Brüsseler Spitze: Citroëns 2CV Week-End

Im März 1955 präsentiert Citroën Belgien in Brüssel das Modell 2CV AZUL „Week-End“. Bereits seit Oktober 1952 entstehen im Montagewerk Forest für den niederländischen und belgischen Markt 2CVs. Zunächst sind die belgischen Enten kaum von ihren französischen Schwestern zu unterscheiden: Sämtliche Teile werden aus Frankreich angeliefert und in Forest lediglich endmontiert.

Schon auf den ersten Blick als besondere Kastenente zu erkennen: 2CV AZUL aus dem belgischen Citroënwerk Forest.

Da die Verkaufszahlen am Anfang hinter allen Erwartungen zurück bleiben, sucht man in Forest nach Möglichkeiten zur Absatzsteigerung und stattet Teile der Produktion mit fortan nur in Belgien zu findenden Accessoires aus. Die erste belgische Enteninterpretation mit reichlichem Chromschmuck, verstärkten Stoßstangen und einer großen Heckklappe kommt Anfang 1954 als 2CV AL (das „L“ steht für „luxe“, mit Einführung der neuen 425 ccm-Maschine dann ab 1954 AZL) auf den Markt. Mit Erfolg: Bereits Monate später werden belgische Enten in andere Staaten exportiert, ab 1958 auch nach Deutschland.

Nicht nur die großen Seitenfenster unterscheiden das Modell AZUL von den schlichten Kastenwagen …

Zu Beginn des Jahres 1955 läuft die Kreativität der Belgier dann zu Hochform auf: Auf Basis der Kastenente 2CV AZU stellt man im März 1955 eine eigenwillige Enten-Abart vor, die heute als früher Vorläufer der Multifunktionsfahrzeuge vom Schlage Berlingo & Co. gelten darf. Kurzerhand wertet man die schlichte Kastenente mit Bauteilen der AZL zur AZUL „Week-End“ auf. Die Bezeichnung „Week-End“ – einer der wenigen Anglizismen der französischen Sprache – weist schon auf die angedachte Verwendung des Fahrzeuges hin: Arbeitstier im Alltag, Freizeitmobil am Wochenende. Äußerlich ist das Modell durch verstärkte Stoßstangen, Radkappen, vor allem aber durch die vergrößerten Seitenfenster und die Zweifarbenlackierung vom Basismodell unterscheidbar.

… auch reichlicher Chromschmuck wird der „Week-End“ mit auf den Weg gegeben.

Zur echten Luxuskastenente wird die AZUL aber endgültig durch Verwendung der Inneneinrichtung aus den Personenwagen: Ablagen in den vorderen Türen gehören ebenso dazu, wie Sitzbezüge im modischen Schottenkaro. Außerdem verfügt die „Week-End“ erstmals über eine hintere Rückbank, die sich je nach Bedarf demontieren lässt. Technisch bleibt das Modell im Wesentlichen mit den entsprechenden „zivilen“ Versionen identisch: 425 ccm-Motor mit 12 PS Leistung, ab Februar 1963 dann 16 PS Leistung. Im Dezember 1963 folgt mit der AKL erstmals ein 2CV mit Ami 6-Technik, sprich mit 600er-Motor. Als 3CV Week End wird diese Variante bis Ende 1966 hergestellt, ebenfalls ausschließlich im Werk Forest.

Der „3CV AKL Week End“ ist das Nachfolgemodell des AZUL, vorgestellt im Dezember 1963 und ausschließlich im Werk Forest bis Ende 1966 gerfertigt. Der erste 2CV mit 600er-Motor!

Mitte der sechziger Jahre läuft die Produktion der „Week-End“ in Forest aus. In Deutschland bleibt die AZUL „Week-End“ ein seltener Vogel: Ab Ende der Fünfziger für einige Jahre im Verkaufsprogramm, finden sich für das Fahrzeug nur wenige hundert Käufer.

Von Jan Eggermann, 2005/2013

Nachtrag:
In Räto Grafs Buch Der Döschwo in der Schweiz findet sich ein Kapitel über die Geschichte des 2CV AZUL, an deren Entwicklung die Schweizer Niederlassung entscheidenden Anteil hatte. So war dort sogar die Post im Week-End unterwegs!

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