Seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts sind die Figuren Tim und Struppi internationale
Stars der Comicszene. Zusammen mit dem urwüchsigen Kapitän Haddock - später in Begleitung
des stets zerstreuten Professor Bienlein - gingen die beiden in 23 Geschichten auf Reisen.
Dabei ließen sie Millionen von Lesern an ihren nicht ungefährlichen Abenteuern teilhaben.
Und schrieben später sogar ein Stück Citroën-Werbegeschichte!



Tintin-Mania: Prospekte von Citroën!

 

Schöpfer der Figuren war der aus Brüssel stammende Zeichner Hergé, der durch seinen neuartigen
Zeichenstil - die "Ligne Claire" - zu Weltruhm gelangte. Doch vor allem waren es natürlich seine in praktisch
alle Sprachen der Welt übersetzten Geschichten, die "Tintin" - wie Tim in seiner französischen Muttersprache
genannt wird - in Belgien und Frankreich zum Nationalheiligtum werden ließen. 
Im Mittelpunkt der Geschichten stand stets der Kampf des Guten gegen das Böse: Reporter Tim gegen
Geldfälscher und Diktatoren, Schmuggler und andere Bösewichte jed weder Couleur. Hergé verstand es
darübe hinaus wie kein Zweiter seine Leser an den sich überschlagenden technischen Entwicklungen des
20. Jahrhunderts teilhaben zu lassen.


 
           

Bereiste Tim mit Hund Struppi die Welt zunächst per Eisenbahn und Schiff, kamen später entsprechend
zeitgenössische Auto und Flugzeug. Lange bevor der erste reale Mensch diesen Schritt tat brachte ihn
1953 eine Weltraumrakete gar auf den Mond.
Doch Tim´s Reisen fanden im Jahre 1983 ein jähes Ende: Quasi inmitten eines neuen Abenteuers auf
den Spuren einer internationalen Kunstfälscherbande starb Hergé.
Der unvollendete Band "Tim und die Alphakunst" wurde aus Rücksicht auf den Willen Hergé´s nicht
mehr vervollständigt und ist bis heute nur in einer abrupt endenden Rohfassung zu bekommen.

 
Ligne-Claire: Anleihen an Hergé 1993 und 1995.

Stets begannen die Abenteuer von Tim und Struppi in der belgischen Hauptstadt Brüssel.
Fast selbstverständlich also, dass in den Geschichten immer wieder auch Citroën-Fahrzeuge
auftauchen (einst gab es in Forest - etwas südlich von Brüssel - sogar ein eigenes Citroën
Werk!).

Unvergessen die beiden Kriminalbeamten Schulz und Schultz die mit ihrer Ente, die beim
Bremsen so in die Federn hüpft, dass die beiden mitsamt ihren typischen
Kopfbedeckungen
fast aus dem Dach geschleuert werden
. Entscheidend für den Erfolg der Comics ist sicher die
große Detailtreue, mit der Hergé seine Figuren in Szene setzt. Beispielhaft dafür die gerade
angesprochene Ente: "Sie" stammt aus belgischer Produktion (Citroën betreibt damals noch
ein Montagewerk in Forest, etwas südlich von Brüssel
), und unterscheidet genau wie ihre realen
Vorbilder erheblich von der Pariser Produktion: Hergé hat offensichtlich einen scharfen
Blick für Details, denn er stellt jede einzelne Abweichung auch in seinen Geschichten auf
und setzt damit auch den alten Citroën aus Belgien unfreiwillig ein Denkmal!t
Unvergessen auch der ami6 des Docteur Lanterne im Abenteuer "Les Bijoux de la Castafiore",
ebenfalls ein Fahrzeug aus Forest...
Unübertroffen und ganz nah am Spannungsbogen damaliger Kriminalfilme: Die syldavischen
Agenten im schwarzen Citroën 15CV, die Tim und Kapitän Haddock in der "Affaire Tournesol"
auf der Küstenstraße zwischen Nyon und Genf das Leben schwer machen.





