Warum nicht Cochabamba: Mit der Ente auf Umwegen nach Südamerika

Das große Interesse an Reiseliteratur bestätigt sich immer wieder in größeren Buchhandlungen. Dort findet sich – angefangen von kartografischem Material und altbekannten Periodika wie Merian oder GEO zu jedem nahen und fernen Fleckchen Erde eine ganze Abteilung von Reiseführern, Erlebnis- und Gastronomieführern, kulturelles meist etwas kürzer, dafür reicht die Bandbreite aber grundsätzlich etwa von A wie Aachen bis Z wie Zypern. Dazwischen Fernost, oder Mittelmeer, für besondere Individualisten gern auch mal „Afrika per Fahrrad“ oder „Paris zu Fuß bei Nacht.“ Dabei wird gerne nach Oberbegriffen wie Deutschland, Spanien, Frankreich, oder auch Amerika, Karibik usw. katalogisiert.

Das aktuelle Buch des Monats – Gisbert Frechs Warum nicht Cochabamba wird für Buchhändler schwer einzuordnen sein, denn es aufgrund des Titels nach Südamerika oder gar Bolivien zu katalogisieren, täte dem Buch Unrecht. Der Untertitel „Mit der Ente auf Umwegen über Kleinasien nach Südamerika“ deutet schon an, dass es sich keineswegs um eine nur auf einen Kontinent beschränkte Reise handelt. Eigentlich geht es inhaltlich um eine unfreiwillig zweigeteilte Weltreise, deren erste Fragmente die 224 Seiten des jetzt neu erschienenen Buches füllen. Beim ersten oberflächlichen Durchblättern erschließt sich das nicht sofort, denn man haftet an den vielen bunten Reisemotiven, und kann die Reiseroute nicht sofort nachvollziehen, zumal eine große Übersichtskarte auch noch eine Wegstrecke bis in die Mongolei zeigt.

Dass die ursprünglich geplante Weltreise per Citroën AK 400 zwangsweise ganz anders verläuft als geplant, liegt nicht etwa an falscher Planung oder technischen Unzulänglichkeiten der Ente. Letztere wird sich – wie bereits Jahre zuvor auf einer Fahrt nach Indien und zurück – auch dieses Mal wieder wacker schlagen. Erste Probleme treten dafür bereits kurz nach dem Start in Nordafrika auf, als ein Grenzübertritt von Tunesien nach Libyen aufgrund restriktiver Einreisebestimmungen scheitert. Ein Umfahren des nordafrkanischen Staates bleibt aufgrund der Lage in Algerien eine nur kurz angedachte Überlegung. Also disponieren Gisbert Frech und seine Begleiterin Sylvia Giese um, setzen per Fähre wieder nach Europa über, wo sie in Italien die Ereignisse des 11. September 2001 im Fernsehen verfolgen müssen. Welche Auswirkungen die Attentate auf die Weltreise haben, wird einige Wochen später klar, als sich die beiden bereits tief in der Türkei befinden, dem angedachten Ausgangspunkt für ihr weiteres Vordringen nach Asien …

Unausweichlich scheint ein Abbruch der Reise, tatsächlich kehren sie für kurze Zeit nach Deutschland zurück. Aber nicht um die Reise endgültig abzubrechen, ganz im Gegenteil: Nach kurzer Verzögerung geht es jetzt in umgekehrter Richtung weiter: Kurs Südamerika an Bord eines Frachters. Erst hier haben die beiden Reisenden und ihre Ente endlich freie Fahrt!

Jetzt beginnt das Buch zu einem Leseerlebnis zu werden, denn es vermittelt neben erwartungsgemäß typischen Reiseanekdoten die Faszination Südamerikas. Die bereits angesprochenen Bilder unterstreichen dabei eindrucksvoll das geschriebene Wort. Eine lesenswerte Veröffentlichung, die hoffentlich fortgesetzt wird!

Von Jan Eggermann, 2007

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