Citroën: Neuauflage der 2CV-Philosophie?

Citroën könnte beim Pariser Salon im kommenden Oktober 2026 eine vom 2CV inspirierte Studie eines Elektro-Kleinwagens zeigen. Das jedenfalls berichten meherer Medien auf Grundlage eines Berichtes der britische Zeitschrift Autoexpress vom 25. März 2026.
Text: Jan Eggermann, Bilder: Citroën/Archiv Garage 2cv
Demnach gebe es Gerüchte zur Wiedergeburt der „Vierziger-Jahre-Legende“, die in der Nachkriegszeit Mobilität erschwinglich gemacht habe. Citroëns neuer Generaldirektor Xavier Chardon habe dem Projekt grünes Licht gegeben und die Premiere für den Pariser Salon im Oktober angesetzt, um so auf die neuen Regeln für Kleinstwagen zu reagieren, die die Europäische Kommission bekanntgegeben hatte. Das Design-Team unter Pierre Leclercq arbeite derzeit schon intensiv an einer Studie. Der Erfolg des wiedergeborenen Renault 5 mit bereits 120.000 Bestellungen, unterstreiche die kommerzielle Kraft, die in einem gut gemachten retromodernistischen – oder wie es Leclercq formuliert „neo-retro“ – Design liege.
„2CV-Philosophie erhalten“
„Wir haben bereits versucht, den 2CV nachzubauen,“ spielt Leclercq auf „Revolte“ an. Das gleichnamige Konzept war vor Jahren unter Jean-Pierre Ploué entwickelt worden. „Eine moderne Interpretation des 2CV und super cool. Wir haben es also schon versucht, wie auch schon beim Type H oder ähnlichen Dingen.“ Revolte war ein Plug-in-Hybrid, der auf einer verkürzten DS 3-Plattform basierte und seinerzeit mit seiner Front (und dem Zuschnitt der Türen) auf den 2CV anspielte. Es war allerdings keine echte Neuinterpretation des Originals. Die aber stellt sich Leclercq vor. Er will wohl eher dem Ethos des 2CV mit erschwinglichem Preis, Geräumigkeit, Komfort und Kraftstoffeffizienz eine moderne Richtung geben: „Denkt man an einen 2CV als preisgünstiges Fahrzeug für Städte, ist es wichtig seine Philosophie, seine Werte zu erhalten. Wenn man das in ein modernes Auto interpretieren kann, dann lasst es uns tun!“

„Twingo als Vorbild?“
Auch wenn der neue Renault 5 ein kommerzieller Überflieger ist, wird sich das Konzept eines neuen Citroën-Kleinwagens wohl eher am Twingo orientieren, der auf einer verkürzten R5-Plattform aufbaut. Citroën hat ebenfalls eine eigene Kleinwagen-Architektur namens „Smart Car“. Auf ihr bauen auch C3, und C3 Aircross auf, die es jeweils als Verbrenner und Elektro gibt. Citroëns Ingenieure haben sich schon Gedanken über die Verwendung der Plattform für ein Fahrzeug zwischen Ami und C3 gemacht. Eine Überlegung könnte dabei auch gewesen sein, ob die Plattform vielleicht stabil genug ist, um ein Rollverdeck zu ermöglichen, wie damals beim 2CV. Renaults Twingo verfügt über eine 27,5 kWh Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit einer Reichweite von ca. 260 Kilometern und einem Motor mit 82 PS. Citroën-Eigner Stellantis drürfte bemüht sein, das A-Segment über mehrere Marken hinweg zu entwickeln. Ein „neo-retro“ 2CV wird auf jeden Fall konform zur europäischen „M1E“-Kategorie sein. An der Regulierung werde zwar noch gewerkelt, doch Fahrzeuge werden in jedem Fall kürzer als 4,20 Meter sein, und müssen innerhalb der EU hergestellt werden. Einzelne EU-Staaten dürfen Batterie-Produktionen subventionieren. Stellantis hat bereits ein 4,1 Milliarden €-Joint Venture mit Spanien und dem volkschinesischen Batteriehersteller CATL angekündigt. Ab 2026 will man in einer Gigafactory in Saragossa produzieren. Die EU-Kommission will möglichst schnell die Lücke schließen, die in Europa vor allem in der Preisklasse von unter 25.000 € (vor Abzug von Förderungen) besteht. Angenommen, die EU-Gesetze konkretisieren sich in diesem Jahr: 2029 könnte ein 2CV-Elektro in Produktion gehen.

„Citroën, die experimentelle Marke“
Preisgünstige Marken wie Citroën sind in einen Preiskampf mit chinesischen Billig-Importen geraten. Wie kann Citroën bestehen? „Wir haben etwas, das chinesische Marken niemals haben werden: Unsere Marke. Eine Marke die viele Menschen noch immer lieben, wo Kunden den nächsten Citroën schon sehnsüchtig erwarten,“ so Leclercq. Der Markenwert ließe sich am besten beschreiben, in dem man Menschen die Silhouetten von Klassikern wie 2CV, H oder Traction Avant zeige, die in aller Welt bekannt seien. „Citroën sollte die experimentelle Stellantis-Marke sein. Wenn es etwas Verrücktes wie etwa den Ami gibt, dann solte er von Citroën sein. Das unterscheidet uns von den Chinesen. Sie denken – noch – in Schubladen, doch sie experimentieren noch nicht.“ Leclercq arbeitete früher für Great Wall und war letzten Sommer auf einer Studienreise zu chinesischen Konkurrenten. Chinesische Autos seien attraktiv für Kunden, die Technologie zu einem guten Preis wollen, „deshalb muss Citroën verstärkt auf mutige Designs wie den Ami setzen.“
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