Citroën in Paris: Die Teststrecke von La-Ferté-Vidame

In den Wäldern von La Ferté-Vidame, 120 Kilometer westlich von Paris, steht sie noch: Die hässliche Mauer mit Wachtürmen und patroullierenden Wachen. Doch diese Mauer hier ist nicht erbaut worden, um Staaten voneinander zu trennen.  

 

In den Wirren der Revolution bis auf die Grundmauern abgebrannt: Der Sitz des Herzog von Saint-Simon, General unter Louis XIV. Bild: garage2cv.de

Hier dient sie einem friedlichen Zweck: Sie soll den alten Besitz des Louis de Rouvroy, Herzog von Saint Simon zur Zeit des Louis XIV, vor neugierigen Blicken schützen, denn seit 1934 befindet sich auf dem seit den Tagen der französischen Revolution verlassenen Adelsgrund die fast hermetisch von der Außenwelt abgeschirmte Citroën-Teststrecke. Auf 1.000 ha Waldfläche erstreckt sich ein ausgedehntes Straßennetz, das es erlaubt, die neuen Fahrzeuge der Marke ausgiebig zu erproben. Vom Entenvorläufer TPV bis zum neuen Citroën C6 drehten und drehen alle neuen Fahrzeuge der Marke hier ihre allerersten Runden. Autobahn-ähnliche Streckenabschnitte für Langzeiterprobungen, Landstraßen und schlechteste Wege zur Fahrwerksabstimmung: In La Ferté-Vidame kann jede erdenkliche Fahrsituation getestet werden.
 

La Ferte-Vidame: Hier steht sie noch, die Mauer: Das 1.000 ha große Gelände der Teststrecke ist ummauert wie einst Westberlin! Bild: garage2cv.de

Die Wahl fiel nicht ohne Grund auf das Gebiet bei La Ferté-Vidame: Einerseits ist das Gelände für die in Paris ansässigen Konzernmitarbeiter gut erreichbar. Bereits Pierre Boulanger hielt den Standort in den dreißiger Jahren für optimal, denn sowohl die morgendliche An- als auch die abendliche Abfahrt nach Paris seien immer mit Sonne im Rücken zu bewältigen. Andererseits fallen in dieser Abgeschiedenheit alle unnatürlichen Besucher natürlich sofort auf und geraten in den Fokus vieler Überwachungskameras entlang der Mauer.
 

Die Hauptstrasse von La Ferté-Vidame: Hier hat sich seit Eröffnung der Teststrecke
nicht viel geändert! Bild: garage2cv.de

In einer 1990 erschienenen Werkspublikation* hieß es, dass – obwohl die alte Anlage alle Voraussetzungen für guten Schutz mitbringe – erst moderne Beobachtungstechniken die Unverletzbarkeit der Teststrecke nochmals stark eingeschränkt hätten. So sei einmal versteckt im Farnkraut ein mit hochwertiger Ausrüstung und Überlebensration ausgerüsteter Fotograf aus Deutschland entdeckt worden, der vorgab, ausgerechnet hier ornithologische Studien zu unternehmen. Wer allerdings die Mauern kennt, die das Testgelände umgeben, muss stark an dieser Version des Mannes zweifeln, dem natürlich unmissverständlich klargemacht wurde, er solle seine Studien doch lieber im Schwarzwald fortsetzen …
 

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Am Wasserturm des Ortes finden sich noch die traditionellen Firmenfarben gelb und blau. Bild: garage2cv.de

Wie gut die Überwachung funktioniert, spürte eine andere Gruppe Automobilbegeisterter im

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Heute ziehen moderne PSA-Fahrzeuge ihre Testbahnen durch die Wälder von La Ferté-Vidame. Hier ein Citroën C4 vor einer Steigungstestbahn. Bild: Citroën / Archiv garage2cv.de

letzten Sommer. Magisch angezogen durch die auch am Rande der Teststrecke deutlich vernehmbaren Motorgeräusche der Testfahrzeuge war schnell ein Wasserdurchlass in der Mauer gefunden, der genügend Platz zum Durchschreiten bot. Auf der anderen Seite angekommen sahen sich die Wagemutigen nicht nur einem massiven Stahlgitter, sondern auch einem heranrasenden Berlingo des Werkschutzes gegenüber …
 
Von Jan Eggermann, 2000
 
* Martinez/Sauzay, Citroën XM
 
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Der Haupteingang der Teststrecke.

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