Quelle: Citroën Kalender 1985
1985: Citroën-Kalender mit den Hergé-Figuren!

Nicht weniger interessant als die Originalgeschichten sind die Hergé-Werbeveröffentlichungen der
Marke Citroën. So sind in Frankreich Comics viel stärker als in Deutschland Teil der Alltagskultur.
Und wie viele andere bekannte Marken bediente sich auch Citroën immer wieder bekannten Comicfiguren
zur Werbung. Die Zusammenarbeit mit Hergé begann schon in den fünfziger und sechziger Jahren mit
sporadischen Werbeauftritten von Tim und Struppi. Doch der wirkliche Durchbruch kam Ende der siebziger
Jahre: Eine Kampagne für die Modelle Modelle GS und LN bereitete den Auftakt zu einer überaus erfolg-
reichen Zusammenarbeit zwischen Citroën und Hergé, die bis weit in die neunziger Jahre hinein fortgesetzt
wurde.

Mitte der achtziger Jahre erreichte die Tintin-Mania à la Citroën ihren Höhepunkt: Sage und schreibe vier als
Tim und Struppi-Geschichten aufgemachte Prospekte zur Ente vereinten werbewirksam die beiden
Evergreens aus Autobau und Comicwelt! Die "Aventures de la 2CV" erschienen in Frankreich, Belgien, Groß-
britannien, den Niederlanden, Italien, der Schweiz und Österreich. In die jeweiligen Landessprachen
übersetzt hatten Tim, Haddock und Struppi neben Expeditionen in wenig einladende Umgebungen auch
eine Reise zum Mond zu absolvieren. Und die stets als Transportmittel eingesetzte Ente leistete natürlich
zuverlässige Dienste. Warum Deutschland eine Ausnahme bildete erscheint unverständlich:
So verzichtete man hierzulande zugunsten einer weit konventionelleren Kampagne auf den Einsatz
der Belgier! Doch anderswo ging es weiter: Aufgrund des Erfolges der Entenwerbung erschien im
Jahre 1985 der offizielle Citroën-Kalender mit Hergé-Motiven. Und 1988 wurden über das französische
Citroën-Händlernetz Tausende von Exemplaren des Bandes "Tintin au Tibet" an die Kundschaft verteilt.
Sie trugen ein Streifband mit der Aufschrift "AX88 - Citroën bedankt sich für ihren Besuch". 


Croisiere Jaune mit Tim und Struppi !

Als Anfang der neunziger Jahre die Rallye Paris - Moskau - Peking Citroën ZX-Fahrzeuge zum
Zielpunkt der legendären Croisiere Jaune führte, gab es "Le Lotus Bleu" als Give-away von der
französischen Händlerschaft. Diesmal versehen mit einem eingelegten Blatt, das Tim neben einem
Citroën-Raupenfahrzeug zeigte. Es sollte der vorerst letzte Einsatz des stets Boxhosen tragenden
Reporters für Citroën sein. 

Eine Plakatserie zu den Citroën-Rallyesiegen 1993 und 1995 wies zwar unverkennbare Anleihen an
Hergé´s Ligne Claire auf, zeigte aber die Figuren nicht mehr. Doch angesichts der großen Popularität
von Comics in Frankreich bedient sich Citroën dort nach wie vor bekannter Figuren zur Produktwerbung.
Jüngstes Beispiel die "Blake et Mortimer"-Kampagne vom Herbst 2000. 

Und vielleicht gehen irgendwann auch Tim und Struppi wieder für Citroën auf große Fahrt.
Bis dahin heißt es vorlieb nehmen mit den bisher erschienenen Werbemitteln, die sich in
Sammlerkreisen zu hoch bezahlten Raritäten entwickelt haben.

Ausschnitte aus den bisher erschienenen Entenprospekten:

Die Abenteuer des 2CV

Die Abenteuer des 2CV und der Gespenstergrotte



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15.07.2015