2.0 für die Ente: Entenklassik in Essen


Noch vor wenigen Monaten hätte es sich Veranstalter Uwe Wybyralla nicht träumen lassen, dass das diesjährige Enten-Klassik-Treffen in Essen-Borbeck in direkter zeitlicher Konkurrenz zum Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft mit deutscher Beteiligung stehen würde. Doch es gibt Dinge die einfach nicht beeinflussbar sind. Man könnte getrost auf höhere Gewalt plädieren! So ließen sich in den letzten Tagen vor dem Großereignis in Essen nicht wenige Doppelwinkelpiloten versichern, dass pünktlich zum Anpfiff ein Fernseher bereitstünde.  Dass das Herz des Ruhrgebiets nach wie vor für „König Fußball“ schlägt, merkten die ca. 350 Teilnehmer dann schon in den Vormittagsstunden, als auf den nach Borbeck führenden Strassen erste Feierlichkeiten ausbrachen und die Anfahrt nicht erleichterten. Pünktlich gegen 13 Uhr leerten sich wie auf Kommando nicht nur die Strassen, sondern es teilte sich auch die illustere Gesellschaft der Entenfahrer. Während die einen in der mustergültig restaurierten Dampfbierbrauerei dicht gedrängt um eines der Fernsehgeräte standen und mit der Völler-Elf fieberten, gab es für die anderen nur eines: Enten!


Von käuflich bis unbezahlbar: Während ein restauriertes Exemplar für einen nicht genannten Preis feilgeboten wurde, erfreute sich vor allem die im Detail außergewöhnliche 2CV A manchen Blickes.

Ganz wie im letzten Jahr bot sich den angesichts unerwarteter Konkurrenz nicht ganz so zahlreichen Besuchern wieder ein reichhaltiger Querschnitt von Citroën 2CV Modellen aus vier Jahrzehnten. Neben den „normalen“ 2CV6-Modellen der letzten Baujahre waren auch ausgesprochene Raritäten zu sehen. Ein 2CV A Modell mit gerade einmal 25000 Kilometern Laufleistung: Etwas rostig zwar und wie es unsere französischen Nachbarn zu sagen pflegen „dans son jus“ , dafür aber noch mit wunderbaren Details wie den noch vorhandenen originalen Schutzfolien aus Papier über den nach 48 Jahren noch völlig jungfräulichen Türverkleidungen! Überaus sehenswert auch einige Fahrzeuge aus den sechziger Jahren, darunter eine rare AZL3 aus belgischer Produktion.



Werbeträger: Die eine noch im täglichen Werbeeinsatz, die andere nach langen Jahren als Eiswagen wieder im Ursprungszustand!

Ein echter Hingucker auch eine Kastenente des Baujahres 1974, die tatsächlich irgendwo am Niederrhein im Einsatz als Eiswagen fast gänzlich ohne Rostschäden die Jahre überdauert hatte und nun – versehen mit der originalen Lackierung – dastand wie am ersten Tag.


Prämiert: ami 6 mit Faltdach und eine Charleston mit längster Anreise und Motorschaden.

Traditionell vergab der Veranstalter auch wieder die ein oder andere Prämierung: So wurde – quasi für sein Lebenswerk „On the road“ der Bremerhavener Manni Müller mit Ente Difty ausgezeichnet. Den Preis für die weiteste Anreise konnte an ein Fahrerteam aus Belzig vergeben werden: Ein Trost für die auf der Hinfahrt eingegangene Maschine der Charleston-Ente, die vor Ort direkt getauscht wurde. Weitere Preise gingen an eine restaurierte 2CV Sahara und einen ebenso schön wiedererstandenen Ami6 mit zeitgenössischem Klappfaltdach.


Bunt gemischt: Enten aus vier Jahrzehnten.

Als sich irgendwann die Türen der Brauerei öffneten und eine arg deprimierte Schar von Fußballfans das Gebäude verließ, war einerseits kein Zweifel mehr über den Spielausgang möglich, andererseits waren die beiden Lager der Entenfahrer wieder vereint. 2:0 für Brasilien – hier hieß es im weiteren Verlauf des Nachmittages: 2:0 für die Ente! Auch 2003 wird es voraussichtlich am 29.06. wieder die Entenklassik geben. Ganz sicher ohne Fußball. Und spätestens dann werden wir erfahren, ob die beiden Charleston-Piloten wieder in ihrer Heimat angekommen sind!


Pünktlich gegen 13 Uhr leerten sich die Strassen von Essen-Borbeck!

Von Jan Eggermann, 2001.

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