Die Reste der Borgward-Werke in Bremen
von Jan Eggermann
Aus den Bremer Strassen sind die Autos des Carl F.W.Borgward
schon vor Jahrzehnten verschwunden. Nach und nach verschwinden
nun als letzter Akt des Trauerspiels auch die letzten baulichen Reste
der Borgward-Werke aus dem Stadtbild Bremens. Doch erst wenn auch
das letzte Fabrikationsgebäude der Abrißbirne zum Opfer gefallen ist,
wird man sich in Bremen an seine Verpflichtung gegenüber der Vergangenheit
erinnern. Vermutlich wird es bis dahin nicht mehr lange dauern.
Nachdem schon Anfang der achtziger Jahre ein Großteil der ehemaligen
Lloyd-Motoren Werke einem Supermarkt weichen musste, fiel 1994 auch
das ehemalige Lloyd-Ersatzteilwerk. Ein Gebäude, dass in gewisser Weise
nicht nur stellvertretend für die Geschichte der Borgward-Gruppe stand,
sondern auch ein typischer Ausdruck der neueren Borgward-Firmenarchitektur
war.
Das wie eine Vielzahl von Borgward-Gebäuden vom Hamburger Architekt
Rudolf Lodders entworfene Ersatzteilwerk war 1959/60 der letzte Neubau
in Bremen gewesen, und wies schon durch seine beachtlichen Ausmaße in
Richtung Expansion. Nach dem Zusammenbruch der Borgward-Gruppe fand
sich noch bis 1989 ein kleiner unter dem Namen "Lloyd Motoren Werke"
firmierender Restbetrieb in einem kleinen Teil der ansonsten völlig
leerstehenden Halle.

Vor der über 200 Meter langen Halle 4 sind im Jahre 1953 etliche Lloyd LT 500 abgestellt!


Blicke auf das Lloyd Werksgelände. Die vordere Halle beherbergte noch bis 1989
den Restbetrieb der Lloyd Motoren Werke. Heute steht keines der abgebildeten
Gebäude mehr!

1963 verließ die letzte Borgward Arabella das Bremer Lloyd-Werk in der
Richard-Dunkel-Strasse. Danach schlossen sich die Tore für immer.
Im Jahr 2000 scheint alles im Dornröschenschlaf zu liegen.

Die Zentrale des
Borgward-Imperiums im Jahre 1950.

Borgward Isabella so weit das Auge reicht! In der Halle 5 in Sebaldsbrück waren
die Entwicklungswerkstätten und Prüfstände untergebracht!

Einst und jetzt: Pförtnerhaus in Bremen-Sebaldsbrück 1956 und 1990


Hansa-Fahrzeuge unterhalb des 240 Meter langen Besucherlaufstegs in Halle 1, 1936.

Der ehemalige Borgward-Verkauf in der Föhrenstraße.
Im Bild unten der Zustand Anfang 2000: Der nach dem Borgward-Konkurs
eingezogene Ford-Händler beließ das in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen
Goliath-Werk gelegene Gebäude im Originalzustand.



Das Goliath-Werksgelände befand sich noch bis 1998 in seinem originalen
Nachkriegszustand. Oben links das heute noch erhaltene und vor einigen Jahren
mustergültig sanierte "Goliath-Haus". Es beherbergte das Ersatzteilwerk.
Oben rechts das Gebäude kurz nach dem Wiederaufbau. Unten links das
architektonische Markenzeichen des Goliath-Werkes: der "Rundbau"
im Jahre 1951. Rechts ein Blick vorbei an den mittlerweile abgerissenen
Hallen 14, 15, 18. Im Hintergrund der "Rundbau".
Noch 1998 entledigte man sich eines Großteils der Goliath Werke per Abrißbirne.
In einem 1999 veröffentlichten Brief des Bremer Landesamtes für Denkmalpflege
hieß es dazu, man teile die Auffassung, dass es sich insbesondere bei der
Motorenhalle und der viertelkreisartig geschwungenen Rundhalle - beide in
den 30 Jahren von dem bedeutenden Architekten Rudolf Lodders entworfen
- um Baudenkmale in Industriegeschichtlicher Hinsicht handele. Schützen konnte
das die Bauten natürlich nicht, und Bremen hat jetzt auf dem Gelände ein neues
Einkaufszentrum.
Etwas positiver - wenngleich nicht auf den ersten Blick ersichtlich - steht es um
den Baubestand im ehemaligen Stammwerk Bremen-Sebaldsbrück.
Dort teilen sich zwei Unternehmen die alte Borgward-Liegenschaft.
Durch manche Erweiterungs- und Neubauten geriet die ursprüngliche Bausubstanz
zwar etwas in den Hintergrund, trotzdem pflegen gerade die im östlichen Teil
ansässigen Atlas-Werke ihr bauliches Erbe. Die bekannte Bauzeitung db widmete erst
unlängst den dort noch vorhandenen Borgward-Lodders-Bauten einen ausführlichen
Bericht.

Am anläßlich der Festivitäten zum hundertsten Geburtstag Carl F.W.Borgwards
aufgestellten Denkmal fällt der Blick auf die einstige Borgward-Hauptverwaltung

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