Citroën Hydraulikwerk wird abgerissen

 

Die Gebäude des ehemaligen Citroën-Standortes in Asnières-sur-Seine werden zur Zeit abgerissen.

Citroën übernahm den Standort 1948 vom Hersteller Automobiles Laffly, der hier zuvor vornehmlich in Zusammenarbeit mit Hotchkiss Militärfahrzeuge produziert hatte. Ebenfalls auf dem Gelände befand sich zeitweise ein Montagewerk des amerikanischen Herstellers Ford. Noch 1948 lief – erstmals bei Citroën – eine automatische Dreherei in Asnières, doch einen Namen machte sich der Standort vor allem ab 1954, als die Hydraulik-Werkstätten ihren Betrieb aufnahmen. Seitdem war das Werk exklusiv für die Fertigung aller Hydraulikteile bei Citroën-Fahrzeugen zuständig.

 

Bevor Citroën 1948 das Werk Asnières übernahm, befand sich ein Ford-Montagewerk auf dem Gelände. Die Gebäude waren zuletzt noch erhalten. Bild: Archiv garage2cv.de

Nachdem bereits ab Mai 1954 erste Exemplare des Citroën 15 SIX mit einer hydraulisch-gefederten Hinterachse auf den Markt kamen, erlebte die Hydropneumatik mit Serienstart der Citroën DS ab Oktober 1955 ihren vielbeachteten Durchbruch, das hydraulische System war in der DS nicht nur für die Federung, sondern auch für Bremse und Lenkung zuständig. Ein absolutes Novum im Automobilbau, dass sich für Citroën zu einem Erfolg entwickelte, denn bis 1975 wurden fast 1,5 Millionen DS produziert. Und als 1974 mit dem Citroën CX auch das Nachfolgemodell über die Hydropneumatik verfügte, gab es bei Citroën bereits zwei weitere Baureihen (SM und GS), die ebenfalls hydraulisch gebremst, gelenkt und gefedert waren. In den achtziger und neunziger Jahren folgten mit Citroën BX,  XM und dem Xantia nochmals Modelle mit zentralem Hydrauliksystem, erst bei den Nachfolgemodellen Citroën C5 und C6 dient die Hydraulik nur noch der Federung.

 

Auch diese noch aus der Laffly- und Ford-Ära stammende Zentralhalle von Citroën Asnières sollte dem Abrißbagger weichen, doch letztlich blieb das entkernte Zentralgebäude erhalten. Bild: Archiv garage2cv.de

Der Standort Asnières hatte eine Ausdehung von rund 7 Hektar, in Spitzenzeiten waren 2.000 Arbeiter hier beschäftigt. Anfang 2000 fertigten 800 Bedienstete rund 9.400 Hydraulikteile pro Tag. Allerdings galt das Werk in Asnières zuletzt nicht mehr als eigenständiger Standort, sondern als Werksatelier von St. Ouen.

 
Im Januar 2008 kündigte der PSA-Konzern die Schließung an, die noch verbliebenen Aufgaben zur Produktion von Hydraulikkomponenten wird das PSA-Werk im spanischen Madrid übernehmen. Im Juli 2009 verließen die letzten 60 regulären Angehörigen das Werk, fortan blieb nur eine kleine Nachhut von sechs Personen im Werk beschäftigt, was dem Standort in französischen Medien zeitweise die Bezeichnung „Phantom-Fabrik“ einbrachte. Nachdem letzte Aufräumarbeiten erledigt waren, wurde „Citroën-Asnières“ 2010 dann auch ganz offiziell geschlossen.

Für die Stadt Asnières-sur-Seine bietet die Aufgabe des Werkes neue stadtplanerische Entwicklungsmöglichkeiten, ähnlich wie zuvor schon an anderen Pariser Produktionsstandorten, etwa Levallois, Guttenberg oder Ivry. Die Abrißarbeiten starteten im Dezember 2011 und sollen noch bis 2013 andauern. Danach wird auf dem Areal, das nur durch eine Straße von der Seine getrennt ist, ein neuer Stadtteil mit Geschäftshäusern und einigen Wohnungen entstehen. Nur teilweise durchsetzen konnten sich diejenigen Stimmen, die aus geschichtlichen Gründen einen Großteil der aus Laffly-, Ford- und Citroën-Zeiten stammenden Hallen in das neue Nutzungskonzept eibeziehen wollten. Immerhin ist aber das entkernte Zentralgebäude erhalten geblieben.

 
Abgesehen vom Werk in Aulnay-sous-bois gibt es nach Aufgabe der Fertigung in Asnières nur noch einen aktiven Produktionsstandort aus Citroën-Zeiten, das Werk in St. Ouen.

 
Von Jan Eggermann, August 2012 (Update Juli 2016)

 
Bericht zur Schließung des Werkes im französischen Regionalfernsehen:


 

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