Brüssel: 70th Anniversary 2CV im Jubelpark

In Belgien feiert Citroën zusammen mit dem Museum Autoworld in Brüssel 70 Jahre 2CV. Zum Auftakt einer Sonderausstellung zu Ehren des 1948 erstmals vorgestellten Automobils kamen rund 200 Enten vor das prachtvolle Automobilmuseum im Parc du Cinquantenaire inmitten der europäisch-belgischen Hauptstadt. Und weil es einst unweit von hier auch eine Produktionslinie gab, waren auch einige belgische Exoten zu sehen.
 
Von Jan Eggermann, Bilder: Archiv Garage 2CV
 


 
Das Jubelfeld – so heißt der Parc du Cinquantenaire auf Flämisch – ist ein 1880 zur fünfzigsten Jahresfeier Belgiens angelegtes, repräsentatives Ausstellungsgelände in Brüssel. 1897 fand hier sogar eine Weltausstellung statt und seit 1905 öffnet ein pompöser Triumpfbogen das Areal zum 12 ha großen Park hin. In dessen mittlerem Bogen wird bei gutem Wetter die schwarz-gelb-rote Trikolore Belgiens aufgezogen.
Am 2. April 2018 schmiegt sie sich erhaben in leichten Brisen. Das Wetter meint es gut mit den Citroënisten, die mit ihren 2CV auf den Hauptplatz rollen dürfen. Ab und an verliert sich sogar ein Sonnenstrahl durch die dichte Wolkendecke dieses kühlen, aber trockenen Vorfrühlingstages. Über den weitläufigen Platz flanieren Spaziergänger durch die Autoreihen. Verkaufswagen für Brüsseler Waffeln stehen außerhalb eines mit Flatterband und bunten Citroën-Fahnen abgesperrten Bereiches. Durch eine Glastür der Ausstellunsghalle gegenüber hat man einen kleinen Blick auf die Flugzeugsammlung des Königlichen Armeemuseums. Doch die meisten Schaulustigen interessieren sich weniger für das Wellblech der dort hängenden Junkers JU 52, sondern für die teilweise aus ähnlichem Material bestehenden 200 Enten, die immer zahlreicher auf den Platz rollen. Ordner in orangenen Warnjacken weisen ihnen mit Handzeichen und Trillerpfeifen exakte Standplätze auf dem grob gepflasterten Platz zu. Ein paar TEnten kommen aus den Niederlanden und Deutschland, aber die Mehrzahl ist in Belgien zugelassen. Interessant sind die als Oldtimer eingestuften Exemplare. Sie tragen den Buchstaben „O“ auf dem Nummernschild. Meist handelt es sich um die heute recht seltenen, in Belgien produzierte Exemplare der Typen AZL oder AZAM, wobei das „L“ dfür „Luxe“ und „AM“ für „ameliorée“ – also verbessert – steht. In Belgien mag man es eben ein bisschen gediegener, was man nicht zuletzt an den Gebäuden des Jubelparks erkennt. Eigentlich ist die Veranstaltung nur für 2CV gedacht, doch am Rand des Platzes stehen auch ein paar Dyanen und die ebenfalls auf dem 2CV basierenden Lomax-Roadster, irgendwo auch ein Ami 8 Break. Viele 2CV tragen von Citroën und Autoworld gestaltete Rallyeschilder. Alle Angemeldeten bekommen sie zusammen mit einem Modell des C4 Cactus und Eintrittsbändern für die Autoworld.
 



