es dank Techno Classica und DEUVET besser. Denn der Veteranenverband hat das zweite existente Exemplar mit einer BV-ARAL-Elektrozapfsäule verkabelt. Ein paar Schritte weiter zeigt die Techno Classica Akademie, wie man verbeultes Blech wieder in Form bringt. Auch auf Elektromobilität setzt der auferstandene Hersteller Borgward, der demnächst das Elektroauto BX7 auf den Markt zu bringen gedenkt und laut Nachrichtenmagazin FOCUS mehr Teile von deutschen Zulieferern eingebaut hat als mancher Passat. Greifbarer als ein Poster des kommenden deutsch-chinesischen SUV ist der liebevoll arrangierte Stand der Borgward IG die mit vielen Details an die legendäre Route 66 erinnert.
 

 
Steter Andrang auf der Citroën-Strasse. Sie ist heuer letztmalig im Obergeschoss ansässig und wird im nächsten Jahr wohl in einer der neuen Hallen Platz finden. Überhaupt spürt man zumindest in den westlichen Hallen, dass große Veränderungen anstehen. Überall wird gebaut, einige Hallen sind nur durch provisorische Fußgängertunnel zu erreichen. Zurück zur Citroën-Strasse. Zwei der ausgestellten Fahrzeuge fallen besonders ins Auge: Ein Citroën 11 CV, den die Ölmarke Yacco in den Sechzigern zum Sandbahnrennwagen umbaute (!) und ein fast vollkommen originaler Citroën 2CV AZ PO mit der seltenen Überseeausstattung. Die heute in Sammlerhand befindliche aschgraue Ente war 1955 ins französische Algier ausgeliefert worden und 1967 nach Toulouse in Südwestfrankreich gelangt. Jetzt steht sie hier anläßlich 70 Jahre Citroën 2CV. Sehenswert auch die raren Citroën-Maseratis vom Typ SM und ein BX GTI mit Tageszulassung.
 

 
Große Freude bei Stephan Joest von der Amicale Citroën Internationale und Ulrich Klauke vom DS Club Deutschland. Stellvertretend für Citroën und den Ausnahmedesigner Flaminio Bertoni haben die beiden einen von Lesern der Zeitschrift Motor Klassik vergebenen Design Award für die Citroën DS entgegen genommen. Am Samstagnachmittag wird es dann am ACC-Stand voll: Neben PSA-Pressesprecher Stefan Lützenkirchen sieht man den langjährigen Citroën-Presseattaché Immo Mikloweit sowie den Verfasser der deutschen Bertoni-Biographie Stéphane Bonutto. Nebenan werben Markenfans für eine Reihe von besuchenswerten Großtreffen. In 2020 wird in Thorn das nächste ICCCR stattfinden, in diesem Jahr stehen das DET für 2CV in Dinslaken und als Einstieg in das Citroën-Jubiläumsjahr 2019 das 99/100 Jaar Citroën im Gelderland an. Viele Besucher fragen nach dem offiziellen Citroën-Stand, der in den vergangenen Jahren immer eine beliebte Anlaufstelle war und klassische und aktuelle Citroëns zeigte, teilweise sogar als inoffizielle Deutschlandpremieren. Vielleicht im Citroën-Jubiläumsjahr wieder ? Hoffentlich !
 

 
Eine Feuerschutztür weiter beginnt Wolfsdorf, die illustre Stände-Sammlung der deutschen Volkswagen-Clubs. Hier findet sich fast alles, was einst die bundesdeutschen Straßen bevölkerte und dabei aus Wolfsburg kam. Ein echtes Highlight die „Dr. Oetker Hausfrauenberatung“ im T1 mit passendem Beratungshänger. Toll gemacht sind die in ganz Wolfsdorf an ausgestellten Fahrzeugen angebrachten DIN-Nummernschilder mit dem Kürzel WOD. Warum ist eigentlich noch immer keine bundesweite Ausnahmeregelung für DIN-Nummernschilder an klassischen Fahrzeugen in Sicht ? In Frankreich, Luxembourg, Belgien oder Großbritannien geht es doch !
 
Die Borgward IG ist auf der Route 66 unterwegs
 
Viele der 188.000 Besucher der Techno Classica 2018 sehen natürlich auch den detailverliebt arrangierten Unfall der Traktorfreunde Essen: Der Fahrer eines Lloyd Alexander hat offenbar die Auslagen einer Trinkhalle zu intensiv betrachtet und ist unter einen mit Kartoffeln beladenen Hänger gerast … Gleich um die Ecke betreiben die Oldtimer Freunde Dortmund ihr Café Schrott & Edel. Und das so gut, dass sie am Ende den Preis für den schönsten Clubstand bekommen. Apropos Ende: Am Sonntagnachmittag stimmen alle Fahrzeuge in den Hallen 6.1 und 8.1 in eine ohrenbetäubendes Hupkonzert ein. Denn wenn sich gleich die Tore der diesjährigen Techno Classica schließen, dann endet gleichzeitig der Betrieb in diesen Messehallen. Schon wenige Tage nach Ende der Messe sollen die Abrißbagger anrücken.
 
Die nächste und 31. Techno Classica findet vom 10. bis 14. April 2019 statt.
 

 
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