2CV in der zeitgenössischen Presse: Der Spiegel berichtete


Citroën bedeutet viel mehr als ein bloßes Transportmittel. Für viele von uns ist ein Citroën wie ein alter Freund, eine Quelle von Geschichten, Erinnerungen und Inspirationen. Zitat aus einer Werbebroschüre

Unerreichte Legende
Zwei Auszüge aus historischen Veröffentlichungen zum 2CV

VON ZWERGEN UND ÜBERZWERGEN
Der Spiegel 1962
„Begründer der bisherigen Alleinherrschaft im Reich der Primitiven war vor vierzehn Jahren Citroëns damaliger Generaldirektor Boulanger. Feierlich enthüllte er auf dem Pariser Autosalon 1948 den Typ 2 CV. Die Ehrengäste standen starr: Das nach Boulangers Ideen entwickelte neue Citroën-Modell entpuppte sich – im Vergleich zu modernen Automobilen – als ein metallener Neandertaler.
Die spartanische Ausstattung und die merkwürdige, streng nach Gesichtspunkten der Zweckmäigkeit entworfene Wellblechkarosserie des 2 CV bezeugten, daß sich zum ersten Mal ein Automobilwerk über das allgemeine Streben der Konstrukteure nach Perfektion, Komfort und modischen Karosserielinien hinweggesetzt hatte. Citroën war zum automobilistischen Primitivismus zurückgekehrt.
So besteht der Sitzkomfort des 2 CV noch heute aus Stahlrohrgestellen, die mit elastischen Gurtbändern bespannt sind. Ein reguläres Armaturenbrett fehlt. Das Tachometer ist unverkleidet links neben dem Steuerrad montiert und mutet an wie das Manometer einer Dampfmaschine. Außer dem Anzeigen der Geschwindigkeit und dem Zählen der Kilometer erfüllt das Gerät noch eine wichtige Funktion, die im Normalautomobil ein kleiner Elektromotor besorgt: Es treibt den Scheibenwischer an. Falls die Kraft der Tachowelle – etwa bei starkem Regen oder niedriger Umdrehung – nicht ausreicht, muß der Fahrer den Wischer (per Griffrad) mit der Hand betätigen. Originell wie sein Interieur ist auch das Fahrgefühl, das der französische Auto-Zwerg seinen Insassen vermittelt. Der Autotester der „Welt“ etwa fühlte sich im 2 CV „wie auf einem sanft wiegendem Kamelrücken“. Auf Passanten wiederum wirkt das Auto bei scharfer Kurvenfahrt beängstigend: Es neigt sich so weit nach außen, daß ein Umkippen unvermeidbar scheint. Allein, das Fahrwerk des 2 CV verschafft dem Wagen selbst unter extremen Fahrbahnbedingungen ausgezeichneten Straßenkontakt. Diesen Effekt bewirken vier Schwingarme, die über Zugfedern paarweise in Längsrichtung miteinander verbunden sind. „Die Räder übertragen ihre Belastung über die Federn gegenseitig und schaffen dadurch eine Stabilität und Straßenhaftung, die einmalig ist“, urteilte ein Autotester.

Freilich: Selbst Kritiker, die Citroëns 2 CV als „ein ehrliches, tüchtiges Auto, das noch ein bisschen nach der Benzin- Romantik verflossener Jahrzehnte riecht“, bezeichneten und im ganzen so wohlwollend beurteilten wie der Stuttgarter Tester Fritz B. Busch, rügten mehr oder minder die vergleichsweise bescheidene Motorleistung. Obwohl der luftgekühlte Zweizylindermotor des 2 CV von ursprünglich 375 Kubikzentimeter Hubraum und neun PS Leistung inzwischen auf 425 Kubikzentimeter und 13,5 PS (Volkswagen: 34 PS) verstärkt wurde, gilt der frontge- triebene Wagen nach wie vor als träge; die Höchstgeschwindigkeit von knapp 80 km/st läßt sich offenbar nur unter günstigen Umständen erreichen. Trotz dieser Nachteile vermochte Citroën von 1948 bis heute über eine Million 2 CV verkaufen. Bei den Franzosen erwarb sich das Gefährt einen Mythos wie bei den Deutschen der Volkswagen. Die Käufer, bald als Primitivfahrer eingestuft, legten offenkundig keinen Wert auf Prestige-Symbole; für den Preis von 4.980 Franc (Preis in der Bundesrepublik 3.650 DM) handelten sie einen geräumigen Viersitzer ein, der sich nach Entfernen der Rücksitze, der Rückwand und des Rolldachs sogar zum Transport sperriger Güter eignete.

