Kommt im Oktober ein neuer 2CV?

Citroën wird beim Pariser Salon im Oktober 2026 einen neuen Kleinwagen in der Silhuette der Ente und mit der Typenbezeichnung 2CV zeigen. Das gab Citroën-Generaldirektor Xavier Chardon jetzt bei einer Investorenkonferenz in Auburn Hills bekannt.
Text: Jan Eggermann, Bilder: Citroën/Archiv Garage 2cv
„The 2CV is back“
Bei einer Investorenkonferenz der Citroën-Mutter Stellantis im US-amerikanischen Auburn Hills bewahrheitete sich am 21. Mai 2026, was spätestens seit dem Brüsseler Salon im letzten Januar (wir berichteten) gerüchteweise zu hören gewesen war: Citroën-Generaldirektor Xavier Chardon verkündete vor einem vorwiegend nordamerikanischen Fachpublikum, das gegenwärtig seiner Worte und wohl aus völliger Unkenntnis der Ente überraschend ruhig blieb: “The 2CV is back“. Damit gemeint ist ein neuer und ab 2027/28 in Europa hergestellter Kleinwagen mit Elektromotor, dessen Außenmaße und Assistenzsysteme auf das Wesentliche reduziert sind. Also ganz so, wie es die bald aus Brüssel erwartete EU-Kleinstwagen-Verordnung vorsieht. Völlig gegensätzlich die Resonanz in Europa. Denn hier führte allein die Ankündigung von Citroën, einen neuen 2CV bringen zu wollen, zu Berichterstattungen bis in die Abendnachrichten in Frankreich und Deutschland. Dass der Ente auch 36 Jahre nach dem Ende ihrer Produktion im Juli 1990 noch viel Sympathie entgegengebracht wird, kann man auch anhand der Welle im Internet sehen, auf der auch wir jetzt gewissermaßen surfen. Anspielungen auf den 2CV gab es von Citroën in der Vergangenheit schon viele. Erinnert sei an C3 und Pluriel vor mehr als zwanzig Jahren, die in ihrer Form und Funktionalität ganz entfernt an ihren Vorfahr erinnerten. Zuletzt gab es Designzitate am Kleinstfahrzeug Ami und auch den aktuellen Citroën C3 kann man in der alten Entenfarbe “Monte Carlo-Blau” bestellen, in seiner Basisausstattung ist das sogar die Grundfarbe. Doch abgesehen davon hörte man von Citroën immer, dass man sich keinesfalls zu sehr an der Vergangenheit orientieren wolle. Schließlich sei man ein avantgardistischer Hersteller – sprich in die Zukunft orientiert. Jetzt also rückwärtsgewandt in die Zukunft? Retro-Autos von (BMW) Minis oder New Beetles wurde bislang aus mehr oder weniger vollem Herzen stets eine Absage erteilt. Jedenfalls bis zur letzten Woche…
„2CV-Philosophie erhalten“
Denn wie auch andere Hersteller spürt auch Citroën eine stärker werdende Konkurrenz aus Fernost und das oft auch mit Anspielungen auf europäische Klassiker. Dass Renault jüngst mit Neuauflagen von R5 und Twingo Achtungserfolge erzielt, ist natürlich auch den Stellantis-Lenkern nicht verborgen geblieben, zumal der neue Citroën-Generaldirektor Xavier Chardon das Potential der Vergangenheit kennt. Sein Handwerk hat er von der Pike auf beim Doppelwinkel gelernt, inklusiv einiger Jahre als Generaldirektor der Citroën Deutschland. Bis auf das veröffentlichte Foto (Zitat Chardon: Leider haben unsere Fotografen ins Dunkel fotografiert, beim Pariser Salon wird man mehr sehen!”) sind noch nicht viele Details bekannt geworden. So wird das neue Kleinstfahrzeug unter Beibehaltung der alten 2CV-Silhuette unter 4 Metern Länge bleiben und auf der “Smart Car-Plattform” von Stellantis stehen. Rein theoretisch wäre so auch ein Verbrenner machbar. Da der “neue 2CV” gemäß der kommenden EU-Kleinstwagenverordnung zugelassen wird, gibt es in der Praxis aber nur eine Elektroversion. Man darf davon ausgehen, dass sich die Reichweite solch eines “neuen 2CV” bei vielleicht 200 Kilometern bewegen wird. Weltreisen dürften also damit also kaum möglich sein, wobei im vorletzten Jahr eine Staffel von Citroën Ami von Paris bis Kapstadt gefahren ist… auf eigener Achse und mit eigener Photovoltaik-Versorgung! Durch die Smart Car-Plattform könnte konstruktiv auch ein Faltdach möglich sein, das ja mehr oder weniger ein integraler Bestandteil der früheren 2CV-Philosophie war. Ob es tatsächlich kommen wird? Auf dem veröffentlichten und computeranimierten Bild ist (noch) kein Faltdach zu sehen. Citroën-Designchef Pierre Leclercq ist sich der großen Herausforderungen an einen 2CV des einundzwanzigsten Jahrhunderts jedenfalls völlig bewusst und wird mit seinen Leuten in Vélizy möglichst viel von der 2CV-Philosophie aufgreifen.

Durch den erlaubten Verzicht auf Masse und viele Assistenzsysteme, soll der 2CV des Jahres 2026 – lieferbar wohl Anfang 2028 – bei einem Preis von unter 15.000 € bleiben, noch vor etwaigen staatlichen Förderungen. Diese Schlichtheit dürfte die wohl größte Parallele zu seinem historischen Vorfahr von 1948. Die ursprünglich als einfaches Fahrzeug für die französische Landbevölkerung entwickelte historische Ente wurde 1948 schließlich Citroëns Antwort auf die enormen Mobilitätsbedürfnisse der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der 2CV des Jahres 2026 entspringt der derzeitigen ökonomischen Krisensituation Europas und soll als funktionales und ökonomisch erschwingliches Fortbewegungsmittel für Mobilität und wirtschaftlichen Aufschwung sorgen. Weil für die Einordnung als “E-Car” in die „M1E“-Kategorie eine Produktion in Europa zwingend vorgeschrieben ist, und es in Frankreich kein geeignetes Werk gibt, wird der Wagen im Stellantis-Werk “Giambattista Vico” in Pomigliano d’Arco bei Neapel gefertigt, lediglich die Batterien kommen aus einer neuen Gigafactory in Nordfrankreich. Dort wird auch der Fiat Panda montiert. Kenner der Automobilgeschichte werden sich auch sicher noch an den Alfasud erinnern, der 1972 als erstes Fahrzeug aus dem Werk kam. Der Namensgeber des süditalienischen Werkes, Philosoph Giambattista Vico, befasste sich übrigens auch mit Aufstieg und Niedergang von Zivilisationen. Hoffen wir, dass der künftige 2CV mit André Citroëns Gründerzeit-Doppelwinkel dazu beitragen wird, der europäischen Automobilindustrie zum neuerlichen Aufstieg zu verhelfen!

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