Verwandtschaft aus Rumänien

AXEL - Kein Erfolg für Citroën..


Ebenfalls neu im Citroën-Programm ist 1984 ein dem VISA augenscheinlich
sehr ähnliches Modell mit Namen AXEL. Doch während der AXEL irgendwie
nach einer dreitürigen - und vielleicht sogar sportlicheren - Variante des
VISA anmutet, steht demgegenüber sein Verkaufspreis: In Frankreich ist
dieses Auto tatsächlich preiswerter als eine Ente in Grundausstattung!
Aber warum?

Erster Irrtum: Hier handelt sich weder um eine Weiterentwicklung des VISA,
noch um eine Abart desselben. Vielmehr ist der AXEL das realisierte Projekt
VD * "voiture diminuée", gewissermassen also der letzte "echte" Citroën.
Die Tatsachen sprechen Bände: Motor- und getriebetechnisch basiert der
AXEL auf der Citroën GS-Baureihe. Das Fahrwerk ist indes nicht hydraulisch
gefedert sondern bedient sich der für Citroën untypischen Torsionsfederung.


Das Oltcit-Firmenlogo beinhaltete eine Adaption des Doppelwinkels.
Raumschiff Enterprise lässt grüssen / Oltcit-Firmenlogo mit Winkeladaption


Zweiter Irrtum: Trotz der Doppelwinkel am Kühlergrill handelt es sich nicht um
einen "echten" Citroën. Angesichts guter Beziehungen zwischen Frankreich
und der damals auf unabhängigem Wirtschaftskurs manövrierenden
Volksrepublik Rumänien kam es zu einer Zusammenarbeit im Bereich
Automobilbau: Schon im 1976/77 wurde ein Vertrag zwischen französischer
und rumänischer Regierung sowie Citroën zwecks Aufbau einer Automobilfabrik
im rumänischen Craiova geschlossen.  Im Rahmen der daraufhin gegründeten
französisch/rumänischen Mischgesellschaft (Oltcit, Abkürzung für Oltavien und
Citroën) sollte der Axel nun in einem eigens erbauten Werk in Craiova/Rumänien
hergestellt werden. Citroën sollte einen großen Teil der erforderlichen Einzelteile
liefern und im Gegenzug die Vermarktung in Westeuropa übernehmen.
Doch schon der Produktionsstart verzögerte sich um Jahre und begann erst 1984.
Nicht zuletzt aufgrund der mittlerweile nicht mehr taufrischen Anmutung des AXEL,
starrer Abnahmeverpflichtungen und schwer kalkulierbarer Qualitätsspannen
wurde der AXEL ein Flop: Lediglich 13.175 Fahrzeuge konnten über das Citroën
Vertriebsnetz bis zum Modelljahr 1990 abgesetzt werden.
Citroën verabschiedete sich schließlich mit hohen Verlusten aus dem Kooperationsgeschäft.

In Rumänien konnte das Werk ohne Unterstützung aus dem Westen nicht überleben
- geplante Versionen kamen nicht über das Prototypenstadium hinaus.
Als OLTCIT AXEL wurde der Wagen noch bis 1992 oder 1993 in zwei Motorversionen
weitergebaut. Dann war auch dort Schluß. Die Gesamtstückzahl betrug 60.184. 

* Interne Bezeichnung der VISA-Reihe ist übrigens bis heute "VD". 

>> Teil 6: VISA 1986