60 Jahre Citroën 2CV: Die Sensation des Pariser Salons ist der 2CV

Als sich am Morgen des 7. Oktober 1948 die Tore des Grand Palais in Paris zum fünfzigsten Salon de l’Automobile öffnen, gelingt Citroën ein nicht zuletzt durch die jahrelang betriebene Geheimhaltung um das Projekt 2CV ein werbewirksamer Coup: Für Presse und Besucher völlig unverhofft stehen drei leibhaftige 2CV am Citroën-Stand!

Bereits seit Jahren war es der Presse nicht gelungen, konkrete Informationen zum 2CV herauszubringen, alles blieb spekulativ. Noch am Vorabend hatte Firmenpatron Pierre Boulanger wissen lassen, dass Citroën nicht beabsichtige, ein neues Modell vorzustellen. Die Nachricht vom ausgestellten 2CV verbreitet sich auch deshalb in Windeseile, die drei ausgestellten Fahrzeuge werden zu wahren Publikumsmagneten: Mehr als eine Million Besucher pilgert in jenen Tagen zum Citroën-Stand. Da die Wagen zugänglich sind, können sie von Interessierten innen wie außen ausgiebig inspiziert werden. Bereits in jenen ersten Tagen des offiziellen 2CV-Lebens tragen die langen Federwege des 2CV sehr zur Belustigung vieler Besucher bei, die die Ausstellungsstücke kräftig aus ihren Federn schaukeln. Allein die Motorhaube bleibt allen neugierigen Blicken verschlossen, denn aufgrund einer kurzfristigen Entscheidung, statt des ursprünglich geplanten manuellen Seilzuges nun doch einen elektrischen Anlasser zu verwenden ist der Motor noch nicht präsentabel.

Boulanger lässt es sich während der Messe übrigens nicht nehmen, immer wieder durch die Hallen zu wandeln, um erste Meinungen zu seiner Schöpfung 2CV zu hören. Ihm gegenüber hält man sich mit negativen Äußerungen sehr zurück. Ungefiltert sind hingegen diejenigen Publikumsreaktionen, die Citroën-Angestellte einfangen, die sich mit offenen Ohren unter die Besuchermassen gemischt haben. Und als in den nächsten Tagen französische Zeitungen Citroën zwar die Sensation des Salons bescheinigen, den 2CV aber für schon jetzt überholt (L’Équipe) oder gar als Publicity-Gag (France-Soir) bezeichnen, beginnt auch manch ein Citroën-Mitarbeiter am weiteren Erfolg des Projektes zu zweifeln.

Doch die Zukunft des Blechkistenautos (Das Auto/November 1950) scheint jenseits aller anfänglichen Skepsis positiv. Das zeigen die bereits zahlreich eingehenden Vorbestellungen und auch in der Öffentlichkeit sind erste durchaus positive Kommentare zu hören. So schreibt die schweizerische Revue Automobile, der 2CV sei ein wirkliches Volksauto. Alle ihm eigenen Lösungen sind verwandt worden, um Sparsamkeit in Herstellung und Verkaufspreis zu erzielen. Insofern ein bemerkenswerter Test, um beispielsweise einer vierköpfigen Familie nicht nur den Sonntagsausflug zu ermöglichen, sondern auch ihrem täglichen Bedürfnis Rechnung zu tragen. (…) Und weiter: Wenn überhaupt jemals ein Auto dem Massenbedürfnis nach Motorisierung entsprach, dann ist es der Citroën 2CV. Boulanger kann zufrieden sein!

Von Jan Eggermann

Dieser Text gehört zur Serie “60 Jahre 2CV” und ist in Auszügen dem 2005 erschienenen Buch Citroën 2CV – Die Ente in Deutschland entnommen. Erhältlich ist das Buch im Buchhandel unter der ISBN 978-3980908221 oder bei edition.garage2cv.de.

01.07.2008

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*