Entrümpeln bei Citroën

Die Citroën Werkssammlung trennt sich von etlichen Objekten, Fahrzeugen und einmaligen Modellstudien. Die Klassikabteilung von PSA bereitet so den Wegzug des Conservatoire Citroën aus Aulnay-sous-Bois vor. Das Firmenarchiv befindet sich schon in Ostfrankreich.
 
Von Jan Eggermann, Bilder: Leclere/Archiv Garage 2CV
 
Das Pariser Auktionshaus Leclere hat  eine besondere Kollektion im Angebot, denn Citroën bzw. das in Aulnay-sous-Bois ansässige Conservatoire Citroën trennt sich per Auktion von einem Teil seiner Sammlung. Im 179 seitigen Auktionskatalog finden sich eiserne Fassadenbeschläge mit Citroën-Schriftzügen und Doppelwinkeln – sie waren an den Gebäuden des 2CV-Werkes in Levallois angebracht (Mindestgebot ab 500 EURO) – originale Paris-Dakar-Rennkombis von Jacky Ickx und Alain Ambrosino (Mindestgebot ab 200 EURO) und etliche meist neuere Werbemittel bis hin zu einer Vielzahl von Serien-Autos, Rennwagen und Prototypen. Echte Leckerbissen für ambitionierte Sammler sind die stromlinienförmigen Studien XÉNIA und ECO 2000 (Mindestgebote ab 15.000 EUR bzw. 8.000 EUR), ein Berlingo-Schnittmodell von 1996 (Mindestgebot ab 2.000 EURO), eine Pluriel Studie von 1999 (Mindestgebot ab 7.000 EUR) und bemerkenswerterweise auch das Messemodell des Cactus von 2013 (Mindestgebot 8.000 EUR). Daneben stehen Serienmodelle in unterschiedlichsten Erhaltungszuständen zur Auktion, so zwei Rosalies von 1933 (Mindestgebote ab 2.000 EUR). Hochinteressant ein Traction Avant 11 B von 1953, den der Ausstellungskatalog „Véhicule laboratoire“ nennt (Mindestgebot 5.000 EURO). Solche Fahrzeuge während der Arbeiten zur Citroën DS zu Beginn der Fünfziger Jahre von der Citroën-Versuchsabteilung unter André Lefebvre benutzt worden. Am Vortag der Auktion können die Fahrzeuge in Aulnay-sous-Bois besichtigt werden. Wer nicht so lange warten möchte oder den Weg scheut findet bei theautomobilist eine aktuelle Fotoreportage zu den Auktionsgegenständen.

 
Seit 2001 ist das Conservatoire Citroën auf dem Gelände des Werkes in Aulnay-sous-Bois ansässig und fasst die zuvor an verschiedenen Orten verstreute Werkssammlung zusammen. Die Idee eines Citroën-Werksmuseums geht auf den einstigen Citroën-Werbechef Jacques Wolgensinger zurück. Der Journalist und Autor vieler Veröffentlichungen zu Citroën hatte schon in den sechziger und siebziger Jahren begonnen, besondere Fahrzeuge der Marke in einer Tiefgarage der sogenannten Citroën-Hochhäuser am Quai de Javel in Paris zu sammeln. Doch die Örtlichkeit bot kaum Schutz vor einem möglichen Hochwasser der in unmittelbarer Nähe befindlichen Seine und so konnter der engagierte Wolgensinger den PSA-Vorstand zu Zeiten von Jean-Marie Folz zu einer Verlegung und einer damit verbundenen Aufwertung der Sammlung bewegen. Anfangs wurde sogar über einen Rückerwerb des bis 1935 größten Citroën-Autohauses am Place de l’Europe zur musealen Unterbringung der wertvollen Citroën-Sammlung spekuliert. Letztlich blieb es aber beim Bau einer zweckmäßigen Halle am Rande des Werksgeländes in Aulnay-sous-Bois. Dort waren die historischen Fahrzeuge der Marke und das Werksarchiv über Jahre hinweg praktisch nur Fachbesuchern oder angemeldeten Gruppen zugänglich. Erst Anfang 2017 öffneten sich die Türen für jeden.
 

 
Bei Schließung des Citroën-Werkes Aulnay-sous-Bois 2013 erhielt das Conservatoire Citroën dann eine fünfjährige Standortgarantie, die demnächst ausläuft. Zwischenzeitlich hat der PSA-Konzern mit Aventure Peugeot Citroën DS eine neue Klassiksparte gegründet, die die gesamte Museumsarbeit des Konzerns auf eine neue Grundlage stellen will. Alle Archive der Konzernmarken – und damit auch die bislang in Aulnay-sous-Bois hinterlegten Citroën-Dokumente – sind bereits in das Archivzentrum Terre Blanche im ostfranzösischen Herimoncourt verlagert worden. Dort ist die ehemalige und seit 1833 betriebene Peugeot-Werkzeugfabrik zu einem modernen Archiv ausgebaut und im September 2010 in Betrieb genommen worden. Aufgabe von Terre Blanche ist die Sammlung und Erhaltung von Dokumenten aller Konzernmarken in Frankreich und den anderen europäischen Staaten. 7,5 Regalkilometer stehen dazu zur Verfügung. Sämtliche Dokumente – egal ob technische Zeichnungen, Werbungen oder Fotografien – werden digitalisiert um in einem weitern Schritt inventarisiert zu werden. Bislang sind bereits 4 Regalkilometer entsprechend bearbeitet worden und können eingesehen und kostenpflichtig genutzt werden.
 

 
Zur Zeit noch nicht offiziell bekannt ist, wohin die verbleibende Fahrzeugsammlung des Conservatoire Citroën verlagert wird. Alles deutet auf das ehemalige SIMCA- und heutige PSA-Werk Poissy hin, denn im Großraum Paris soll die „Pariser Marke“ auf jeden Fall bleiben. Alle Einnahmen der im Internet stattfindenden Auktion * vom 10. Dezember 2017 sollen jedenfalls beim Aventure Peugeot Citroën DS verbleiben und eine veränderte Präsentation der Citroën Sammlung in neuen Örtlichkeiten ermöglichen. Die Klassiksparte des Konzerns ist zwischenzeitlich zu einem selbständigen Eigenbetrieb geworden und soll möglichst wirtschaftlich arbeiten. Generaldirektor Xavier Crespin von Aventure Peugeot Citroën DS rechnet mit einer endgültigen Aufgabe des Conservatoire Citroën und einer neuerlichen Ausstellung der Sammlung im Citroën-Jubiläumsjahr 2019. Bis dahin kann man das bisherige Conservatoire Citroën in Aulnay-sous-Bois noch von Montags bis Donnerstags besuchen.
 
Ausstellungskatalog
Vente des réserves de l’Aventure Peugeot Citroën DS
 
Besichtigung
Samstag, 9. Dezember 2017, 9:30 Uhr bis 17 Uhr im Conservatoire Citroën
 
Auktion
Sonntag 10. Dezember 2017 ab 14:00 Uhr im Internet, genaue Teilnahmebedingungen im Auktionskatalog.
 
Conservatoire Citroën
Boulevard André Citroën in Aulnay-sous-Bois/Frankreich
Öffnungszeiten und begleitete Führungen
Montags bis Donnerstags ab 9:30 Uhr
 
* Zur Teilnahme an der Auktion ist eine Anmeldung bis zum 9. Dezember 2017 erforderlich.
 
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