Ein Citroën Jahrbuch in deutscher Sprache

Als Ulrich Knaack vor einigen Monaten von seinem neuesten Projekt – einem Citroën-Jahrbuch – sprach, war klar, was der ausgewiesene und immer lesenswerte Kenner der Doppelwinkel-Materie im Schilde führt.
 
Denn Citroën-Jahrbücher gehören seit 1932 – damals erschien ein erster Almanach Citroën – gewissermaßen zu den ersten publizistischen Meilensteinen in der Frühgeschichte der Marke. Und gerade die Historie des Pariser Unternehmens ist für den Braunschweiger Autor seit Jahren ein Schwerpunkt seiner publizistischen Tätigkeit.
 
Das historische Vorbild des jetzt vorliegenden Citroën-Jahrbuch 2005 erschien in hoher Auflage und informierte seine Leser nicht nur über allgemeine Fragen rund um die damals einsetzende Massenmotorisierung, sondern stellte vor allem die Marke Citroën in den Mittelpunkt. Neben ganz allgemeinen Ratschlägen zum Betrieb von Automobilen fanden sich reichlich bebilderte Reportagen über die Expeditionen nach Asien und Afrika, oder die Fertigung in den Werken ebenso wie Ausführungen zu den Einflüssen des (Citroën-)Automobils auf die Architektur der damaligen Zeit.
Manchmal kann man auf Automobilmärkten noch eines der alten Exemplare entdecken, und spätestens wenn man dann ein paar Seiten gelesen hat, wird man bedauern, dass Citroën seit Mitte der 30iger Jahre keine neuen Jahrbücher mehr herausgegeben hat.
 
Zusammen mit Halwart Schrader hat Ulrich Knaack das „Format“ des Almanach Citroën nun wiederentdeckt und als Citroën-Jahrbuch in deutscher Sprache auferstehen lassen.
 
In der diesjährigen Ausgabe findet sich – ganz wie im Vorwort von den beiden Herausgebern angekündigt – ein spannender Mix von diversen Berichten und Artikeln rund um den Doppelwinkel, die sonst wohl niemals einer breiteren Öffentlichkeit hätten zugänglich gemacht werden können. Halwart Schrader berichtet nicht nur von der ersten Gauloises-Werbetour mit klassischen Citroën-Fahrzeugen am Anfang der siebziger Jahre, sondern erzählt auch von seiner einstigen „Liebe auf den ersten Blick“, die einem roten Citroën Trèfle galt. Eine Familie im Landkreis Hildesheim, die sich nicht nur per 2CV, Ami8 und GS fortbewegt, sondern nun sogar ein Citroën-Kégresse Kettenfahrzeug (!!!) für den alltäglichen Einsatz im Leinebergland präpariert, hat Ulrich Knaack ebenso entdeckt, wie manches Detail aus der bisher so gut wie unbekannten Geschichte des „Transporter H in Deutschland“.
Und dass ein Citroën-Jahrbuch mit Jahresangabe 2005 im Titel schwerlich auf eine Erwähnung des DS verzichten kann, versteht sich im Jubiläumsjahr fast von selbst. So analysiert Ulrich Knaack – seines Zeichens auch verantwortlicher Redakteur der Hydraulischen Presse und mit der Göttin bestens vertraut – eine 1964 von Citroën in Auftrag gegebene Studie über „Image und Fahrertypen“ der DS. Gastautor Ingo Meier schildert in seinem Beitrag wie der Begriff Ente Eingang in die deutsche Sprache fand, und Frank Plate tauscht die Lenkräder von AK 400 und Berlingo um manch unerwartete Familienähnlichkeit zu entdecken.
 
Zu Hochform läuft der charmant-feulletonistische Stil des Jahrbuches spätestens in der Kurzgeschichte „Kalte Füße, heißes Herz“ auf, als Albert Landreich von der winterlichen Überführung eines 15CV nach Deutschland in Begleitung eines gewissen Fräulein Bogenfelder erzählt … Nicht unerwähnt bleiben sollen an dieser Stelle die zahlreichen bisher unveröffentlichten Dokumente und Fotos, die das Buch von der ersten bis zur letzten der rund 130 Seiten illustrieren.
 
Mit der Idee, nach siebzig Jahren wieder ein regelmäßig erscheinendes Citroën-Jahrbuch (noch dazu in deutscher Sprache) herauszugeben, haben sich die beiden Herausgeber schon an sich ein Lob verdient. Dem ganzen Autoren-Quintett ein Dankeschön für eine kurzweilige und facettenreiche Entdeckungstour durch Vergangenheit und Gegenwart unterm Doppelwinkel. Jeweils im Herbst eines jeden Folgejahres soll nun ein neues Jahrbuch erscheinen.
 
Von Jan Eggermann, 2004
 

 
Das Citroën Jahrbuch 2005 ist bei edition.garage2cv.de erhältlich.
 

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