Orientalische Ferien im Citroën 2CV

Orientalische Ferien im Citroen 2CV

Orientalische Ferien im Citroen 2CV

Keine zwei Schritte vom Bahnhof Saint-Lazare findet sich ein Restaurant das folgende Besonderheit aufzuweisen hat: Hier können sie ihre Bifteck-frites in indischen Rupien, in jugoslawischen Dinar, in U.S. Dollar, in irakischen, lybischen oder britischen Pfund bezahlen. Der Eigentümer des Restaurants – Bernard Durand-Dastès – hatte natürlich vor, das eingenommene Geld auch irgendwann einmal benutzen zu können. Für ihn sollte es die größte Aufgabe seines Lebens werden: Die Tour du Monde im Automobil!

Monsieur Durand-Dastès war mit seinem 2CV schon auf vielen europäischen Strassen unterwegs und brauchte dafür keine größeren finanziellen Aufwendungen zu machen; er trat so den Beweis an, dass große Reisen für jeden möglich sind. Ob für Müller oder Meier: All jene Durchschnittsbürger brauchen keine Millionäre zu sein um auch die entferntesten Stellen dieser Welt zu entdecken! Es kommt eben vor allem darauf an, dass man seine Reise gut vorbereitet und sich eine wirtschaftliche Ausrüstung zulegt.

Reisen sind mehr als Geografiestunden. Und ein Kinderspiel sind sie auch nicht. Sie verwandeln einen kleinen Pariser Restaurantbesitzer in einen stolzen Gelehrten über Zollbestimmungen, in einen Polyglotten, einen verschmitzten Reiseberichterstatter und einen erfahrenen Mechaniker. Von beschichteten Schrauben eines 2CV über die Pläne eines Ramses bis hin zu den Pharaonen der 23. Dynastie: Es sind keine Geheimnisse mehr für Bernard Durand-Dastès!

Wir haben vor einiger Zeit schon über die Reise des Monsieur Durand und seiner jungen Frau im 2CV bis in den hohen Norden berichtet. In diesem Jahr sind sie in den vorderen Orient gestartet um dort ihren Urlaub zu verbringen. An Bord ihres neuen 2CV: ein blaues Exemplar mit weißem Dach gegen die Sonne, speziellen Filtern gegen den Sand, einem Unterfahrschutz gegen Steinschlag usw. Die auf der Motorhaube angebrachten Plaketten verraten übrigens viel über die Passion seines Besitzers lange Wege zurückzulegen!

Tag der großen Abfahrt war der gute alte 14. Juli. Ein feuchter 14. Juli des Jahres 1959 an dem man durchnässt auf den Trottoirs tanzte. Der 2CV jedoch verließ die Nässe mit Kurs auf die großen arabischen Wüsten wo es 60 Grad im Schatten heiß ist. Wo es aber keinen Schatten gibt! Fünf Tage hinter den Toren von Paris erreichte man die Pforten des Orients: jenseits der Mauern von Istanbul wartete das türkische Leben. Das Abenteuer begann!

Das Abenteuer? Mit großem A? Aber ja. Es ist doch so, dass noch nicht alle legendären Plätze dieser Welt von den Reiseveranstaltern „touristifiziert“ sind. Diese sprechen natürlich von Abenteuern, aber es sind dies Abenteuer mit vorproduzierten Erlebnissen. Doch es gibt noch diese Art von Menschen, die ihr Fernweh gegen alle gegen alle und alles stillen. Es sind all jene, die es wie Bernard Durand-Dastès ausdrücken:

Tod oder lebendig: Ich werde fahren! Und er fuhr. Mit einem Auto dass nicht teuer war, mit etwas Geld aber den Taschen voller Reisevisa. Der Reisekoffer war gefüllt mit Konserven und Ersatzteilen, die natürlich nicht überall gleich verfügbar sind! Der Reiseplan war seit langem in den Fluren vieler Botschaften in Paris entstanden: Schweiz, Italien, Yugoslawien, Griechenland, Türkei, Iran, Irak, Jordanien, Ägypten und die Rückkehr über Spanien und den Süden Frankreichs. Um alles festzuhalten war Bernard Durand-Dastès mit einer Fotoausrüstung ausgestattet, und erstmals drehte er auch in 8mm-Schmalfilm!

Moschee in Bagdad mit 2CV

Moschee in Bagdad mit 2CV.

Moschee in Bagdad Foto: Citroen 1960

Als er seine „Viertelweltreise“ nach 54 Tagen, 18.000 Kilometern und 18 Ländern hinter sich bebracht hatte, war er sehr glücklich Paris wiederzusehen, jedoch von einem Wunsch beseelt: Wieder zu starten, bald wieder aufzubrechen!

– Und wohin wollen sie nun?
– Nach Schwarzafrika im nächsten Januar
– Mit dem gleichen Citroën 2CV?
– Wahrscheinlich.

Er hat erst 30.000 Kilometer hinter sich, ist gerade erst eingefahren und vollgestopft mit Zubehör im Wert von 200.000 alten Franc und sieht noch aus wie neu!

Monsieur Durand-Dastès wird seine Weltreise in kleinen Stücken fortsetzen. Im kleinen Auto und mit kleinen Mitteln. Auch eine Art, Ziele ohne große Anstrengungen zu erreichen!

Aus Bulletin Citroën vom November 1960 / Übersetzung von Jan Eggermann für garage2cv, 2000.

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