Entscheidend für den Verkaufserfolg des Wagens war jedoch, daß er seinen Besitzern den „niedrigsten Kilometerpreis“ (so Citroën) bescherte: Bei einem Minimum an Kosten für Wartung braucht der 2 CV nur rund fünf Liter Treibstoff (Volkswagen: rund zehn Liter) auf 100 Kilometer. Auch bundeseutsche Automobilisten interessieren sich für den ebenso zuverlässigen wie anspruchslosen 2 CV, vor allem wegen der geringen fixen Kosten. …
Eigens für den Export nach Deutschland gaben die Citroën-Werke ihrem Volksautomobil zum ersten Mal einen Namen: „Monpti“. Rund 8000 Exemplare der rollenden Nissenhütte sind mittlerweile in Deutschland verkauft worden. Bei den französischen Anhängern des Wellblechautos aber erwachte unterdessen der Wunsch nach höherer Beschleunigung und mehr Raum für Gepäck. Das Citroën-Werk reagierte wie das Wolfsburger Volkswagenwerk: Statt die Produktion gründlich umzukrempeln, behielt es die Produktion unverändert bei und fertigte nebenher einen neuen Typ, den Ami 6. Diese Entscheidung gereichte dem Werk nicht zum Vorteil. Schon einmal hatte sich das Unternehmen erhebliche Nachteile eingehandelt, weil es an der Produktion zweier Typen zu lange festhielt. So hatte Citroën 23 Jahre lang die Modelle 11 CV und 15 CV ohne wesentliche Veränderungen gefertigt – die Vorgänger der heutigen Typen DS 19 und ID 19.
Der Dauerrekord brachte das Werk an den Rand des Ruins, denn die Nachfolgetypen, speziell der DS, waren im Grunde noch nicht verkaufsreif, als im Jahre 1956 spürbar nachlassendes Interesse an den von der Auto-Entwicklung überrollten Citroën-Veteranen die Firma zwang, die Fertigung des 11 CV und des 15 CV einzustellen. Citroën-Primitivfahrer, die seit Jahren vergebens auf Verbesserung des alten 2 CV gehofft hatten, konnten den Ami6 trotz größeren Hubraums und besserer Leistung nicht als Weiterentwicklung des „Monpti“ ansehen. Denn der Ami 6, der nach Darstellung der schweizerischen „Automobil Revue“ mit seiner „molligen Polsterfülle“ eher die Rolle eines herrschaftlichen 2 CV zu spielen berufen ist“, kostete 1750 Franc mehr als der kleine Citroën. …
Citroën plant nunmehr, seine Kleinwagenmodelle stärker zu machen: Beim 2 CV soll die Motorleistung von 13,5 auf 17 PS und die Höchstgeschwindigkeit auf nahezu 100 km/st gesteigert werden, beim Ami 6 von 21 auf 27 PS (115 km/st).“


Citroën
Um die Ecke


Der Spiegel 1967 „Zwölf Jahre lang baute die Firma Citroën, Frankreichs zweitgrößte Automobilfabrik, ohne Änderungen ein Fahrzeug, das viele Automobilisten heute für das fortschrittlichste Auto der Welt ansehen: den DS 19 und seine Varanten ID 19 und DS 21. Die flunderflache Front des ungewöhnlich zukunftssicher entworfenen Stromform-Wagens ist seit 1955 ein Auto-Gesicht, das die Welt kennt – Symbol für Citroëns eigenartigen Konstruktionsstil. Jetzt hat Citroën zum erstenmal Hand angelegt an sein vielgelobtes Geschöpf, das der Automobilchriftsteller Alexander Spoerl „eine Göttin“ nannte. … Gleichzeitig präsentierte die Firma einen neuen Kleinwagen. Er hat einen 18 PS-Motor und Frontantrieb. Sein Name: Dyane. Der Neuling (Höchstgeschwinigkeit: 98 Stundenkilometer) verkörpert in moderner Form eine andere Seite des Citroën-Prinzips: den Bau möglichst einfacher, wirtschaftlicher, aber voll gebrauchstüchtiger Primitiv-Autos.

Prospekt von 1963

Citroën ordnet den neuen Kleinwagen als Zwischentyp ein zwischen die Kleinwagen 2 CV und Ami 6. Der 2 CV, in Deutschland bekannt als „häßliches Entlein“, soll laut Citroën zwar als Standardtyp weiter- hin produziert werden. In der Branche gilt jedoch als sicher, daß der Dyane als sein Nachfolger vorgesehen ist und ihn eines Tages ablösen wird.

Prospekt von 1966

Auf dem deutschen Markt, für den Citroën seinem Entlein eigens einen richtigen Namen gab, hatte Citroën im vergangenen Jahr mit 14984 verkauften Wagen … einen neuen Rekord-Erfolg erzielen können. … Die Citroën-Ingenieure hielten ohnehin für angezeigt, die DS- und ID- Modelle technisch aufzuwerten, obwohl sie ver- gleichbaren Konkurrenten immer noch viel voraus haben: Sie kamen schon 1955 mit Scheibenbremsen und Zweikreis- Bremssystem auf den Markt und werden hydropneumatisch gefedert. … Für die teureren DS-Modelle wie Pallas und Prestige koppelte Citroën die Leuchten außerdem mit einer bemerkenswerten Neuerung: Zwei der vier Scheinwerfer schwenken ihre Strahlrichtung automatisch je nach Radeinschlag – bei Kurvenfahrt leuchten sie gleichsam um die Ecke.

Prospekt von 1963

In der Kleinwagenklasse hatten die Anhänger des 1948 unverändert gebauten 2 CV schon vor Jahren ein Nachfolger- Modell erwartet. Doch statt eines komfortablen Nachfolgers bot ihnen Citroën mit dem Ami6 einen teureren Zusatztyp an. Der 2 CV, von Jahr zu Jahr skurriler anmutend, entwickelte sich allmählich vom Zweckauto zum Kaufobjekt für Liebhaber. … “

Prospekt von 1964

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