Minol ist wieder da: Total belebt alten Markennamen

Angst um Namensrechte läßt Minol aufleben
Unverhofftes Wiedersehen

Als garage2cv.de vor ein paar Monaten die Geschichte einer Portugalente erzählte, und dafür eine ganze Reihe von Fotos aus dem Leben des Zweizylinders gesichtet werden mussten, erschien ein Bild besonders geeignet, die bisherigen Jahre des Autos zu illustrieren, denn es zeigt die Ente an einer Minol-Tankstelle nahe des thüringischen Eisenach. Aufgenommen wurde das Bild irgendwann im Jahre 1996. Damals war das Verschwinden des Markennamens Minol bereits beschlossene Sache, die Umstellung der Tankstellen auf die Farben der französischen Elf in vollem Gange. Am 12. Oktober 2000, Punkt 10 Uhr, wurde an der Autobahntankstelle Michendorf südwestlich von Berlin das letzte rosa M auf gelbem Grund abgenommen und somit das Ende der traditionsreichen Minol besiegelt.


Totgesagte leben manchmal wirklich länger.

Minol? Als einstiges DDR-Staatsunternehmen nahm Minol am Anfang der neunziger Jahre in den neuen Bundesländern eine marktbeherrschende Stellung ein. Für einen kurzen Moment sah es in jenen Tagen der Jahre 1990/91 so aus, als könne sich Minol auch auf dem gesamtdeutschen Markt etablieren. Dabei helfen sollten punktuell Partner aus dem Westen (Minol eröffnete beispielsweise in Berlin Tankstellen in Zusammenarbeit mit Aral und Agip) und vor allem ein neues Design, das mit seinem „M“ in Pink auf gelbem kreisrunden Grund an die Formensprache der fünfziger Jahre erinnerte.

Es kam jedoch anders. Im Zuge der Privatisierung des einstigen „Volkseigentums“ durch die Treuhandanstalt wurde Minol und die dazugehörige Raffinerie Leuna an den französischen Konzern elf-Aquitaine verkauft. Vor allem wirtschaftspolitisch blieb die Übernahme durch die damalige französische Nummer eins in Sachen Mineralöl umstritten. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre folgte dann die schrittweise Umstellung der verbliebenen Minol-Tankstellen auf die Marke elf. Unabhängig davon sollte die um die Übernahmebedingungen ins Rollen gebrachte Leuna-Elf-Affäre französische Gerichte (und vor allem die deutsche Presse) noch Jahre später beschäftigen.


Das aktuelle Logo entspricht der Version ab 1991 (oben) während das elf-Minol-Logo,
das ab 1994 Verwendung fand, nun schon wieder Geschichte ist.

Unterdessen bahnte sich mit der Fusion der belgischen Petrofina und der französischen Total eine Entwicklung an, die 1999 in einer Übernahmeschlacht zwischen TotalFina und elf-Aquitaine gipfelte. So erschienen wochenlang in allen wichtigen französischen Tageszeitungen und Magazinen verlockende Angebote für Aktienbesitzer der beiden Mineralölmarken. Am Ende zog das eigentlich wirtschaftlich stärkere Unternehmen elf den Kürzeren und wurde von Totalfina „feindlich“ übernommen. Im Mai 2003 fiel dann letztlich die Entscheidung aus „TotalFinaElf“ auch nach aussen hin die einheitliche Marke Total zu schaffen. Sämtliche verbliebenen elf- und Fina-Tankstellen werden seitdem in Deutschland auf das neue Total-Design umgestellt. Lediglich einige Fina-Standorte in Belgien und wenige elf-Tankstellen in Frankreich werden vorläufig ihren ursprünglichen Namen behalten. An die einstige Tankstellenmarke Minol dachte Anfang 2003 kaum noch jemand. Ein letzter namentlicher Rest der einstigen Minol AG – das 1991 mit der bayerischen Firma Tyczka gegründete Joint-Venture Tyczka-Minol im Bereich des Flüssiggasvertriebs – entfiel zugunsten der neuen Bezeichnung Totalgaz.

Auch deshalb völlig überraschend ließ Total Mitte Dezember 2003 eine kleine Station im sächsischen Chemnitz wieder auf die verblichene Marke Minol umrüsten. Anläßlich des medienwirksam inszenierten Wiedersehens mit der erstmals 1949 erwähnten Marke Minol erklärte ein Unternehmenssprecher, Total wolle sich zu seinen Wurzeln in Ostdeutschland bekennen. Minol sei das Total-Erbe in Ostdeutschland. Ostalgie als Triebfeder einer Minol- Renaisance in der Chemnitzer Neefestraße? Wohl kaum.

Tatsächlich hat Total – immerhin viertgrößtes Unternehmen des hiesigen Tankstellenmarktes – noch immer mit seiner fehlenden Markenbekanntheit in Deutschland zu kämpfen, wie unlängst Thierry Pfimlin, Geschäftsführer der neuen Total Deutschland, beklagte.
In der Tat – so schrieb es eine große Zeitung vor einigen Tagen – sehe der spritsuchende Autofahrer fast nur noch „rot“ und vermöge im Marken-Wirrwarr kaum noch zu unterscheiden, bei wem er eigentlich tanke. Kontraproduktiv in Zeiten auch dank Rabatt- und Punktesystemen wieder wachsender Markenbindung bei den großen Tankstellenketten. In einer solchen Situation sei der Verlust des gerade in Ostdeutschland klangvollen Namens Minol an einen Mitbewerber mehr als fatal. Und ein solcher Verlust drohte nach Auffassung von Total Deutschland. Denn Namensrechte könnten von Dritten beansprucht werden, wenn der Name fünf Jahre lang nicht in dem zu ihm gehörenden Geschäftsfeld genutzt würde. „Die Marke Minol lassen wir uns von niemandem nehmen“, hieß es während der Tankstelleneröffnung. Nicht festlegen wollte man sich hinsichtlich weiterer Umstellungen auf Minol. Vorerst denke man an zwei bis drei Stationen. Im Dezember 2003 bewahrheitet sich die Weisheit, dass Totgesagte länger leben. Minol ist wieder da!

Von Jan Eggermann


Minol – Hauptsache Benzin

Die Berliner Journalistin Steffi Schweizer nahm sich der Minol-Geschichte an und präsentierte 2003 ein Buch zum Thema, das es in sich hat!
Minol – Hauptsache Benzin schildert auf weit über 200 Seiten detailliert die einhundertjährige Geschichte des Tankstellenwesens auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.
Es finden sich unzählige sehenswerte Aufnahmen. Leider zur Zeit nicht mehr lieferbar.



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