 
Die Automobilsammlung in der Weltausstellungshalle von 1897 im Parc du Cinquantenaire von Brüssel ist ohnehin beeindruckend und schon für sich eine Reise wert. Darüber hinaus gibt es augenblicklich aber eine sehenswerte Sonderausstellung, die 70 Jahren Citroën 2CV gewidmet ist. Fünfundzwanzig Enten aus allen Epochen stellen 42 Produktionsjahre dar und zeigen, was es ganz speziell in Belgien gegeben hat oder noch gibt: Ein leider vor einigen Jahren durch Citroën lackierter Vorserien- 2CV A mit Alukarosse von 1939 und eine späte Charleston, ein Exemplar der seltenen Sahara-Enten mit zwei Motoren und Allradantrieb und ein 2CV 007, ein in Liège produzierter Safar und eine bei den 24-Stundenrennen von Spa-Francorchamps bekannte Ente mit Startnummer 69. Natürlich sind auch aus dem bis Ende 1980 unweit von hier betriebenen Citroën-Werk Forest etliche Fahrzeuge ausgestellt. Teilweise unterscheiden sie sich beträchtlich von ihren französischen Pendants. So entstand in Belgien aus dem französischen Wellblechlastesel AU ein früher Vorläufer des Citroën Berlingo: Die stets zweifarbig lackierte Variante AZUL Week-End mit zahlreichem Sonderzubehör und stets mit einer hinteren Sitzbank. Ebenfalls zu sehen sind im Vergleich zu französischen Typen ebenfalls besser ausgestattete belgische 2CV Limousinen AZS oder AZAM. Und selbst eine der damals schnell verschlissenen Kastenenten der belgischen Post ist zu sehen, desweiteren ein aus britischer Produktion stammender Bijou, der in Großbritannien den 2CV ablösen sollte, aber schon nach wenigen produzierten Exemplaren scheiterte.
 


 
Citroën hat auch einen nagelneuen Citroën C4 Cactus mit dem neuartigen progressiv-hydraulischen Dämpfungssystem ausgestellt. Doch zur beeindruckenden Kulisse für die 2CV-Sonderausstellung werden natürlich die auf mehrere Etagen verteilten rund 300 Fahrzeuge des Autoworld-Museums. Sie entstammen in wesentlichen Teilen der Kollektion des belgischen Sammlers Ghislain Mahy. An ihn erinnert die sehr realistisch nachempfundene Autowerkstatt, das Atelier Mahy. Denn der passionierte Mahy pflegte stets selbst zu reparieren und zu restaurieren. Überhaupt ist es ihm zu verdanken, dass etliche der frühen Exponate überhaupt der Nachwelt erhalten geblieben sind. Er suchte sie mit Besessenheit im ganzen Land zusammen und fand sie oft in beklagenswerten Zuständen. So steht im Atelier neben einem fast schon alltäglichen Ford T ein Opel-Lastkraftwagen der nach dem ersten Weltkrieg in Belgien verblieben war. Viele weitere Automobile längst vergessener belgischer Marken wie Imperia oder Minerva stehen dank ihm in der Autoworld, ebenso solche von Clément Bayard (!), Voisin, Panhard & Levassor, Delage oder Bugatti, von Benz, Messerschmitt oder Borgward. Wie bedeutend die Sammlung für das dreisprachige Land ist, mag die Eröffnung des Museums durch den Kronprinz und späteren König Albert II im Jahr 1986 belegen. Naturgemäß liegt ein Schwerpunkt auf dem belgischen Fahrzeugbau, der früher ungewöhnlich vielfältig war. So gibt es Stationen zu den Epochen des (belgischen) Automobils und einige Sonderthemen etwa zum belgischen Rennsport oder dem Kutschenbau des späteren belgischen Volkswagen-Monteurs D’Ieteren. Alles ist aber auch im weltweiten Kontext präsentiert, Groß- und Kleinserienfahrzeuge wie der von Ettore Bugatti entworfene Peugeot-Mini oder der Hanomag Komissbrot gesellen sich zu Einzelstücken, etwa eine Kutsche des französischen „Volkskaisers“ Napoleon III. Ein tolles (Auto-)Mobilitätsmuseum !
 
Die Sonderausstellung zu 70 Jahren Citroën 2CV ist allerdings nur noch bis zum 29. April 2018 in der Brüsseler Autoworld zu sehen.
 

 
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