Architektonische Relikte der Bremer Borgward-Gruppe

 
banner borgward reste in bremenBorgward in Bremen
Sind Sie in Bremen? Dann besuchen Sie Borgward! So stand es zu Werbezwecken auf Bremer Falck-Stadtplänen. Mancher Borgward-Eigner machte vom Angebot gerne Gebrauch und stattete dem Borgward-Werk in Bremen Sebaldsbrück einen Besuch ab, holte bei dieser Gelegenheit sogar seinen Neuwagen ab. Heute ist das nicht mehr möglich, Borgward endete bekanntlich Anfang der Sechziger. Immerhin gibt es aber architektonische Spuren des einstigen Automobilkonzerns, die einen Besuch auch im Jahre 2014 lohnenswert machen.
 

Standorte der ehemaligen Borgward-, Goliath- und Lloyd-Standorte in Bremen. Bild: Garage 2CV

Aus den Bremer Straßen sind die Autos des Carl F.W. Borgward schon vor Jahrzehnten verschwunden. Nach und nach sind auch viele der noch vorhandenen architektonischen Relikte der Borgward-Werke aus dem Stadtbild Bremens verschwunden. Vielleicht wird man sich erst dann auf den industriehistorischen Wert der Borgward-Hinterlassenschaften besinnen, wenn auch die letzte Werkshalle gefallen ist?  Nachdem ein Großteil der Lloyd Motoren Werke in den achtziger Jahren einem Supermarkt weichen musste, fiel 1994 das ehemalige Lloyd-Ersatzteilwerk der Abrißbirne zum Opfer, vorhanden ist allerdings noch die weiterhin genutzte Hauprverwaltung mit zwei Werkshallen.
 

Besuchen Sie Borgward!

Besuchen Sie Borgward! Werbung auf einem Falck-Stadtplan. Bild: Archiv Garage 2CV

Beklagenswert ist vor allem der 1998 erfolgte Abriß eines großen Teils der architektonisch durchaus erhaltenswerten Goliath Werke in Bremen Hastedt. In einem erst 1999 veröffentlichten Brief des Bremer Landesamtes für Denkmalpflege hieß es dazu, man teile die Auffassung, dass es sich insbesondere bei der Motorenhalle und der viertelkreisartig geschwungenen Rundhalle – beide in den 30 Jahren von dem bedeutenden Architekten Rudolf Lodders entworfen – um Baudenkmale in industriegeschichtlicher Hinsicht handele. Bremen hat jetzt trotzdem ein Einkaufszentrum auf dem Gelände. Immerhin ist aber das einstige Hauptgebäude des Goliath-Werkes in einem guten Zustand, vor Jahren ist sogar ein Goliath-Schriftzug an exponierter Stelle angebracht worden.
 
Was bleibt also ? Etliche Fabrikationsgebäude in Bremen Hastedt, Neustadt und Sebaldsbrück, manche davon vielfältig genutzt, wenige sogar noch industriell. Vor allem aber die Erinnerung an einen Konzern, der heute wie kein zweiter für den Mythos des bundesdeutschen Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit steht.
 

Das Verwaltungsgebäude der Carl F.W. Borgward Automobilwerke in Bremen-Sebaldbrück.

Das Verwaltungsgebäude der Carl F.W. Borgward Automobilwerke in Bremen-Sebaldbrück, ca. 1950.


Das Borgward-Stammwerk in Bremen-Sebaldsbrück
Eingeweiht im Jahre 1938 wurden im Stammwerk Bremen-Sebaldsbrück alle Borgward-Personenwagen gefertigt. Bis 1960 entstanden auf dem weitläufigen und 1938 durch Borgward bezogenen Areal viele Neu- und Erweiterungsbauten, die dem Neuaufbau, aber auch dem Anwachsen der Fahrzeugproduktion Rechnung trugen. Fast alle Gebäude wurden vom Hamburger Architekt Rudolf Lodders entworfen, der Borgwards Hausarchitekt war.

