Quai André Citroën: Der alte Stammsitz von Javel

 

Robert Sabatier hat es einmal auf den Punkt gebracht: Er erkenne das 15. Arrondissement nicht wieder. Das alte Paris habe Riesenbauten Platz machen müssen, so der Schriftsteller aus der Seine-Metropole. Und tatsächlich ist es gerade dieses Arrondissement im Südwesten der Stadt, dass sein Gesicht in den letzten Jahren radikal verändert hat. Das „Fünfzehnte“ war seit den Gründertagen im 1. Weltkrieg Hauptsitz der Citroën-Werke. Von den ersten A-Modellen des Jahres 1919 über die legendären Traction Avant, die D-Modelle bis hin zu den Transportern (hier sei nur die H-Reihe genannt) lief hier im Schatten des Eiffelturm ein Großteil der Citroën-Produktion vom Band. Schon aufgrund der beachtlichen Dimensionen des Werkes (hinzu kam das in unmittelbarer Nähe gelegene Werk Gutenberg) ist es naheliegend, dass Citroën diesem Stadtbezirk wie keinem zweiten in Paris seinen Stempel aufgedrückt hat, was die Stadtverwaltung des vorherigen Quai de Javel in „Quai André Javel“ im Jahre 1958 noch zusätzlich betonte.

Historische Citroen WerbungDamals produzierte Citroën quasi sämtliche Fahrzeuge im Raum Paris, spätestens seit Ende der sechziger Jahre deutete sich jedoch der langsame Rückzug der Marke aus dem 15. Arrondissement (und damit aus dem städtischen Kerngebiet von Paris innerhalb der Peripherique) an. Vor den Toren der Stadt entstand damals mit Aulnay-sous-bois Europas modernstes Automobilwerk. Daraufhin verließ 1975 ein letztes Exemplar der D-Reihe das Stammwerk am Quai de Javel. Bis 1982 läuft noch die Fertigung des Kleinlasters H weiter und auch die Citroën-Verwaltung ist noch hier untergebracht. Dann allerdings rücken Abrißkolonnen an und machen das gesamte Werksgelände dem Erdboden gleich. Anstelle des Werkes wachsen schell Büro- und Wohngebäude in den Himmel, im Kern etsteht allerdings der 1992 eröffnete Parc André Citroën.
 
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parc andre citroenMit postmoderner Gestaltung spielt er in abstrakter Form auf die früheren Citroënwerke an. Am eindrucksvollsten sind neben den ausgedehnten Wasserflächen die verglasten Gewächshäuser am östlichen Ende, die an die große Eingangshalle des historischen Werkes erinnern. Unbedingt empfehlenswert ist eine Höhenfahrt im Heißluftballon, der in den Sommermonaten im Zentrum des Parks aufsteigt (von oben das Bodenrelief am Parkausgang Richtung Seine beachten!). Wer mag, kann sich im Eingangsbereich des Parkhauses „Citroën Cevennes“ am südlichen Ende der Parkanlage mit Kaffee (aus einem Citroën H) versorgen, und sollte bei dieser Gelegenheit auch André Citroën einen Besuch abstatten. Seine Büste begrüßt – geschützt vor Wind und Wetter – Parkbesucher und Benutzer der Tiefgarage.
 
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Blick zurück: Die Büste des André Citroën blickte in der Anfangszeit des Parks noch auf sein altes, entkerntes Werksgelände. Außerdem sorgte am Rande des Parks das Bistro „L´As de Trefle“ mit Anklängen an die gute alte Citroën-Zeit für unübersehbaren Doppelwinkelflair. Heutzutage sollte man unbedingt noch ein paar Schritte weiter in die Rue Balard/Rue Saint Charles gehen …
 
Stand: 15. Februar 2015
 

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