Retromobile 2002: PSA-Chef Folz am Citroën-Stand

 
Retromobile 2002: Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft der Marke Citroën
 
Die Retromobile – Frankreichs große Oldtimermesse – ist vor allem für Liebhaber klassischer französischer Automobile zur Attraktion schlechthin geworden. Alljährlich pilgern tausende von Oltimerbegeisterten aus vielen Ländern Europas an den südlichen Stadtrand von Paris, um ihrem Hobby nachzugehen. Dass die Retromobile dafür eine gute Adresse ist, beweist die Zahl von fast 200 Ausstellern: Tendenz steigend. Markenklubs ermöglichen einen sehenswerten Einblick in über einhundert bewegte Jahre französischen Autobaus. So taucht hier manch vergessene Marke wieder auf. Ob Berliet, Talbot-Simca, Matthys oder Panhard-Levassor: Sie alle haben ihren Platz auf der Retromobile. Entscheidend zum Erfolg der Retromobile tragen aber die vielen Teile- und Devotionalienhändler bei. Von ausgefallenen Ersatzteilen bis hin zu rarer Motorliteratur ist zumeist etliche Seltenheit zu entdecken. Letztmalig in diesem Jahr war „Messewährung“ übrigens der französische Franc. Denn während draußen in der realen Welt schon der Euro zum alltäglichen Zahlungsmittel geworden war, rechneten hier drinnen noch fast ausnahmslos alle in der alten Landeswährung. Es mag vielleicht ein kleiner stoischer Rest von Euro-Skepsis gewesen sein, denn in der Nacht zum 18. Februar 2002 – und somit nur ein paar Stunden nach Schließung der Messe – wurde der Franc als Zahlungsmittel endgültig abgeschafft und der Euro somit auch in Frankreich endgültig eingeführt.
 
Dass seit einiger Zeit auch die Mutterhäuser der drei noch existenten Automarken die Oldtimer-Ausstellung an der Porte de Versailles entdeckt haben, spürte man schon in den vergangenen Jahren: Vor allem Renault präsentierte immer wieder interessante Exponate, in diesem Jahr rund ein Dutzend historischer Rennfahrzeuge. Peugeot – aktuell im Zusammenschluss mit Citroën überaus erfolgreich – legt auch viel Wert auf eine angemessene Präsentation der Firmengeschichte.
 
Und Citroën – die andere „Pariser“ Marke?  Mittlerweile unterstützt Citroën zumindest in Frankreich „seine“ Clubszene tatkräftig, unvergessen die Präsentation des C3-Prototypen vor drei Jahren. Damals ein lang ersehnter erster Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft der Traditionsmarke.
 

C3 ….. Comme Citroën!

Citroën meint es ernst mit der Vergangenheitspflege. So hat die Marke kürzlich nicht nur den Firmensitz von Neuilly formal wieder zurück nach Paris verlegt (rue Fructidor im 17. Arrondissement), man plant überdies auch ein eigenes Werksmuseum (wir berichten an anderer Stelle) und bemüht sich auch ansonsten um eine Aufwertung und vor allem Verknüpfung der Vergangenheit mit der Gegenwart. So fand anläßlich der Retromobile die erstmalige Präsentation eines Serienexemplares des neuen Citroën C3 vor Pariser Publikum statt. Dass das neue Modell inmitten von Doppelwinkel-Klassikern platziert war, mag schon allein augenscheinlicher Ausdruck eines neuen Verständnisses der Marke Citroën gewesen sein. Während – quasi vor den Augen des C3 – der Namensvetter aus den zwanziger Jahren stand und über allem ein großes Banner „C3 …. Comme Citroën“ verkündete, war eine mustergültig restaurierte Ente geschickt in die Flucht des „Neuen“ plaziert worden. Das konnte bei interessierten Besuchern zum Thema Citroën nur einen Eindruck hinterlassen: Zurück zur Vergangenheit und vorwärts in die Zukunft. Überraschung am vorangegangenen Freitag war jedoch der „hohe Besuch“, der sich kurzfristig einer Handvoll Motorjournalisten ankündigte.
 

Jean-Martin Folz und Charles Herval im Pressegespräch.
 
Jean-Martin Folz – Präsident der PSA-Gruppe – nutzte den Weg ins Wochenende für eine Visite auf der Citroën-Strasse im Rahmen der Retromobile. Begleitet von Charles Herval – bei Citroën verantwortlich für die Traditionspflege – informierte er sich über sämtliche ausgestellten Modelle und unterstrich somit leibhaftig, dass die Zeit eines stiefmütterlichen Umgangs mit der Marke Citroën bei PSA vorbei ist. Sichtlich angetan war Folz vor allem von drei Citroën-Fahrzeugen: Ein 11CV am Stand der „La Traction Universelle“ repräsentierte für ihn die „gute alte Citroën-Zeit“. Und dass Citroën auch ein Stück deutscher Geschichte begleitet hat, erfuhr Folz anhand eines ausgestellten CX in verlängerter Version mit bundesdeutscher Zulassung aus dem ehemaligen Regierungsfuhrpark der DDR-Regierung.
 

Deutsche Geschichte mit Citroën verknüpft: Verlängerter CX aus dem ehemaligen DDR-Regierungsfuhrpark.

Ins Rampenlicht beförderte der oberste PSA-Chef auch die etwas abseits stehende Ente des Baujahres 1966: Kurzerhand öffnete Folz die Tür und nahm hinter dem Volant Platz, öffnete das Klappfenster und schaukelte wie weiland im Mai das Auto aus den Federtöpfen.
 

Lächeln für Garage2CV: Jean-Martin Folz posierte für uns auch am Steuer der Ente von 1966.

Vom Berliet-Bus über zeitgenössische Dreiräder bis zu tausenden von Automodellen: Hier kam jeder auf seine Kosten.
 
Von Jan Eggermann, 2002
 

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