Citroën und Solex: Warum das Verhältnis so eng war.

Blick auf das VeloSolex-Werk im Pariser Vorort Levallois in den fünfziger Jahren.

Jeder Citroën 2CV-Fahrer ist zwangsläufig auch mit der Marke Solex verbunden, denn die serienmäßig eingebauten Vergaser der Ente tragen von Anfang an den Namen des Pariser Unternehmens Solex. Wegbereiter für die Jahrzehnte lange Zusammenarbeit zwischen Citroën und Solex ist eine unbürokratische Überein kunft zwischen André Citroën und Maurice Goudard. Es geht um ein Grundstück am Quai de Javel. Doch der Reihe nach …

Werbeplakat: Solex-Dreiklang in den Fünfzigern.

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Die Anfänge von Solex gehen zurück in das Jahr 1909. Damals beteiligen sich Maurice Goudard und Marcel Mennesson – er ist der Erfinder des späteren VeloSolex – mit ihrem Unternehmen „Société Goudard et Mennesson“ an einer Ausschreibung der „Compagnie Générale des Omnibus“. Es geht um einen Auftrag über 400 Zentrifugalkühler für Pariser Omnibusse. Das junge Unternehmen erhält den Zuschlag und damit einen ersten lukrativen Auftrag. Zunächst ist man voll auf die Produktion von Kühlern spezialisiert und kann bereits 1911 unter dem neuen Markennamen „Solex“ Räumlichkeiten im Pariser Stadtteil Levallois beziehen.
Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges verlegt man sich auf die Fertigung von Vergasern, denn der Bedarf für die Wehrwirtschaft ist entsprechend hoch und der damals bedeutendste Hersteller Zenith nicht annähernd in der Lage, den Bedarf zu decken. Nach Ende des Krieges bricht der Absatz von Vergasern dann aber fast völlig zusammen: für Militärlastwagen besteht kein Bedarf mehr. Um dem sicheren Ruin zu entgehen beteiligt sich Solex zunächst übergangsweise an der großen Pariser Autowerkstatt Saint-Didier und kann sich so über Wasser halten. Die Fertigung von Vergasern besteht in jenen Jahren zwar weiter, die erzielten Stückzahlen erreichen aber nicht ansatzweise den Austoß zu Kriegszeiten.
Erst 1922 ist ein neuer Großabnehmer für Solex-Vergaser gefunden: Die aufstrebenden Automobilwerke des André Citroën. Dank ihrer erstmals (in Europa) praktizierten Fließbandproduktion hat Solex für Jahrzente volle Auftragsbücher.

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Ein Zufall ist die Zusammenarbeit nicht, denn der Kontakt zwischen Citroën und Goudard entwickelt sich ausgerechnet über ein für Citroën fast fehlgeschlagenes Grundstücksgeschäft: Während des ersten Weltkrieges ist Goudard zufällig im Taxi am Quai de Javel unterwegs. Dort entdeckt er ein zum Verkauf ausge schriebenes Gelände mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern. Kurzentschlossen erwirbt er es noch am gleichen Tage zu einem Preis von 125 Francs pro Quadratmeter. Da die Fläche noch von der französischen Armee genutzt wird, ist der Kaufpreis erst nach Beendigung des Krieges zu zahlen. Zwei Tage nach Abschluß des Vertrages erhält Goudard einen bedeutungsamen Anruf: Am anderen Ende der Leitung ist kein geringerer als André Citroën. Citroën überredet Goudard, ihm das Grundstück abzutreten. Als Gegenleistung verspricht er, Solex später einmal zum bevorzugten Vergaser-Lieferenaten für seine geplante Automobilproduktion zu machen. Und tatsächlich: André Citroën hält Wort und macht Solex ab 1922 zum Hauptlieferanten für seine Automobilfertigung.

Man stelle sich vor, die Absprache wäre nie erfolgt: Solex wäre längst in Vergessenheit geraten, und für Citroënisten wäre der Quai de Javel wohl kaum zur mystischen Adresse geworden!

Von Jan Eggermann, 2006

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