An der Pförtnerei vorbei geht 1960 der Blick auf das bekannte Borgward-Hauptgebäude. Kleines Bild: Ähnliche Perspektive 1990. Beide Gebäude gehören noch zum Bestand. Bilder: Lodders / Jan Eggermann / Archiv Garage 2CV

An der Pförtnerei vorbei geht 1960 der Blick auf das bekannte Borgward-Hauptgebäude. Kleines Bild: Ähnliche Perspektive 1990. Beide Gebäude gehören noch zum Bestand. Bilder: Lodders / Jan Eggermann / Archiv Garage 2CV

Unmittelbar nach Abwicklung der Borgward-Gruppe übernahm zunächst Hanomag Teile der Werke in der Sebaldsbrücker Heerstraße, später ging ein Großteil des Areals an Daimler-Benz. Das Unternehmen betreibt am stark erweiterten Standort noch heute eine Automobilproduktion und hat zu diesem Zweck alles an moderne Bedürfnisse angepasst. Ein kleinerer Teil des Areals – darunter das ehemalige Borgward-Verwaltungsgebäude – ging an das Unternehmen Atlas.

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Im Jahr der Eröffnung des Sebaldsbrücker Werke 1938: Ein Blick auf die Hansa-Fertigung unterhalb des 240 Meter langen Besucherlaufstegs in Halle 1. Bild: Lodders / Archiv Garage 2CV

Aus Borgward-Tagen sind sowohl bei Daimler-Benz, als auch bei Atlas noch etliche Relikte erhalten geblieben, so etwa Werkshallen in ihrem Grundbestand, die ehemalige Pförtnerei, das heute etwas verloren wirkende Borgward-Verwaltungsgebäude, und sogar Teile der 1938 angelegten Pappelallee.

Helle Klinkerfassaden gehörten zu den Markenzeichen von Architekt Rudolf Lodders. Im Bild die Erprobungswerkstätten in Bremen-Sebaldsbrück um 1960. Bild: Lodders / Archiv Garage 2CV

Anläßlich eines Borgward-Welttreffens zum  einhundertsten Geburtstag von Carl F.W. Borgward wurde 1990 ein Gedenkstein errichtet. Er befindet sich auf der anderen Seite der Sebaldsbrücker Heerstraße, etwa gegenüber der ehemaligen Pförtnerei.

 

Das Goliath-Haus ist das einstige Hauptgebäude des Goliath-Werkes und befindet sich in einem guten Zustand, inkl. des Dachappartements von Carl Borgward aus unmittelbarer Nachkriegszeit. Bild: Jan Eggermann / Archiv Garage 2CV

Das Goliath-Haus ist das einstige Hauptgebäude des Goliath-Werkes und befindet sich in einem guten Zustand, auf dem Dach noch das Appartement von Carl F.W. Borgward aus unmittelbarer Nachkriegszeit. Bild: Jan Eggermann / Archiv Garage 2CV

Das Goliath-Werk in Hastedt
Das Areal des Dreiradwerkes mit seinen sehr charakteristischen Gebäuden befand sich noch bis 1998 in seinem originalen Nachkriegszustand. Von den Standorten der Borgward-Gruppe war das am Hastedter Osterdeich gelegene Werk das traditionsreichste, hier liegen quasi die Wurzeln bremischen Automobilbaus: Bevor Borgward die Gebäude 1928 übernahm, waren hier schon seit 1908 von der NAMAG (Norddeutsche Automobil- und Motoren-Actien-Gesellschaft Kraftfahrzeuge produziert worden. Nach einer Fusion mit den Hansa-Werken aus Varel unter dem Markennamen Hansa-Lloyd. Nach dem zweiten Weltkrieg war neben dem Goliath-Werk zunächst auch die Lloyd Maschinenfabrik hier untergebracht, zwischenzeitlich residierte auch Carl Borgward in Dachbungalow des heutigen Goliath-Hauses, dem architektonischen Erkennungszeichen des Goliath-Werkes. Oben links das heute noch erhaltene und vor einigen Jahren mustergültig sanierte „Goliath-Haus“. Es beherbergte das Ersatzteilwerk und dient heute kleinen Unternehmen. Unten links das 1998 zugunsten eines Supermarktes abgerissene „zweite“ architektonische Markenzeichen des Goliath-Werkes: der „Rundbau“ im Jahre 1951, hinten das „Goliath-Haus“. Rechts daneben ein Blick vorbei an den mittlerweile abgerissenen Hallen 14, 15, 18 im Jahre 1990. Gut erkennbar ist damals auch noch der Gleisanschluß des Goliath-Werkes.

