Citroëns 3-Liter-Auto

 
Mit dem “ECO 2000” zeigten die bundesdeutschen Citroën-Clubs auf ihrer “Citroën-Strasse” in Essen im vergangenen April ein ganz besonderes Highlight. Citroëns erstes 3-Liter-Auto war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum 1986 erscheinenden AX. Der Prototyp war von Citroën eigens aus der Werkssammlung geholt worden.
 
Text: Jan Eggermann, Bilder: Citroën/Archiv Garage 2cv
 

 
Die Geschichte des “ECO 2000” ist eng mit den Ölkrisen der Siebziger verbunden. Sie haben der Autoindustrie schwer zugesetzt. Verbrauchswerte sind viel wichtiger als bisher. Citroën ist da schon Teil von PSA Peugeot Citroën. Doch man agiert konzeptionell praktisch noch völlig unabhängig: Mit eigener Entwicklung, Produktion und Vertrieb. Der Doppelwinkel gilt als innovativer Hersteller mit Charakter und Expertise für Kleinwagen. Als der französische Staat ein Förderprogramm für ein „3-Liter-Auto in den nächsten fünf Jahren“ auslobt, erhält Citroën den Zuschlag und die Hälfte der Entwicklungskosten. Dieses Förderprogramm bereitet später auch den Weg zum AX, der in diesem Jahr vierzig Jahre alt wird.
 

Die ECO 2000-Philosophie
Das Entwicklungszentrum macht sich gleich an die Arbeit. Zwischen 1982 und 1984 entstehen drei fahrfähige Prototypen eines „ECO 2000“, bei denen die Verbesserung der Aerodynamik steht im Fokus steht. Mittels 48 Modellen und 1.500 Strömungsexperimenten wird sie im Windkanal immer weiter ausgefeilt. In bester „Lefebvre-Manier“ kommt man auf viele Ideen. Mit der verwendeten Hydropneumatik ist ein Trimmsystem zur Anpassung des cW-Wertes in Abhängigkeit zur Geschwindigkeit möglich, man verzichtet zugunsten bündig verklebter Scheiben auf bislang übliche Gummidichtungen und reduziert die Fahrzeugmasse auf ein Minimum. Etliches wird eingespart oder durch Kunststoffe ersetzt. Durch computergestützte CAD-Systeme kann die projizierte Flächenmasse auf rund 25 kg/m² reduziert werden. 1970 hatte sich noch 42 betragen und auch beim BX lag sie 1982 noch bei 32,4. Bei der Entwicklung der Motoren kommt CAD zum Einsatz, was dank Massenreduktion zu einem besseren Wirkungsgrad der Motoren führt.
 

Prototyp “SA 117” von 1983/84. Aerodynamisch optimiert dank windschlüpfiger Karosse und einer Hydropneumatik, die hier vor allem einen Zweck verfolgt: Das Fahrzeug bei Bedarf absenken und so die Aerodynamik verbessern helfen!

 
März 1982: Der erste Prototyp
Im März 1982 ist der erste Prototyp fertig. „SA 103“ hat eine Monocoque-Karosse von 3,04 m Länge und ein Gewicht von nur 430 kg mit Raum für 4 Personen, die über zwei große Seitentüren einsteigen. Ein kleiner 2-Zylinder wie in der Ente sorgt für Antrieb. Dank des auf 0,26 reduzierten cW-Wertes verbraucht er lediglich 3,5 l/100 km. Perfekt ist er aber noch nicht: Ein Kofferraum fehlt genauso, wie die Schallisolierung. Ein Jahr später rollt im März 1983 „SA 119“. Trotz eines auf 3,47 Meter gewachsenen konventionelleren Designs und eingebauter Hydropneumatik (!) sinkt sein Gewicht um 7 auf 423 Kilogramm. Der cW-Wert ist auf 0,22 optimiert. Dadurch wird ein Durchschnittsverbrauch von 3,2 l/100 km erreicht!
 

“SA 117” hat auch im Innenraum typisch futuristische Citroën-Details jener Zeit. Im Zentrum: Das berühmte Einspeichenlenkrad!

 
Im März 1984 folgt „SA 109“. Der wiegt 450 kg und hat einen cW-Wert von 0,22. Als Antrieb dient ein quer eingebauter 3-Zylinder-Reihen-Diesel mit 0,75 l Hubraum, Verbrauch 3,5 l/100 km, Spitze 140 km/h. Auf Basis des „SA 109“ entsteht die im Herbst 1984 auf dem Pariser Automobilsalon gezeigte Studie „ECO 2000“, die bei einer konstanten Geschwindigkeit von 90 km/h mit 2,4 Litern Verbrauch im UTAC-Modus sogar noch unter der magischen 3-Liter-Schwelle liegt! Citroën ist in aller Munde, genauso wie es zwei Jahre zuvor beim BX gewesen war.
 
Die ECO 2000-Versuchsreihe legt einen der Grundsteine für die späteren AX und Saxo.
 
Mehr als vierzig Jahre sind Themen wie geringes Gewicht und Verbrauchsarmut wieder sehr aktuell geworden. Citroën arbeitet augenblicklich an einem neuen Konzept eines Kleinwagens unterhalb der derzeitigen C3-Größe. Was bislang aufgrund hoher Entwicklungskosten für Assistenzsysteme und sinkende Margen in dieser Fahrzeugklasse kaum noch möglich war, soll eine neue “Smart Cars”-Richtlinie der Europäischen Union ermöglichen.
 
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