Druckabfall: Letzter Citroën mit Hydropneumatik

Am 1. Juni 2017 lief der vorerst letzte Citroën C5 aus europäischer Produktion vom Band. Damit schließt sich das Kapitel der Hydropneumatik wohl für immer. Die Technik war seit 1954 Alleinstellungsmerkmal von Citroën.
 
Von Jan Eggermann, garage2cv.de


 
Ein für Citroën bedeutendes Kapitel der Automobilgeschichte endete am 1. Juni 2017 im bretonischen PSA-Werk Rennes-la-Janais. Dort lief am vergangenen Donnerstag der vorerst letzte europäische Citroën C5 und mit ihm auch das letzte serienmäßige Fahrzeug des Herstellers mit Hydropneumatik vom Band. Citroën gibt damit die seit 1954 in Serie befindliche Komfortfederung auf. Mit ihr ausgestattete Fahrzeuge erreichten ein oft sänftenartiges Fahrverhalten, das durch ein geniales Zusammenspiel zwischen speziellen Ölen und Stickstoff erreicht wurde. Die Elemente arbeiten in sogenannten Federkugeln gegeneinander. War anfangs noch alles rein physikalisch per Zentralhydraulik miteinander verbunden, sorgten später Rechner für ein perfektes Zusammenspiel. Zuletzt nannte Citroën die Technik Hydractiv III. Bekannt war die Hydropneumatik für ihren unabhängig vom Beladungszustand wirkenden automatischen Niveauausgleich. Mit Hydropneumatik ausgestattete Fahrzeuge konnte man daneben je nach Bedarf auch anheben oder absenken, selbst Reifenplatzer steckte die Hydraulik praktisch unmerklich weg: Zur Not ließ sich jeder Hydropneumat auch mit drei Rädern sicher steuern. Dank dieser Technik überlebte der französische Staatspräsident De Gaulle in den Sechzigern sogar einen Anschlag: Sein Präsidentenwagen – ein Citroën DS – wurde unter Feuer genommen, trotz zerschossenem Hinterreifen konnte der Wagen sicher entkommen.
 

Wer jetzt noch einen Citroën mit Hydropneumatik haben möchte, der sollte sich beeilen. Bild: garage2cv.de

Die Hydropneumatik war eine Idee des Ingenieurs Paul Magés aus den vierziger Jahren, als er bei Citroën am 2CV arbeitete. Zum Einsatz kam die Technik dann aber nicht in der Ente, sondern erstmals an der Hinterachse des Traction Avant. Im Citroën DS kam dann 1955 der große Durchbruch (1.456.115 Stück), zeitweise erwarben auch Mercedes Benz und Rolls Royce Fertigungslizenzen bei Citroën.
 
Nach Auslaufen des XM als letztem Citroën-Volumenmodell der oberen Mittelklasse im Jahr 2000 (333.405 Stück) begann der langsame Niedergang der Hydropneumatik, die weder durch den ambitionierten, aber letztlich glücklosen Citroën C6 ab 2005 (23.384 Stück) noch durch eine Onlinepetition zum Erhalt der Hydropneumatik aufgehalten werden konnte. Nach Stilllegung des Citroën-eigenen Hydraulikwerkes in Asniéres (wir berichteten) war absehbar, dass die Hydropneumatik keine Zukunft mehr haben würde. Als Citroën dann im Sommer 2016 bekannt gab, mit dem neuen Dämpfungssystem Advanced Confort einen adäquaten Ersatz für die Hydropneumatik gefunden zu haben war das Ende der Technik endgültig besiegelt.
 
Am Ende gab es die Hydropneumatik nur noch auf Wunsch in der C5-Reihe, deren vorerst letztes europäisches Exemplar nach 430.000 Stück vom Band gelaufen ist. Die Produktion in China ist davon zwar nicht betroffen – erst kürzlich hatte Citroën den C5 für den dortigen Markt China einem größeren Facelift unterzogen. Doch im Reich der Mitte fehlt der Baureihe das wesentliche Alleinstellungsmerkmal der Baureihe: Die Hydopneumatik.
 
Zur Funktionsweise der letzten „Hydractive III+“ genannten Evoltuionsstufe:
 

 
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