
Citroën ami6 - Die schräge Ente

Gegen Ende der fünfziger Jahre war in Frankreich neben einer ländlich geprägten
Bevölkerung und dem städtischen Bürgertum eine neue Mittelschicht entstanden.
Eine Mittelschicht, die mobil sein wollte! Auch der Citroën-Chefetage war klar
geworden: Mit der traditionellen Zwei-Modell-Palette - bestehend aus 2 CV und DS -
würde man zukünftig keine Chance mehr auf dem Personenwagenmarkt haben.
So entstand 1957 die Idee für ein neues Fahrzeugkonzept "M".
"M" stand für Milieu de gamme. Also die "Mitte des Programms" zwischen
Ente und DS.

Flaminio Bertoni - seit den dreißiger Jahren Chefdesigner bei Citroën - wurde mit
der Aufgabe betraut, diese neue Mitte zu füllen. Die Vorgaben für das Projekt lauteten
knapp: "Ein großer Kofferraum, optimaler Innenraum, eine Länge noch unter vier Metern".
Bertoni hat sich daraufhin nach Herzenslust ausgetoben dürfent.
Später sprach er davon, dass dieses Modell sein stylistisch wohl gelungenstes war.
Kein Wunder: Nach Traction Avant, 2CV und Citroën DS war er quasi uanatastbar und
konnte seinen ami6-Entwurf quasi ohne größere Änderungen durchsetzen.
1959 war das Konzept "M" planerisch fertiggestellt. Ein unverwechselbares Erkennungs-
zeichen des Modells wurde das schräg abgeknickte Rückfenster. Neben dem formal
unkonventionellen Design griff man auf die bewährte Technik des 2 CV zurück.

So wurde der ami6 von einem abgewandelten 2 CV-Motor mit 600ccm Hubrraum angetrieben.
Die Leistung lag bei 21 PS. Damit waren im Vergleich zur Ente, die es damals gerade auf
16 PS brachte, deutlich höhere Geschwindigkeiten erzielbar. Später wurde die ursprüngliche
Ami-Maschine leicht abgewandelt zum Standardmotor der Ente.
1961 wurde der ami6 offiziell vorgestellt. Das gewöhnungsbedürftige Aussehen spaltete die
Autowelt dies- und jenseits des Rheins. Als geradezu avantgardistisch sahen es die einen, für die
anderen war es jedoch lediglich ein weiterer Ausbund an Hässlichkeit. In Wirklichkeit standen
hinter dem Design durchaus funktionale Erwägungen: Während die ungewöhnlich Heckscheibe
durch ihre Lage nicht verschmutzen konnte, sorgte das knautschige Gesicht dank der vielen
ausgeprägten Linien nicht nur für einen außergewöhnlichen Auftritt, sondern vor allem für ein
gutes Crash-Verhalten. Jedenfalls bei den damals noch üblichen Durchschnittsgeschwindigkeiten!

1968 wurde der Ami 6 gründlich überarbeitet. Als Ami 8 wurde er noch bis Ende der siebziger
Jahre weitergebaut. Die Ente hat er natürlich nicht ablösen können.
Dem Ruf Citroëns, unkonventionelle Fahrzeuge zu bauen hat er dennoch einiges zugetragen!
Laut einer jährlich erscheinenden Statistik des André Citroën Clubs bringt es das einst in Frankreich
meistverkaufte Auto diesseits des Rheins leider nur noch auf gut einhundert existierende Fahrzeuge.
Wohl zu schnell entsprach das im Gewand der sechziger Jahre daherkommende Auto nicht mehr dem
Zeitgeist. Ein Ami - ob mit einer 6 oder einer 8 am Ende - ist somit eine große Rarität geworden.
26.08.03