2CV – Prototyp TUM: Smartes Minimalkonzept

1978 bekamen die Studenten des vierten und fünften Semesters an der Ecole Nationale de Mécanique in Nantes die Aufgabe, ein Fahrzeug für den Stadtverkehr der Zukunft zu entwerfen. Dabei sollte den zu erwartenden Platzverhältnissen in den Städten ebenso Rechnung getragen werden, wie dem Komfortbedürfnis der Passagiere. Unter dem Namen TUM für Transport urbain minimal entstand ein für heutige Geschmacksverhältnisse zumindest gewöhnungsbedürftiges Gefährt, dass jedoch schon konzeptionelle Lösungen für heutige Stadtfahrzeuge vorwegnahm.

Das entfernt an einen eingelaufenen Renault Espace der ersten Serie erinnernde TUM wies eine Gesamt-Außenlänge von 2,40 Metern auf. Breite und Höhe waren mit 1,60 Metern identisch, der Radstand betrug 1,35 Meter. Um einer solchen Quadratur angemessene Bodenhaftung zu verleihen, war die Spurbreite sowohl vorne als auch hinten mit 1,43 Metern eher überproportioniert ausgefallen. In jedem Fall war der Wendekreis des TUM rekordverdächtig: Gerade einmal 7 Meter.

Schon äußerlich ließen die vertieften Entenfelgen auf die Verwendung von 2CV-Teilen schließen. Tatsächlich bediente man sich sich weitgehend im Citroën-Teilesortiment der damaligen Zeit. So entstammten etwa die Türgriffe dem Ami8, der Hecklappengriff dem 2CV, die Rückleuchten steuerte das Peugeot-Derivat LN bei, und vom damals brandneuen VISA waren der Scheibenwischer sowie die Heckklappendämpfer entliehen. Die eigentliche Karosserie bestand aus Blech und war auf einer Röhrenstruktur aus Stahl montiert.
Im Innern des Wagens fand sich Platz für zwei Personen und reichlich Gepäck. Der Fahrer nahm hinter einem höhenverstellbaren Einspeichenlenkrad Platz und blickte auf ebenfalls aus dem CX stammende Armaturen. Wenn gewollt, konnten die Sitze um die eigene Achse gedreht, oder als Liegesitze verwendet werden. Getrennt wurden die Fahrgäste durch einen zwischen den Sitzen liegenden Motor- und Getriebetunnel, in dem sich ganz dem Minimalprinzip folgend das kleinste erhältliche Citroën-Aggregat befand: Der 2-Zylinder- Boxermotor mit 435ccm Hubraum. Ausgestattet übrigens mit entsprechendem Getriebe und der bekannten Fliehkraftkupplung. Erreichbar waren hiermit rund 90 Stundenkilometer bei einem durchschittlichen Verbrauch von 4-6 Litern Benzin. Ob die mit reichlich Plüschteppich kaschierte Motorverkleidung tatsächlich geholfen hat, die Fahrgeräusche zu mindern, sei dahingestellt.

Von Jan Eggermann, 2003

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