Der Citroën C3 ist da! Seit Ostern 2002 bei den Händlern

Nun hat er es also nach Deutschland geschafft: Der seit Jahren erwartete Citroën C3 steht seit wenigen Tagen in den Schaufenstern des deutschen Händlernetzes. Garage 2CV nahm Platz am Volant.
Bild: Archiv Karl Schori

Kontrastreicher hätte unsere erste Begegnung mit dem neuen Wagen nicht sein können. Denn während das hellblaue C3-Vorserienexemplar weithin sichtbar im grössten Fenster einer Niederlassung des französischen Herstellers platziert war, wartete ein paar Schritte weiter eine restaurierte Kastenente auf solvente Käufer und gestattete so unfreiwillig einen Vergleich zwischen zwei Fahrzeugen, die konzeptionell weiter nicht auseinander liegen können. Auch wir verfielen während der letzten Jahre dem schmeichelhaften Gedanken, dass es sich beim C3 um einen mehr oder weniger direkten Nachkommen des 2CV handeln könnte. Doch Träume zerbrechen oft an der Wirklichkeit und nur selten werden sie Realität, vor allem im Bereich des Automobilbaus, der immer ein Spagat zwischen Ingenieurs- und Gestatungskunst und Wirtschaftlichkeit sein muss. Auch unser Traum zerbrach angesichts des unerwarteten Gegensatzes zwischen alter Ente und taufrischem C3. Die Begegnung ließ französische Ingenieurskunst der dreißiger Jahre mit einem modernen Produkt des Autoherstellers von heute zusammentreffen.
 
Dieser Citroën C3 zeigt sich im August 2002 mit der Auftaktbeklebung eines Händlers in Aachen.

Dieser Citroën C3 zeigt sich im August 2002 mit der Auftaktbeklebung eines Händlers in Aachen.


 
In den letzten Jahren ist viel berechtigte Kritik zum fahrlässigen Umgang des Herstellers mit seiner ruhmreichen Modellgeschichte zu hören gewesen. Und ernsthaft wird wohl auch niemand Autos vom Schlage eines Saxo oder wie sie alle kamen und gingen als echte Citroën-Fahrzeuge zu bezeichnen versucht haben. Das ist jetzt anders: Zum ersten Mal seit Jahren darf die Fangemeinde im C3 einen echten neuen Citroën entdecken. Und die für den Erfolg des Unternehmens wichtigen Normalkunden reagieren schon jetzt nicht teilnahmslos. So zog C3 in den ersten Tagen mehr Besucher an als irgendein Citroën der letzten Jahre. Es war zu hören, dass wohl ein Grossteil der Produktion für dieses Jahr schon einen Käufer gefunden hat. Wann hat es das nach 2CV und DS bei Citroën gegeben?
 
Das in Augenschein genommene Fahrzeug war ein Exemplar mit höchster Ausstattungsstufe. Man findet die Schriftzüge „Exklusive“ am Holm der hinteren Türen auf schwarzem Vinyl, das offensichtlich nicht recht mit der hellblauen Lackierung zueinander finden wollte: Hier und da löste sich der seit VISA-Zeiten totgeglaubte Werkstoff vom Lack. Doch war dies der einzige Makel am ansonsten solide verarbeitet scheinenden Auto.
 
Auf den französischsprachigen Märkten heißt es zur Einführung des Citroën C3: "La vie est belle."

Auf den französischsprachigen Märkten heißt es zur Einführung des Citroën C3: „La vie est belle.“

Man sitzt gut im C3. Helle und dunkle Grautöne geben dem Innenraum ein freundliches und modernes Erscheinungsbild. Billig oder irgendwie minder bemittelt wirkt hier nichts, wenngleich man natürlich nicht in einem Fahrzeug gehobener Preisklasse sitzt. Je nach Ausstattung begünstigen die klappbaren Armlehnen der Vordersitze die Sitzposition. Allenthalben finden sich im Innenraum Zugeständnisse an den derzeitigen Massengeschmack (selbst die Hupe sitzt jetzt da wo sie bei jedem deutschen Auto schon immer saß), jedoch auch  interessante Detaillösungen: Es gibt eine zusätzliche Steckdose für 12V-Verbraucher, einen Halter für Parktickets direkt an der Windschutzscheibe, ein angedeutetes  Einspeichenlenkrad und – was uns besonders gut gefiel – ungewöhnlich innovativ geformten und variabel einstellbaren Belüftungen. Auffällig die vermeintlich für Getränkedosen vorgesehene Vertiefung unweit des konventionellen Ganghebels. Normalerweise sitzt hier der somit ganz schnell herausnehmbare Aschenbecher, der – wenn er nicht schon geklaut worden wäre (!!!) auch nach hinten gereicht werden kann und dort ebenfalls seinen ensprechenden Platz findet. Neben Fahrer- und Beifahrerairbag finden sich noch eine ganze Reihe von Seiten- und Kopfairbags, so dass C3 ganz auf dem Stand der heutigen Technik ist. Platz ist vorne reichlich vorhanden, hinten wird es dann etwas enger, wenn der Fahrer seinen Sitz in die äußerste Position schiebt. Auch die Kopffreiheit hatten wir uns größer vorgestellt. Abzuwarten bleibt die Version mit Faltdach, dass wohl nur in gläserner Ausführung ab Herbst 2002 erhältlich sein wird.  Einer alten Citroën-Tradition folgend gibt es den Wagen grundsätzlich mit vier Türen. Variabel gestaltet ist der Kofferraum, der dank eines doppelten Bodens (ähnlich der Abdeckung in Ami6 und einigen Ententypen) mehrere Beladungsmöglichkeiten hat.
Die ersten Eindrücke vom C3? Wir haben von den Citroën-Traditionen schon gesprochen. Eine der ältesten Firmentraditionen ist es Autos zu bauen, die möglichst bei einem Massenpublikum Zuspruch finden. Eine nicht ganz so alte ist es Autos zu bauen, die man sofort als Citroën erkennen kann. Der C3 steht in diesen Traditionen. Und deshalb ist sein Erfolg vorprogrammiert. Ganz so, wie es bei 2CV und DS auch schon war.
 

Innovation und Massengeschmack – C3 Innenraum mit angedeutetem Einspeichenlenkrad und ungewöhnlich gestalteten Öffnungen für Heizung und Belüftung.


Variationen im Kofferraum – Dank eines doppelten Bodens (den gab es schon im AMI 6 und auch bei einigen 2CV-Versionen) ergeben sich verschiedene Beladungsmöglichkeiten. 
 

Sammelbar
– Die ersten Prospekte zum C3.

 

Von Jan Eggermann, Fotos: Citroën Communication und garage2cv.de / Mai 2002
 

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