 

Die Borgward-Verkaufsgesellschaft in Hastedt
In der Hastedter Föhrenstraße und somit in fast umittelbarer Nähe zum Goliath-Werk befand sich bis ins Jahr 1961 die Borgward-Verkaufsgesellschaft. Wer wollte, konnte hier konnte seinen Borgward direkt vom Hersteller kaufen. Die Architektur des Empfangs- und Hauptgebäudes war unverkennbar an die verglaste Fassade der Borgward-Hauptverwaltung angelehnt. Nach dem Konkurs ging der Gebäudekomplex an einen Ford-Händler, der das Gebäude auch heute noch nutzt und aus historischen Gründen nichts wesentliches an der Fassade geändert hat. Abgesehen von der zwischenzeitlich abgerissenen Tankstelle und dem fehlenden Borgward-Schriftzug hat das Gebäude bis heute in seinem Originalzustand überlebt. Eine schöne Erinnerung an die Borgward-Zeit !

Hauptportal und Verwaltungsgebäude der ehemaligen Lloyd Motoren Werke in der Bremer Richard-Dunkel-Straße im Jahre 2010. Bild: Jan Eggermann / Archiv Garage 2CV

Hauptportal und Verwaltungsgebäude der ehemaligen Lloyd Motoren Werke in der Bremer Richard-Dunkel-Straße im Jahre 2010. Bild: Jan Eggermann / Archiv Garage 2CV

Bremer Neustadt:
Die Lloyd Motoren Werke
Mit wachsendem Erfolg von Lloyd wurde die zunächst provisorisch auf dem Goliath-Werksgelände laufende Produktion im Januar 1951 auf das im Westen von Bremen gelegene Werk der ehemaligen Franke-Werke verlegt. Lloyd rangierte Mitte der fünfziger Jahre zeitweise auf Platz 3 der bundesdeutschen Zulassungsstatistik (hinter Volkswagen und Opel) und das Werk wurde dementsprechend ständig erweitert. Bis 1960 entstanden hier nach und nach immer neue Werkshallen, es gab sogar eine kleine Teststrecke mit künstlichen Steigungen und Hindernissen.
Nach der Borgward-Pleite 1961 übernahm Siemens Gebäude und Grundstücke. Ein Teil des Areals konnte noch bis 1963 zur Montage der Arabella weitergenutzt werden.

Die Lloyd Motoren Werke im Jahr 1960. Bild: Archiv Garage 2CV

Daneben residierten die aus der Konkursmasse hervorgegangenen Lloyd Motoren Werke noch bis 1989 im 1960 errichteten Ersatzteilwerk, dies zunächst als Ersatzteillieferant für alle Fahrzeuge der Borgward-Gruppe, später dann auch für Glas und Goggomobile, als Hersteller für Spezialmotoren und zuletzt als Handelsbetrieb für KFZ-Teile. Nach Aufgabe des Reststandortes (dem Radio Bremen 1986 eine TV-Dokumentation widmete) wich ausgerechnet der „modernere“ Teil des Werksareals inkl. der Teststrecke einem Einkaufszentrum und Parkplätzen, zuletzt wurde 1993/94 das ehemalige Ersatzteilwerk abgerissen.


Im östlichen Teil des Werksgeländes stehen noch die alten Lloyd-Hallen. Die letzte Arabella wurde 1963 in der im Hintergrund zu sehenden Halle montiert. Bild: Jan Eggermann / Archiv Garage 2CV  Im östlichen Teil des Werksgeländes stehen noch die alten Lloyd-Gebäude. Die letzte Arabella verließ 1963 die im Hintergrund zu sehende Halle. Bild: Jan Eggermann / Archiv Garage 2CV[/caption]
lloyd motoren werke bremen 02Heute stehen nur noch die jahrzehntelang von Siemens und Mdexx genutzten Hallen im östlichen Teil des Werkes, darunter auch das architektonisch durch seine Kraftfahrzeugdurchfahrt auffällige, ehemalige Verwaltungsgebäude. Aktuell scheint das ehemalige Verwaltungsgebäude derLloyd Motoren Werke einer neuen Verwendung entgegen zu sehen, lesen Sie hierzu Rückblick: Die Arabella wird noch gebaut.

 


Borgward-Leichtmetallwerk in Uphusen
Südöstlich von Uphusen am Rande der Landstrasse in Richtung Hannover liegt das ehemalige Borgward-Leichtmetallwerk, dass die Zeit fast unverändert überstanden hat.
 
Von Jan Eggermann, 2001 / 2014
 
borgward literatur bei garage2cv
 
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